| Büchertisch |
Mai
2008
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Nachschlagen bis zum Anschlag Als ÄlplerIn begegnet man auf der Weide nicht nur Kühen und Touristen, sondern ziemlich viel Natur, die darauf wartet, bewundert zu werden. Wofür sonst wäre sie denn da? Man freut sich an den schönen Blümlein und scheuen Tieren, befingert Stein und Gräser, schaut gedankenverloren den Wolken nach. Das ist beschaulich, aber es nährt nicht den kleinen Forscher in uns. Man möchte abends in der Hütte vom Gesehenem berichten, nach jener Blume fragen oder ob dieser Vogel hier häufig auftaucht. Hierzu müssen die Dinge benannt werden und darum brauchen die ÄlplerInnen ein Buch zum Nachschlagen. Das «Handbuch Schweizer Alpen» ist vier Bücher in einem. Pflanzen, Tiere, Gesteine und Wolken sind zur näheren Bestimmung bereit, können nachgeschlagen und aufgefunden werden. Zu den jeweiligen Kapiteln gibt es eine knappe, aber informative Einführung. Der Inhalt wirkt etwas gedrängt, die Angaben zu einer Pflanze oder einem Tier sind kurze Weide, wer mehr wissen will, zum Beispiel über den Bartgeier oder die Trichterlilie, muss weiterführende Literatur beiziehen. Aber man will ja nicht immer alles wissen, oder. Pflanzen bestimmt man über die Blütenfarbe, das ist nicht sehr wissenschaftlich, aber einfach und führt mit etwas Rumblättern auch zum Ziel. Ein Plus des Buches ist seine Herkunft. So ist bei den Detailangaben das Verbreitungsgebiet auf einer Schweizerkarte angegeben. Bestimmungsbücher, die sich über den ganzen Alpenbogen strecken, sind oft überladen mit Infos, die wir gar nicht haben wollen. Gut gefallen uns die Einführungstexte, man kann über die Lebenswelt der Alpen viel lernen ohne mit wissenschaftlichen Jargon vergrault zu werden. Staffelbach hebt auch seinen Mahnfinger, wenn es um den schwindenden Artenreichtum und den Klimawandel geht. Wer Kombipacks liebt, bekommt mit dem Buch einen treuen Begleiter. |
| Heinz Staffelbach Handbuch Schweizer Alpen Pflanzen, Tiere, Gesteine und Wetter Haupt Verlag, Bern 2008 Fadenheftung, flex. Deckenbroschur, 150 x 215 mm, 656 S., 1150 Farbbilder, CHF 66.– ISBN 978-3-258-06895-4 www.haupt.ch |
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| Geschichten der Stille, die riechen Auf der Alp ist eigentlich ständig Action: Rinder rennen, Käsebürsten rotieren, Melkmaschinen vakuumieren, Butterfässer drehen, Hirten fuchteln, Hunde schwirren, Stöcke hauen, Schwämme jagen durch die Rohre, Regentropfen prallen, Schnürsenkel flattern usw. Laut ist es: Generatoren rattern, Waschmaschinen lärmen, obige Hunde bellen, Ketten rasseln, Hirtinnen schreien, Sennen johlen, Winde rauschen, Bergdohlen pfeifen. Still ist es praktisch nur im Brutkasten (möchte ich gern schreiben, aber auch dort summt die Birne oder der Trafo). Im Buch «Alp – Portrait einer verborgenen Welt» ist das anders. Vanessa Püntener holt die Stille hervor, bis es nicht Eindringlicheres mehr gibt. Die Bilder der fünf Urner Alpen mit Landschaft, Vieh und ÄlplerInnen fordern Zeit. Es dürfen gerne auch mal fünf kostbare Minuten pro Bild sein. Sonst entgehen einem die Geschichten, die eine Holzfassade, ein Herrgottswinkel, ein zerfurchtes und ein sommersprossiges Gesicht, eine Landschaft im Nebel, ein Kuhauge oder ein Paar Zoggeli erzählen. Plötzlich fährt es einem durch die Zehen: Warum haben die Urner alle Arten von Schuhen, nur keine Bergschuhe an? |
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| Wenn die Bilder auch nicht im Gehör rumoren, haben sie dafür umso mehr olfaktorischen Charakter. Sofern man die Gerüche schon mal gerochen hat, tauchen sie überall im Buch auf: Betrachtet einmal mit Ruhe das Titelbild. Könnt ihr die Komposition aus stallgewohnten Hemden, alphistorischem Holz und den aussen peinlich gereinigten Stiefeln in der sich zögerlich erinnernden Nase wahrnehmen? (Falls nicht, weiterschauen und zur Hilfe die Nasenflügel etwas flattern lassen.) So zieht die Nase weiter durch das Buch, vorbei an feuchtnebligen Landschaften, unter Kuhflotzen hindurch, durch papierverklebte Küchen und Ställe, sogar die Felswände tauchen rauh und modrig auf, um dann in den Augen eines Stallburschen zu entschwinden, und eine neue Geschichte beginnt. Vanessa Püntener meldet sich im Buch nicht zu Wort, Erklärungen würden den Bildern ihr persönliches Geheimnis nehmen. Dafür erklärt einem Robert Kruker die Urner Alpwirtschaft und Fredi M. Murer (Regisseur «Höhenfeuer») schreibt einen erhellenden und sehr persönlichen Kommentar zu einigen Bildern, die er lieber Bilder nennt als Fotos. Recht hat er. |
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| Vanessa Püntener: Alp – Porträt einer verborgenen Welt edition stephan witschi 2008, Zürich Hardcover gebunden, 215 x 625 mm, 76 Bilder, farbig, CHF 49.– ISBN 978-3-033-01499-2 www.stephanwitschi.ch |
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| Sixpack Berner Alpen Letzten Sommer haben Ernst Roth und Beat Straubhaar ihr umfangreiches Werk über die Berner Alpen mit dem sechsten Band der Reihe «z’Bärg – Wege zum Alpkäse» vollendet. Auch das Haslital ist jetzt milchalpmässig katastert. |
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Neben der Vorstellung der 80 Käsalpen im Haslital beinhaltet der letzte Band auch ein ausführliches Glossar mit berndeutschen Älplerausdrücken und Erklärungen zu den Alpnamen. So lernt man zum Beispiel, dass die Alp Gürütscheren ihren Namen von der Eberesche hat. Oder die Axalp wohl eine Axt im Haus hat, aber nach dem keltischen «Pachs», was «Weide» bedeutet, benannt ist. Das gibt Raum für ein heiteres Alpnameraten am Ende eines geschäftigen Tages. Auch das Glossar birgt einen Haufen urtümlicher Begriffe: «Flösch» ist ein Tümpel, der auch als Tränke benutzt wird, oder eben zum pflotschen; Das «Bauer» ist sächlich und bezeichnet den Raum in der Alphütte neben dem Feuerhaus; die «Fischella» ist ein zylindrisches oder quadriges Holzgefäss, in welches der Ziger zum Abtropfen geschöpft wird. Wer das albern findet, soll sich mal mit einem Glossar aus dem Jägerlatein langweilen. |
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| Wir meinen: Rechteckig. Praktisch. Gut. | |
| Ernst Roth, Beat Straubhaar: z’Bärg – Wege zum Alpkäse Band 1 – 6 Weber AG Verlag, Thun-Gwatt 2002–2007 Hardpappe 210 x 140 mm, farbig bebildert, je CHF 49.– zusätzlich gibt es einen Kalender und Hörbücher mit Alpgeschichten in bärndütsch www.weberag.ch, Alporama siehe www.alporama.ch |
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Alles drin |
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| Wirz Kalender 2008 Wirz Verlag, Basel 2007 Taschenbuch aussen abwaschbar 115 x 165 mm Handbuch «Betrieb und Familie»/«Pflanzen und Tiere» je CHF 22.– beide Handbücher zusammen CHF 28.– Set mit den zwei Handbücher und Kalender CHF 38.– www.reinhardt.ch |
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Wir Alpen nicht Wir Älpler Warum leben Menschen eigentlich noch in den Alpen? Es drohen Arbeitsplatzverlust, Murgänge, ewige Pendlerwege, Kulturzerfall, Brainverlust, eingeschränkte Ausbildungsmöglichkeiten, Permafrostkatastrophen, Gletscherschwund, verrostende Skiliftmasten, böse Bären und Wölfe. Und es lockt das pulsierende Leben in den grossen Städten mit ungeahnten Karrieremöglichkeiten. Einige bleiben doch, momentan sind das 14 Millionen Menschen, verteilt auf eine Länge von 1100 Kilometer und acht Staaten. «Wir Alpen» fächert 15 kreative Projekte auf, sozial, klimaneutral und wirtschaftlich erfolgreich: nachhaltige Erdbeeren um Grenoble, ein Onlinversandhaus aus dem Puschlav, vom Quecksilberabbau zum Hightechanbau im slowenischen Idrija, Zweitwohnungsverwertung in St. Moritz, ein Bonus-System für radfahrende Mitarbeiter in Liechtenstein. Bei all diesen Initiativen sind demokratisches Verhandeln, endlose Diskussionen bis an den Anfang der Gemeinsamkeiten und uneingeschränktes voneinander Lernen Kern und Motor der geglückten Zusammenarbeit (wie im richtigen Alpteamleben eben). Viele der vorgestellten Ideen und Projekte müssten nicht in den Alpen stattfinden, zudem ist weder wissenschaftlich noch empirisch verbürgt, das BergbewohnerInnen schlauer sind als StrandbewohnerInnen. Aber die CIPRA arbeitet nunmal in den Alpen, in einem Gebirge mit reichen Insassen und reichen Sympathisanten. Da ist vieles möglich. Oder hat schon einer von einem Buch namens «Wir Ural» oder «Wir Hoggar» gehört? Im Anhang wird das statistische Material, das sich im Projekt «Zukunft in den Alpen» angesammelt hat wiedergegeben. Keine leicht Kost. Sichtbar wird, dass obige Zukunft noch nicht begonnen hat: Die Bevölkerung nimmt zwar zu, aber nur in den Städten, das Grünland wird verbaut oder vom Wald zugeholzt, 74’000 Hektaren von 1981 bis 2001. Die Agrarbevölkerung hat sich in diesem Zeitraum um 1’351’930 verschlankt und hat an der Gesamtbevölkerung noch einen Anteil von 4 Prozent. Die Landwirtschaftsbetriebe sind um 31 Prozent zurückgegangen. Knapp 63 Prozent aller Alpgemeinden können als überaltert bezeichnet werden. Tönt nicht gerade aufbauend, auch wenn die Gebäudezahl um knapp 34 Prozent zugenommen hat. Die Arbeitslosenquote liegt bei 6 Prozent, das Bruttoregionalprodukt pro Kopf bei rund 40’000 Franken. Wer jetzt weniger gescheit ist als vorher, muss das Buch kaufen. |
| Wir Alpen! Menschen gestalten Zukunft (3. Alpenreport) Herausgeber: CIPRA Internationale Alpenschutzkommission 2007 gebunden, 200 x 255 mm, 304 Seiten, viele Schwarzweiss–Bilder, CHF 36.– ISBN 978-3-258-07263-0 www.cipra.org |
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Mehr homöo als antibio |
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| Ran an den Wolf Zurzeit leben mindestens fünf Wölfe in der Schweiz, drei Männchen und zwei Weibchen. Weil die Tiere sehr scheu sind und den Menschen aus dem Weg gehen, merken wir relativ wenig davon. Die Tiere leben und jagen einzeln, es wird aber davon ausgegangen, dass sie sich früher oder später paaren und evtl. auch Rudel bilden. Was dies für die Alpwirtschaft bedeutet, ist schwierig zu sagen. Wer aber zukünftig mitheulen will, sollte über den Wolf in der Schweiz informiert sein (Übungsvorlage: www.wild.unizh.ch/wolf/sound/s02.mp3). Aktuelle Informationen rundum liefert das Buch «Der Wolf, Ein Raubtier in unserer Nähe». Man erfährt einiges über das Verhalten des Tieres, zum Beispiel seine Nahrungsaufnahme: Ein Wolf braucht 3.25 Kilogramm Fleisch pro Tag, er kann aber zehn Kilo aufs Mal in den Bauch schlagen und er bewohnt ein Revier von zirka 200 Quadratkilometer. Da die meisten Wölfe bei uns von Frankreich und Italien einwandern ist das Wallis der erste schweizer Teller: Zirka 30’000 wilde Huftiere präsentieren sich dort, auf einer Fläche von 5226 Quadratkilometer. Das Wallis präsentiert die Futtergrundlage für mehr als vierzig Wölfe. |
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| Das Buch vereinigt die Aspekte der Wolfeinkehr sehr undogmatisch. Es kommen Naturschützer und Schafhalter zur Sprache, Wolfsbegeisterte und Wolfbetroffene, zum Beispiel die AlphirtInnen. Es räumt mit allerlei Mythen auf, auch mit jenem, dass Wölfe keine Menschen fressen. Ein Kapitel ist dem Wolfs-Tourismus gewidmet und wie die «Wolfsregion Lausitz» in Deutschland durch ihre Raubtiere bekannt wurde. Also raus aus den Hütten und Fährten lesen lernen. | |
| Baumgartner, Gloor, Weber, Dettling Der Wolf Ein Raubtier in unserer Nähe Haupt Verlag, Bern 2008 gebunden, 240 x 265 mm, 216 S., 145 Farbbilder, CHF 49.90 ISBN 978-3-258-07274-6 www.haupt.ch |
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