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Alpkäse ist als Naturprodukt im Trend
und kann nicht über Absatzprobleme klagen. Nur fehlt ihm mehr und mehr
das Ausgangsprodukt, die Milch. Die Bauern haben die Mutterkuh gerochen, die
ihnen weniger Arbeit und somit einen besseren Stundenlohn verspricht. Im Kanton
Graubünden wurden laut Leonhard Hug, Fachleiter Alpwirtschaft am Plantahof
die Alpen von 1996 bis 2000 mit 900 Milchkühe weniger und 5200 Mutterkühen
mehr bestossen. Obwohl die Milchmenge bis anhin etwa gleich geblieben ist,
finden viele Gemeinden nicht mehr genügend Kühe, um ihre Alp wirtschaftlich
durch den Sommer zu bringen. Nicht in allen Bergkantonen ist die Milchkuhabwanderung
so massiv wie in Graubünden, aber die Tendenz vermehrter Mutterkuhhaltung
sind überall zu spüren.
Wer kurzfristig rechnet,
dem bieten die saisonal bedingten höheren Milchzahlungen von Emmi und
SDF Anreiz genug, seine Kühe während den Sommermonaten auf dem Heimbetrieb
zu melken. Emmi zahlt dieses Jahr im Monat August 6, im September 5 und im
Oktober 4 Rappen mehr, die SDF im Juli 4, im August und September 5 Rappen
mehr, sofern sie denn noch kann. Im Gegensatz zum Milchpreis, der auf den
Alpen erwirtschaftet wird und in verschlungenen Alprechnungen verschwindet,
sind das klare Zahlen. Dass die Milchabnehmer mit dem Mehrpreis nur so lange
locken, bis sie die Milch haben, gehört zum Einmaleins der freien Marktwirtschaft.
Der Alpkäse wird jedoch nachhaltiger gutes Geld bringen. Die CasAlp rechnet
für dieses Jahr mit einem Produzentenpreis von 86 Rappen pro Liter.
Falls nicht mit der AP 2007,
dann sicher später, wird die Auflösung der Milchkontigentierung
kommen und mit ihr viele Milchkannen ins Talgebiet gehen. Der Rohstoff des
gesuchten Alpkäses wird dann im Unterland zu Käse verarbeitet, für
den eine Absatzförderungsmassnahme notwendig sein wird.
Es ist paradox: Die Konsumenten wollen Alpkäse kaufen, doch wer wird
ihn produzieren? Obwohl von den Politiker vielfach als Nischenprodukt mit
Zukunft gepriesen, setzen sich wenige für die Erhaltung der traditionsreichen
Alpkäseproduktion ein. Die Behörden halten sich an die Bestimmungen
in ihren Gesetzen, schliesslich ist es nicht ihre Aufgabe gute Ideen zu entwickeln.
So treibt das MIBD mit überspitzten Hygienestandards die Produktionskosten
in die Höhe und die Meliorationsämter subventionieren Pipelines
und Betriebszusammenschliessungen mit der Begründung, nur so könne
die Alpwirtschaft erhalten werden. Und diesen Sommer will das BVET den Alpbetrieben
ohne QS-Zulassungsnummer die Milchverarbeitung verbieten.
Auch die Bauern bohren Löcher
in ihren Alpkäse. Sie setzen ihn zu Preisen ab, die das hochwertige Naturprodukt
nicht verdient hat. Der Verkaufspreis wird regional und pro Betrieb sehr unterschiedlich
gehandhabt. An den Grosshandel gelangt das Kilo zu 10 bis 12 Franken, im Direktverkauf
liegen die Preise bei 14 bis 22 Franken. Innerhalb dieser Differenz entscheidet
sich die Wirtschaftlichkeit der Alpkäserei. Wer guten Käse produziert
und dies den Konsumenten vermitteln kann, macht Profit. Wer nur guten Käse
produziert, macht bei einer regionalen Marktorganisation wie CasAlp, LÉtivaz
oder Glarona mit. Sie setzen sich für einen vernünftigen Absatzpreis
ein, übernehmen die Käsepflege und das Marketing. Insgesamt stärken
sie die Marke Alpkäse und setzen sich für eine Weiterbewirtschaftung
der Alpsennereien ein.
Dieser Text ist am 25. Mai im Schweizer
Bauer veröffentlicht worden.
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