| Holz statt Plastik | Nov.
2003 |
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Während der Sanierung von Alpgebäuden, insbesondere von Sennereibetrieben, wurden in den letzten Jahren vielfach Materialien verbaut, die dem eigentlichen Zweck nicht entsprechen. Ein Chromstahlpresstisch hält die Temperatur nicht so gut wie ein Holzpresstisch, geplättelte Wände und mit Kunststoffen versehene Flächen regulieren die Luftfeuchtigkeit nicht so gut wie Wände aus Naturmaterialien oder mit einem Kalkanstrich verputzten. Mit diesen Materialien leben und arbeiten wir aber bereits auf vielen (besonders Bündner) Alpen, sie sind fest installiert, und neuerliche Korrekturen sind aufwendig. von Anne Krüger |
| In diesem Sommer ist mir beim Durchblättern der gängigen Kataloge zu Käsereibedarf aufgefallen, dass es viele kleinere Gebrauchsgegenstände wie z.B. Järbe oder Käseschmierbürsten nicht mehr oder kaum noch aus Holz zu kaufen gibt. Diese Artikel sind jetzt aus Plastik, sogar manche Harfenstiele. Dass die Abbildungen im Katalog noch das Holzjärb und die Holzbürste zeigen, geschieht wohl aus Nostalgie.
Zu Holz statt Plastik gäbe es viel zu sagen, was Ästhetik, Energie, Erdöl oder alte Handwerksberufe betrifft. An dieser Stelle soll es aber darum gehen, wie sich die Oberfläche eines Plastikgegenstandes mit dem Gebrauch verändert, und wie wenig „keimarm” man sie dann noch halten kann. Hierüber gibt es wissenschaftliche Untersuchungen, die ich bisher leider nur in pseudowissenschaftlicher Form publiziert gefunden habe. Am besten verbreitet ist die Arbeit von Ak, Cliver und Kaspar (1994): Das Ergebnis war, dass völlig neue Plastikbretter „keimfrei” zu waschen waren. Sobald die Plastikbretter aber Gebrauchsspuren aufwiesen, war es mit gewöhnlichen Mitteln nicht mehr möglich, die aufgetragenen Bakterien von der Oberfläche zu entfernen. Am heikelsten waren fettige Oberflächen. Plastikbretter mit verletzter Oberfläche bieten Keimen die besten Chancen zum Überleben. Auf hölzernen Schneidbrettern hingegen konnten bereits kurze Zeit nach dem „Verseuchen” mit den genannten Bakterien keine Keime mehr nachgewiesen werden, ausser, die Bakterien wurden in extrem grossen Mengen aufgebracht. Diese erstaunliche „selbst-desinfizierende” Wirkung hatten sowohl neue als auch gebrauchte (zerschnittene) Holzbretter, und zwar ohne grossen Unterschied. Eine andere Studie nahm speziell Salmonellen unter die Lupe: Hier zeigte sich, dass die unerwünschten Bakterien auch dann auf Holzbrettern unterdrückt wurden, wenn die Bretter gar nicht regelmässig gespült wurden (Kass, 1992).
Entsprechend den Salmonellen wird auch Staphylococcus aureus von anderen auf einer Oberfläche vorhandenen Mikroorganismen unterdrückt, besonders von denen, die Milchsäure produzieren. Hier ist es schon ironisch, dass gerade in der Zeit, in der Staph. aureus in Sennereien als Problem wahrgenommen wird, Holzoberflächen aus den Sennereien verschwinden. Der Aufenthaltsort für eine stabile, gutartige Keimflora wird aus den Alphütten ausgeräumt. Müssen nun also Holzoberflächen auf Alpen durch Plastik und durch Edelstahl ersetzt werden? Werden dadurch die Produktionsbedingungen „sicherer”, die schädlichen Keime weniger, die mikroskopisch kleinen Dauerbewohner unserer Arbeitsräume endlich einmal anständig unter Kontrolle gehalten? Ich meine, dass ein bisher im Normalfall verlässlich funktionierendes Gleichgewicht durch die „modernen” Materialien gestört wird. Die neue, unstabile Keimflora wiederum hofft man durch den Einsatz von starken Reinigungsmitteln und Bakteriziden zu regulieren. Dabei war und ist das Zusammenspiel von Holzoberflächen, Sonnenlicht, kochend heissem Wasser und abwechselnd alkalischer und saurer Reinigung so einfach und so erfolgreich...
Literatur:
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Die zalp.ch hat bei Rudolf Amrein, Mikrobiologe an der Forschungsanstalt für Milchwirtschaft FAM in Liebefeld, nachgefragt, ob er oben zitierten Untersuchungen kenne. Bekannt sind sie ihm nicht direkt, sondern aus Berichten. Er meint aber auch, dass sie sich nicht auf Alp übertragen lassen, da es dort nicht um Schneidunterlagen geht.
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Die Stabilität von Auflageflächen, Formenmaterial und weiteren Hilfsgeräten auf den Alpen ist einerseits abhängig von der chemischen Zusammensetzung, inkl. Stabilität gegenüber von Hitze, chemischen Stoffe und Lösungen, Licht und andererseits von mechanischen Einwirkungen wie Abnutzung, Riss- und Spaltenbildung, inkl. Alterung.
Bauliche Überlegungen
Auch Auflageflächen aus Kunststoff (Presstisch, Butterablage) altern schneller als Chormstahlauflagen und sind je nach Abnutzung früher zu ersetzen. Heikel sind auch die Übergänge der Auflageplatten, u.a. Schweissnähte, Silikonfugen etc.
Aber auch Kunststoffformen altern, weisen nach kurzer Zeit Haarrisse später auch Risse auf. Je nach Material müssen sie nach maximal 8-10 Jahren ersetzt werden. Hygienische Überlegungen
Produkte abhängige Faktoren Für die Ausreifung der Käse im Keller eignen sich Holzbretter auch unter erschwerten klimatischen Verhältnissen sehr gut und gewähren eine optimale Schmierebildung. Die Reinigung sollte ohne Chemikalien erfolgen, nur mit warmem Wasser, Bürste und Einlegen in kochend heisses Wasser für die Desinfektion. Trocknen an der Sonne ist immer noch das Beste für die Käsebretter; nicht direkt auf den Boden stellen. Wichtig ist auch hier, dass Käsebretter mit Spalten, Rissen, Unebenheiten ausgewechselt werden müssen. Werden pathogene Keime nachgewiesen, ist eine komplette Sanierung der Keller aber auch den vorgelagerten Bereiche einzuleiten und umzusetzen. Wirtschaftliche Faktoren
Natürliche Gleichgewichte mit Keimen zu erhalten und zu pflegen ist ohne ein Hygienekonzept nicht machbar. Die Senninnen und Sennen haben es in der Hand, gärungstechnisch wichtige Keime zu pflegen (Kulturen) und „Schädlinge“ von ihren Alpkäsen fernzuhalten. |
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Anne Krüger hat in Witzenhausen Landwirtschaft studiert und war mehrere Sommer auf der Alp in Graubünden und Norwegen. Sie ist bei der IG-Alp und hat diesen Artikel für den IG-Alp Infoverteiler geschrieben, der bestellt werden kann unter www.ig-alp.org. |
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