| Kalbfleisch statt Alpkäse |
August
2007
|
|
|
||
|
|
||
|
Manche Assoziationen sind einem so in Fleisch und Blut übergegangen, dass man sich gar nicht mehr fragt, ob sie überhaupt noch zutreffen. «Alp und Kuh» ist so ein Beispiel, das fest in den Köpfen verankert scheint. Dabei ist auf den Bündner Alpen höchstens jedes dritte Tier eine Kuh. Weit häufiger, nämlich 35'000 Mal, handelt es sich nur um die jugendliche Vorstufe, das Jungvieh. Oder um Schafe (35'000 Stück), Ziegen (4'600 Stück) und zunehmend auch um Pferde (885 Stück). Auch mit der Assoziation «Alpmilch – Alpkäse» liegt man in der Ferienecke der Schweiz höchstens in drei von vier Fällen richtig: Rund jeder vierte Liter Alpmilch wird gar nicht auf der Alp, sondern in einer Dorfsennerei verarbeitet. Und jeder zehnte Liter gelangt direkt vor Ort in die Mägen von Älplern, Alpgästen und Masttieren falls er nicht in die Industrie geliefert wird.
Wer beim Stichwort «Kuh» gleichzeitig an «Milch» denkt, liegt zwar nicht ganz falsch, unterschlägt jedoch ein wesentliches Detail: das Kalb. Denn immer öfter ist die Kuh eine Mutterkuh und die Milch nur für ihr Kalb bestimmt. Dann lautet die logische Verbindung nicht mehr «Kuh – Milch – Käse», sondern «Kuh – Kalb – Fleisch.» Wobei Letzteres besonders gut schmeckt, wenn die Kuh samt Kalb z'Alp war. Reine Mutterkuhalpen sind zwar noch selten, nur sieben Prozent der Bündner Alpbetriebe sind ausschliesslich Mutterkühen mit Nachwuchs vorbehalten. Aber auf beinahe jeder dritten Alp finden sich in der Rinderherde ein paar Mutterkühe, oder neben den 16'000 Milch- und Galtkühen weiden ein paar von den 14'000 Mutterkühen mit ihren Kälbern. |
||
![]() |
||
| Urs Baumgartner hütet auf drei Alpen und hat noch Zeit für einen Termin mit der Journalistin. | ||
|
Ein Hirt – drei Alpen Auch wenn es um Älpler geht, schwingen oft unbewusste Gedanken mit. Gedanken wie: «Hirt – schweigsam.» Wer monatelang den lieben langen Tag nur mit dem Vieh unterwegs ist, von dem muss man ja annehmen, dass er das Reden verlernt. Oder dass er Selbiges schon vorher gar nicht konnte; ja, dass vielleicht genau das der Grund war, sich für den einsamen Job des Hirten zu bewerben. Was den Hirten Urs Baumgartner angeht, so trifft weder das eine noch das andere zu; Baumgartner ist durchaus ein kommunikativer Mensch. Im Winter vermittelt er als Lehrer Schulkindern das nötige Wissen fürs spätere Leben – im Sommer führt er als Hirt Kühe und Kälber zu den besten Weidegründen. Vor vielen Jahren hütete er Milchkühe und Rinder, heute sind es Mutterkühe und Kälber. Bereits zum dritten Mal hat Baumgartner im Sommer seinen Wohnsitz vom Aargau ins Prättigau verlegt. Ist über Klosters ins Tal der Vereina gereist. Hat die Alpen Pardenn, Garfiun und Spärra links, die Alp Novai rechts liegen lassen. Ist weiter geradeaus gefahren, bis dort, wo das Tal endet und wo es nur noch aufwärts geht. Hier bleibt er bis zum Herbst und lehrt uns, dass sogar der Gedanke: «ein Hirt – eine Alp» falsch sein kann: Denn Baumgartner ist nicht nur für eine, sondern gleich für drei Alpen zuständig: Sardasca, Seetal und Silvretta. |
||
|
Das Unwetter riss die Argumente mit |
||
![]() |
||
| Auch das Fleisch braucht Futter, nicht nur die Milch. | ||
|
Mutterkuhalpen sind anders |
||
|
Weniger Jungvieh – mehr Mutterkühe auf Bündner Alpen |
||
![]() |
||
|
|
||
|
Links: |