| Graubünden: Personalmangel auf den Alpen |
Mai
2009
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Im Ostschweizer Kanton Graubünden, wo es viele grosse Gemeindealpen mit 100 bis 200 Milchkühen gibt und die Milch traditionell auf der Alpe zu Käse verarbeitet wird, gibt es offenbar grössere Personalprobleme: «Wir müssen feststellen, dass heuer wesentlich mehr Alpmeister hier sind, die Sennen, Zusennen und Hirten suchen, als in anderen Jahren», so Blanca Paterlini von der Interessensgemeinschaft (IG) Alp beim ÄlplerInnen-Treffen Mitte Januar auf dem Plantahof in Landquart. «Dafür sind deutlich weniger Stellensuchende hier.» Aber auch für Mäsen (Jungvieh)-, Mutterkuh-, Schaf- und Ziegenalpen wird händeringend zuverlässiges, ehrliches und tüchtiges Alppersonal gesucht. So sucht z. B. Ludwig Jörger aus Vals (dort, wo das berühmte Valser Wasser herkommt) für seine Ziegenalp Peil von Mitte Juni bis Mitte August einen Älpler, der seine 200 Ziegen im steilen Gelände auf ca. 2000 m ü. M hütet und mit der Maschine milkt. Aber auch auf der Alp des Plantahofs, die in Parpan oberhalb von 1600 m liegt, wurden Melker und Senn für die 50-köpfige Rauhfutterherde des Braunviehspitzenbetriebes gesucht, aber inzwischen zwei Brüder gefunden. Also Herausforderungen für interessierte Leute in Hülle und Fülle. Dabei muss man bedenken, dass man nicht nur gut verdient (100.– bis 150.– Euro je Tag) und im Herbst entsprechend viel Geld hat, weil es im Sommer keine Möglichkeit zum Ausgeben gibt, sondern auch viel leisten muss: Auf den Schweizer Sennalpen beginnt der Tag schon vor Sonnenaufgang, zwischen drei und vier Uhr werden die Kühe, teils mit Scheinwerfern, in den Stall geholt und gemolken. Nach einer Mittagspause meist von 12 bis 14 Uhr geht es weiter, bis ca. 22 Uhr, wo Nachtruhe einkehrt. Dies in einer Mannschaft von mehreren Personen auf engstem Raum, die auch menschlich harmonisieren muss. Also keine Nostalgie und kein Zuckerschlecken, das Leben auf der Schweizer Kuhalp. «Ein Alpeinsatz ist kein Ferienjob. Bis zu 16 Stunden am Tag körperlich streng arbeiten, sich in ein Alpteam einfügen, Verantwortung für Tiere und Käse übernehmen, erfordert körperliche und psychische Belastbarkeit.» So die IG-Alp im Anmeldebogen für den Sommer 2009, die per Alpofon Aushilfspersonal mit mindestens einer Woche Einsatzdauer vermittelt. |
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| So stellt man sich das Älplerleben vor: Faul im Gras liegen und sich die Sonne auf den (nicht vorhandenen) Bauch scheinen lassen. Aber diese Momente sind selten und kurz, umso mehr sollte sie der Hirte geniessen. | |
Wer nun schon Vorfreude verspürt, bald auf die Alp zu gehen,den muss ich bitter enttäuschen, denn im Vorwort zum Neuen Handbuch Alp schreiben die Autoren: «Ihr lest das Vorwort mit der Vorfreude, bald auf die Alp zu gehen oder sich mit Hilfe dieses Buches dorthin zu versetzen. Da müssen wir euer Plangen bitter enttäuschen, denn dieses Buch rät euch: Wer es also trotzdem versuchen will, dem Personalnotstand auf den Alpen Graubündens (und auch andernorts) abzuhelfen, dem sei geraten, die Liste der Stellenangebote durchzugehen und das für ihn bzw. sie passende Angebot herauszufiltern. Wir im Allgäu haben Gottseidank genügend gutes und erfahrenes Alppersonal.Schon die Kinder werden als Kleinhirten (eine freiwillige Zusatzausbildung, keine verbotene Kinderarbeit) mit dem «Älplervirus» infiziert, machen meist eine handwerkliche Lehre, um danach wie ihre Eltern oder Verwandten bzw. Bekannten den Rest ihres Lebens den Sommer auf der Alp zu verbringen, um in der Natur zu leben und mit der Natur zu arbeiten. Nicht umsonst kann der Alpwirtschaftliche Verein im Allgäu e. V. jedes Jahr auf seiner Mitgliederversammlung zahlreiche Älpler für oft jahrzehntelangen Einsatz auf der Alp ehren. Anders als in der Schweiz, wo es viele Ausländer auf den Alpen gibt, sind es bei uns fast ausschliesslich Einheimische, die «z’Alp gehen» und das ist gut so. Damit es bei uns keinen Personalnotstand gibt. |
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| Peter Danks ist Geschäftsführer des Alpwirtschaftlichen Vereins im Allgäu e. V. Dieser Bericht ist erschienen in: «Auf der Alpe, Blätter zur Förderung der Allgäuer Alpwirtschaft», Ausgabe Nr. 3 März 2009 |
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