| Auch meine Füsse wollen frei sein |
Oktober
2010
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Inspiriert wurde ich dazu von einem alten Bergbauern.Seine Eltern waren so arm gewesen, dass sie sich Schuhe für ihre Kinder nur für den Winter zum in die Schule gehen leisten konnten. Im Sommer war er als Bazger auf der Alp, auf der ich damals hütete. Dreistafelig, der oberste Stafel auf 2200 m, nur zu Fuss in ca. 3 Stunden erreichbar. Das ganze Gelände sehr steinig. Seine Aufgabe war es u.a. täglich den Käse auf einem «Räf» zu den Käsespeichern beim untersten Alpstafel zu tragen und auf dem Rückweg Holz zum Käsen nach oben zu schleppen. Alles barfuss. Der letzte Satz seiner Geschichte ging mir nicht mehr aus dem Sinn: «Aber gsund bin ich immer gsii.» |
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Geht man von der Vorstellung indianischer Naturmedizin aus,gibt es Nervenendpunkte aller Körperorgane in den Fusssohlen. Durch Druckbehandlung kann man reflektorisch die jeweiligen Organe stimulieren. Barfusslaufen ist die einfachste und natürlichste Form der Fussreflexzonenmassage. So mahnte Pfarrer Sebastian Kneipp bereits vor 150 Jahren: «Die Füsse müssen von der Schuhmaschine und den Fussfoltern so oft wie möglich befreit werden, denn das härteste Los in allen Stürmen des Lebens trifft neben dem Gesicht die Füsse.» Erstmalig setzte ich die Idee auf einer gutgrasigen,krautigen Alp um, mit eher wenig Steinen und Felsen. Ich zog mein selbst auferlegtes Programm sehr konsequent durch. Sogar bei Frost ging ich den kurzen Weg von der Hütte zum Stall barfuss und genoss dann umso mehr den Tritt in die wärmenden Kuhfladen oder eine Dusche heisser Kuhpisse. Mittlerweile bin ich von einer Kuhhirtin und Sennerinzur Jungvieh- und Mutterkuhhirtin «abgestiegen». Also kein Stall mehr zum Aufwärmen. So praktiziere ich mein Barfüssertum nicht mehr ganz so hart. Wenn es mir zu kalt ist, trage ich Schuhe. Stundenlanges Zäunen und Vieh Kontrollieren entzieht dem Körper bei kaltem Wetter über die Füsse zu viel Energie, so dass ich sonst irgendwann ganz ausgefroren wäre. |
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Auch mit den Kreuzottern auf meiner Alp habe ich mich arrangiert.Barfuss trete ich automatisch viel bewusster und vorsichtiger auf, so dass ich bisher jede rechtzeitig entdeckt habe. Das einzige Mal, dass ich auf eine getreten bin, war mit Schuhen. Barfuss wäre mir das gar nicht passiert. Aber was habe ich nun eigentlich davon? Auf unserer jetzigen Alp sind wir jedoch nicht die einzigen Barfüsser.Denn auch hier gibt es einen alten Bergbauern. 90-jährig läuft er ohne Schuhe auf den 2469 m hohen Gipfel unseres Hausberges. Während der Sommerferien oft in Begleitung seiner ebenfalls barfüssigen Enkelin. So schliesst sich der Kreis. |
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Die Zeiten mit Ferienjobs auf Almen und Bauernhöfen sind für mich (leider) schon ein paar Jahre her. Was war das damals für ein Genuss, möglichst oft auf Schuhe zu verzichten! Es sind so viele Details, an die ich durch Johannas Beitrag erinnert wurde.
Beim sommerlichen Barfussgehen bin ich jedenfalls bis heute geblieben. In Wald und Flur, aber auch in der Stadt, einfach so oft es geht. Das Freiheitsgefühl will ich einfach nicht missen. Und an manche kritischen Blicke kann man sich gewöhnen. Unangenehme Kommentare sind viel seltener, als man glaubt.
Wenn es irgendwie geht, gönne ich mir jeden Sommer eine konsequente "Schuh-Aus-Zeit" von wenigstens einem Monat, ansonsten bin ich so etwas von April bis Oktober, also etwa ein halbes Jahr, soviel wie möglich "unten ohne". Eigentlich wundere ich mich jedes Jahr darüber, dass das nicht mehr Leute so machen.
Und, wer weiss, vielleicht inspirieren mich ja dies schönen Schilderungen und Erinnerungen irgendwann wieder zu einem möglichst schuhlosen Almsommer...
laufe ich jeden Sommer mehr oder weniger barfuss. Als Landwirt auf Wiesen und Stoppelfeldern und jetzt als Aelpler ueber Stock und Stein durch Bach und Wachholder. Auch bei mir hat es sehr viele Kreuzottern. Sie sind eine ernst zu nehmende Angelegenheit. Die Fusssohlen sind gar nicht so ledrig wie viele meinen. Bei spitzigen Steinen und Disteln muss man aufpassen. Es ist so etwas befreiendes. Ich kann das Barfusslaufen allen nur empfehlen.