Dem Versuch
gingen frappante Erfolge im eigenen Stall voraus. Kälbchendurchfall
wich in Stunden mit ein paar Kügelchen Arsenicum album C30, die Flechte,
die Jährlinge auf dem Fell entwickeln können, verflüchtigte
sich innert Tagen ins Nichts mit Sulphur C30. Das eindrücklichste
Heil-Ereignis fand bei einer Kuh statt, die eine akute Entzündung
eines Viertels aufwies – so schmerzhaft, dass sie sich nicht mehr
anfassen lassen wollte. Nach ein paar Kügelchen Belladonna C30, die
sofort (und dieses „sofort“ ist wichtig) eingegeben wurden,
war das Tier am nächsten Abend gesund als ob nichts gewesen wäre.
Ganz weich war das Euter und die Milch in Ordnung. Nicht viel erreicht
wurde im eigenen Stall mit den subakuten Euterentzündungen, die nicht
sichtbar werden, aber eine Erhöhung der Zellzahlen in der Milch hervorrufen.
Eine höchst unerwünschte Sache. Die im letzten Winter vorgenommenen
Versuche, die erhöhten Zellzahlen zu elimieren, gelangen nicht. |
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Bei Beginn der Alpzeit 2002 schaffte die Alpgenossenschaft Laret eine speziell für die Alp zusammengestellte homöopathische Apotheke an (erhältlich bei homöop. Tierärzten und in ausgesuchten Apotheken). Der Senn Hansjörg Fiegl aus Südtirol hatte noch nie von der Homöopathie gehört und stand dem Vorschlag, er möge bei jeder Erkrankung sofort anrufen und dann die genannten Kügelchen geben, etwas ratlos, aber auch nicht ablehnend gegenüber. Fiegl wurde im Laufe des Sommers zu einem erklärten Anhänger der homöopathischen Heilmethode! Denn die Erfolge der Behandlungen – über die er getreulich Buch führte – waren zahlreich und frappant. So ist in seinen Aufzeichnungen zu lesen: „26. morgens schlechte Milch, 27. abends wieder gut“. Mit Phytolacca americana, das auch für die menschliche weibliche Brustdrüse Wunder tun kann, waren viele der Heilerfolge eingetreten. Ein steinhartes Euter wurde mit Bryonia alba über Nacht weich, Blut im Euter wich mit Ipecacuanha in zwei Tagen – nach einer starken Erstverschlimmerung, bei der – wie Fiegl berichtete - eine „grosse Sauerei“ aus dem Euter kam. Um den erhöhten Zellzahlen beizukommen, löste Fiegl nach Anweisung der Apothekerin aus der Piz Ot Apotheke das Silicea C200 aus seiner Alp-Apotheke in Wasser auf und spitzte die Lösung – in einer einmaligen Anwendung - mit einer Pippette den entsprechenden Tieren ins Maul. Der Behandlung liess er später das Mittel „Sulphur C30“ auf die gleiche Weise - in Wasser aufgelöst - folgen. Es war natürlich unmöglich, beim einzelnen Tier zu verfolgen, inwiefern und wie schnell die Zellzahlen abnahmen. Doch zeigte nach Aussage Hansjörg Fiegls der Schalmtest am nächsten Tag nach der Silicea-Behandlung in etlichen Fällen bereits eine Besserung an. Die Zellzahlen auf der Alp Laret gerieten summasummarum in zufriedenstellende Tiefen – was natürlich auch mit dem sorgfältigen Melken, wie es praktiziert wurde, im Zusammenhang stand. Weil mit Silicea ein solcher Erfolg erzielt wurde, gab Hansjörg Fiegl bei Euterproblemen danach nicht selten zuerst Phytolacca und nach drei Tagen noch Silicea. Gar keine Erfolge gab es bei den Füssen. Es hinkten die Kühe, wie üblich auf der Alp, wenn sie sich an Steinen verletzen, und die gewählten Mittel schlugen nicht an. Dazu ist zu sagen, dass die Autorin dieses Berichtes sich bei der Wahl der Mittel eines in Amerika geschriebenen Buches für Tierärzte (Mac Leod/Wolter: „Homöopathische Erkrankung der Rinderkrankheiten“, Sonntag Verlag) bediente, welchem die heftigen Panaritium-Erkrankungen, wie sie die Tiere hier auf der Alp nach Verletzungen bekommen, unbekannt waren. Ein Tip von der Zeitschrift „zalp“ half weiter, kam aber für diese Alpsaison zu spät: Im Anfangsstadium gibt man Apis C30, um die Schwellung zu vertreiben, nach drei Tagen gibt man Hepar Sulphur C30, um die Eiterung zu vertreiben, und nach weiteren 3 Tagen Silicea C30 für die Ausheilung. Barbara Sulzer hatte diese Zusammenstellung von Jürg Tschümperlin aus Trin erhalten. Die Mittel wurden inzwischen in unserem Stall ausprobiert und befreiten alle drei Versuchstiere – darunter auch ein Schaf - von ihrem aktuellen Fussproblem. |
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Woher
kommt die Wirkung? Was auch nie ganz richtig verstanden wird, ist, dass ein so hochgradig verdünntes Mittel, wie es in der Homöopathie Verwendung findet, überhaupt eine Wirkung zeigen kann, ist doch chemisch absolut nichts mehr vom Medikament in der Substanz vorhanden. Ein Artikel in der NZZ („Hat die Homöopathie doch recht?“) berichtet davon, dass Forscher herausgefunden hätten, dass sich bei Verdünnung die Moleküle einer Substanz vergrössern. Wie die Wirkung im Körper – chemisch - genau vonstatten geht, weiss man trotz diesem interessanten Forschungsresultat aber stets noch nicht. In vitro Versuche beweisen indessen die Wirksamkeit der hochverdünnten Substanzen. Weil chemisch nichts in dem Mittel vorhanden ist, lagert sich notabene nichts im Fleisch der Tiere ab! Homöopathische Mittel müssen sorgfältig
ausgewählt werden, so Belladonna nur, wenn das Tier heiss
ist, wenn die Erkrankung schlagartig begann und anderen Anzeichen, die
auf dieses Mittel hinweisen. Arsenicum album hilft – gemäss
den Aussagen meines Mannes - bei Kälberdurchfall nur, wenn dieser
weisslich ist. So möchte sich denn dieser Artikel nicht als Anweisung
zu einem wahllosen Vorgehen verstanden wissen – sondern als Ermutigung,
sich in die Homöopathie etwas einzulesen, um sie den Tieren zugute
kommen zu lassen. (Aus der Tierapotheke kann ohne weiteres auch dieser
und jener „Menschenversuch“ vorgenommen werden, die Mittel
sind für Mensch und Tier dieselben). In allen Zweifelsfällen,
wo nicht ganz klar ist, was das Tier hat, lieber den Tierarzt rufen. |
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