| Alpenlexikon: Alm/Alp |
Januar
2011
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Alm/Alp
Definition: Hochgelegene Flächen im Gebirge (oberhalb der Waldgrenze oder als
Rodungsflächen innerhalb des Waldgürtels), die während des Sommers vom Vieh beweidet
werden und die auf Grund der Entfernung vom Heimgut (Bauernhof, von dem die Tiere
stammen) einen täglichen Heimtrieb des Viehs zum Hof unmöglich machen, weshalb eine
getrennte Bewirtschaftung erforderlich ist. Das Heimgut liegt in der Regel im gleichen
Alpental wie die Alm/Alp, seltener in einem Nachbartal (entlang des Alpenhauptkammes
lagen früher die Alm-/Alpgebiete der Bauern der inneralpinen Trockenzonen wie Wallis,
Engadin, Vintschgau usw. jenseits der Wasserscheide im Norden). Die räumliche Nähe
zwischen Heimgut und Alm/Alp einerseits sowie die vom Heimgut getrennte
Bewirtschaftung andererseits ist also charakteristisch für die Almen/Alpen. Werden
grössere Flächen oberhalb der Waldgrenze nicht beweidet, sondern gemäht, heissen diese
Flächen «Bergmähder» oder «Heuberge»; in der Regel werden diese Flächen ebenfalls als
Almen/Alpen bezeichnet. |
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| Die ursprünglichen Alm-/Alpflächen waren die von Natur aus wald- und
zwergstrauchfreien Gebiete oberhalb der Waldgrenze. Da diese Flächen jedoch sehr klein
waren, wurden die Almen/Alpen schon sehr früh (in vorrömischen Zeiten) zu Lasten des
Waldes nach unten hin vergrössert, wodurch im Laufe der Zeit die Alm-/Alpflächen sehr
erheblich vergrössert wurden. Heute liegen die meisten Almen/Alpen im ehemaligen
Bereich des Waldes, und zu vielen Almen/Alpen gehören Waldflächen, die zur Waldweide
und Holzgewinnung für die Alm-/Alpwirtschaft genutzt wurden. Manche Almen/Alpen
liegen sogar inselförmig mitten im Wald. Die Höhenlagen der Almen/Alpen sind sehr unterschiedlich ausgeprägt, was an den unterschiedlichen Höhengrenzen im Alpenraum liegt: Am Alpenrand, wo alle klimatischen und Vegetationsgrenzen vergleichsweise niedrig liegen, liegen auch die Almen/Alpen recht niedrig, und die Untergrenze der Almen/Alpen liegt am Alpennordrand oft bei nur 600 m, am Alpensüdrand etwas höher. Im Alpeninneren, wo alle Höhengrenzen sehr hoch liegen, beginnt die Untergrenze der Almen/Alpen oft erst bei 2000 m, und die allerhöchsten Almen/Alpen liegen in den Walliser Alpen (Wallis und Val d'Aosta), wo Rekordwerte von 3200 m erreicht werden. Ähnliches gilt für die Grösse der Alpen: Überall am Alpenrand sowie in den östlichen Ostalpen (wo die Alpen teilweise nur noch Mittelgebirgscharakter besitzen) sind die einzelnen Almen/Alpen relativ klein, und die Gesamtfläche der Almen/Alpen beträgt hier oft nur 20% der Gesamtfläche. Im Kern der Alpen und vor allem im Bereich des Alpenhauptkammes sind die Almen/Alpen dagegen sehr gross, weil es hier sehr weitläufige und hochgelegene Verebnungsflächen gibt, die anders nicht bewirtschaftet werden können, und weil die Almen/Alpen hier teilweise bis an die Gletscher heranreichen. Eine einzelne Alm/Alp kann hier eine Fläche von mehr als 25 km² mit mehr als 1000 m Höhendifferenz innerhalb der Alm-/Alpfläche erreichen. Hier kann die Alm-/Alpfläche bis zu 60-70% der gesamten Fläche erreichen. Das grösste Alm-/Alpgebiet der gesamten Alpen ist die Seiser Alm in Südtirol mit 400 km² Fläche (davon allerdings grössere Flächen, die früher als Bergmähder genutzt wurden). Die umfangreichste alpenweite Analyse ist: Alfred Ringler: Almen und Alpen. Verein zum Schutz der Bergwelt, München 2009 134 + 1.448 Seiten, viele Karten. In der touristischen Nutzung der Alpen spielen die Almen/Alpen eine zentrale Rolle, weil sie für «Naturnähe», «Romantik pur» und «absolute Idylle» stehen. Dabei wird übersehen, dass Almen/Alpen keine Natur sind (sie sind ja Kulturprodukt und durch Rodung dem Wald abgerungen) und dass Almleben harte Arbeit bedeutet. Deshalb stehen Alm- /Alpwirtschaft und touristische Nutzung in einem spannungs- und konfliktreichen Verhältnis. |
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| Älpler Die traditionelle Bezeichnung meint mit Älpler einen Menschen, der im Sommer auf der Alm/Alp lebt. Daneben gibt es eine neue Bedeutung, die mit Älpler die Menschen bezeichnen, die in den Alpen leben; allerdings hat sich diese neue Bedeutung, die vor allem in der Schweiz gebraucht wird, noch nicht wirklich durchgesetzt und wird nur von Minderheiten verwendet. |
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Almen/Alpen und Alm-/Alpwirtschaft Die Vielfalt der traditionellen alp-/alpwirtschaftlichen Verhältnisse ist so gross, dass es nicht möglich ist, sie alpenweit vergleichend darzustellen. Die folgenden Ausführungen konzentrieren sich daher darauf, die wichtigsten Typen herauszustellen, wobei die Realität dadurch geprägt ist, dass es unendlich viele Übergangs- und Mischtypen gibt. Nutzung gegliedert nach Alm-/Alpstafel: Kuh-/Galt-/Schafalmen –alpen: Die Eigentumsverhältnisse sind sehr vielfältig (Eigentümer von Almen/Alpen können ein Staat, eine Gemeinde, eine Genossenschaft oder eine Privatperson sein) und oft ausgesprochen kompliziert, weil sich hier mittelalterliche Eigentums- bzw. Besitzverhältnisse erhalten haben, die nicht in das System des Römisches Rechts (ein Ding = ein Eigentümer mit alleiniger Nutzungsberechtigung) passen – deshalb fallen Eigentums- und Nutzungsrechte hier oft auseinander. Im Mittelalter waren die Almen/Alpen im Besitz der Grundherren (weltliche und geistliche Grundherren, darunter oft Klöster), im Laufe der Zeit aber ging das Nutzungs-, später auch das Eigentumsrecht auf die Bauern über. Daraus entstanden vier Eigentumsgruppen: 1. Gemeinschaftsalmen/-alpen: 2. Genossenschaftsalmen/-alpen: 3. Privatalmen: 4. Berechtigungsalmen: 1. Einzelalpung auf Gemeinschafts- und Genossenschaftsalmen/-alpen: 2. Genossenschaftsalpung: 3. Einzelalpung auf Privatalmen/-alpen: |
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Alm-/Alpgebäude: Nutzungsregelungen: Geschichte der Alm-/Alpnutzung: 1. Kleinviehhaltung (Schafe, Ziegen) mit geringer Käseproduktion (Sauerkäse) – Beginn wahrscheinlich zeitgleich mit der landwirtschaftlichen Nutzung der Alpen; alpenweit dominierend bis etwa 1000/1100 n.Chr. 2. Grossviehhaltung (Rinder) mit Orientierung auf Schlachtvieh (Galtvieh) oder Käseproduktion – Intensivierung der Alm-/Alpnutzung im Rahmen des hochmittelalterlichen Siedlungsausbaues, ab dem11./12. Jahrhundert, teilweise aber auch erst später. Erste Blütephase der Alm-/alpwirtschaft. 3. Labkäserei: 4. Alm-/Alpverbesserungen: 5. Rationalisierung der Alm-/Alpwirtschaft: |
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Alm-/Alprechte |
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| Alm-/Alpbrauchtum Mit der Alm-/Alpwirtschaft waren und sind wichtige kulturelle und soziale Brauchtümer und Feste verbunden. Sie sind im Bereich der Wiesen-Alp-Betriebe sehr viel häufiger, weil hier die Viehwirtschaft im Zentrum des bäuerlichen Lebens steht, und im Bereich der Acker-Alp-Betriebe seltener, weil hier der Ackerbau im Zentrum steht. 1. Almauftrieb und -abtrieb (Alpfahrt): Das Auftreiben der Tiere auf die Alm/Alp im Frühsommer sowie der Almabtrieb im Herbst («Entladung») wird oft als festliches Ereignis durch die betroffenen Alm-/Alpbauern und die dörfliche Gemeinschaft gestaltet, allerdings nur im Bereich der Wiesen-Alp-Betriebe, nicht im Bereich der Acker-Alp-Betriebe, und meist bei Genossenschaftsalpung. Beim Almabtrieb werden die Tiere jedoch nur dann festlich geschmückt, wenn es während des Alm-/Alpsommers keinen schweren Unfall bei Mensch und Tier gegeben hat. Der Tourismus hat diese Feste früh als Ausdruck «urigen Berglertums» entdeckt, und heute werden die Almabtriebe oft als touristisches Ereignis inszeniert, wobei der Bezug zur alm-/alpwirtschaftlichen Aktivität teilweise verloren geht. Der Höhepunkt der Entfremdung ist es, wenn immer dieselben Tiere im September mehrmals von der Alm abgetrieben werden, um den Touristen an jedem Wochenende ein Spektakel bieten zu können. 2. Kuhkämpfe: Kuhkämpfe auf der Alm/Alp finden nur in den Alpenregionen statt, in denen die kleinen schwarzen Eringer-Rinder gesömmert werden (Wallis, Aosta-Tal, Savoyen). In dieser sehr alten Rinderrasse haben sich archaische Verhaltensweisen bis heute erhalten, so dass die Tiere bei Ankunft auf der Alm/Alp miteinander um die soziale Rangfolge in der Herde kämpfen. Heute haben sich die Kuhkämpfe zu grossen Festen entwickelt und teilweise vom Aufenthalt auf der Alm/Alp gelöst. Im Wallis gibt es seit Mitte der 1980er Jahre die Tendenz, Eringer-Rinder nicht mehr zu Produktionszwecken zu halten, sondern nur noch zum Zweck der Teilnahme an den Kuhkämpfen, denn ein gutes Abschneiden verleiht dem Eigentümer ein hohes Sozialprestige in der Region. 3. Milchmesstage: Ein bestimmter Sonntag während der Mitte der Alpzeit, an dem der Milchertrag jeder Kuh genau gemessen wird (dafür gibt es zahlreiche Dialektausdrücke in den einzelnen Alpenregionen). Solche Milchmesstage gibt bzw. gab es nur bei Genossenschaftsalpung, weil der Anteil der einzelnen Alpgenossen am gemeinsamen Alpertrag («Alpnutzen», also Käse, Butter, Ziger) festgestellt werden musste. Da früher der Milchertrag jeder einzelnen Kuh nicht täglich erfasst werden konnte (wie es heute üblich ist), wurde der Milchmesstag festgelegt, an dem die Milchleistung jeder einzelnen Kuh in Anwesenheit aller Besitzer gemessen wurde. Dies diente als Grundlage für die Aufteilung des Alpnutzens auf die Eigentümer der gealpten Kühe, die dann am Ende des Alpsommers vorgenommen wurde. Obwohl ein Milchmesstag seit langem nicht mehr erforderlich ist, hat er sich als geselliger und kultureller Höhepunkt der Alm-/Alpzeit oft bis heute erhalten. 4. Alpspenden: Alpspenden wurden in früheren Jahrhunderten dargebracht, um Unfälle oder Krankheiten auf der Alm/Alp zu bannen. Zu diesem Zweck wurde nach einem feierlichen Gelübde im Rahmen einer Stiftung der Alpnutzen von ein oder zwei bestimmten Alptagen getrennt verarbeitet und jedes Jahr an Bedürftige ausgeteilt. Die älteste Alpspende der Alpen hat sich in Ferden (Lötschental/Wallis) erhalten, und sie wird noch heute am Ostermontag feierlich ausgeteilt. Weil wegen des Gelübdes kein Handgriff bei der Verarbeitung der Alpspende verändert werden darf, wird die Milch dabei immer noch auf mittelalterliche Weise zu Käse bzw. Ziger verarbeitet. 5. Alpsegnungen (Alpsegen): Einsegnung einer Alm/Alp durch einen Priester zur Abwehr von Unglück und Krankheiten am Beginn der Alpzeit, meist im Rahmen eines Gottesdienstes. Traditionellerweise hatte der Priester damit Anrecht auf den Alpnutzen eines Tages. In der heutigen christlichen Ausprägung sind noch viele Elemente aus vorchristlicher Zeit enthalten, die sich unter dem «Deckmantel» des Christentums bis weit ins 20. Jahrhundert hinein erhalten haben. In der traditionellen Sicht waren die Almen/Alpen ausserhalb der Alm-/Alpzeit ein Raum, der von bösen Geistern beherrscht wurde, und der deshalb vom Menschen nicht betreten werden durfte (viele Alpsagen handeln davon, was passiert, wenn man dieses Verbot übertritt). 6. Alpruf oder Betruf: Dies ist der abendliche Ruf der Sennen in der Innerschweiz durch den Milchtrichter (traditionelles Gerät zum Sieben der Milch), der die Alp in der Dunkelheit vor Unheil schützen soll. In der überlieferten Form werden Gott, Christus und christliche Heilige zum Schutz angerufen, aber der Alpruf geht sehr eindeutig auf vorchristliche (magische) Vorstellungen zurück: Die Nacht ist die Zeit der Bedrohung durch feindliche Mächte, und der Alpruf wirkt nur so weit, wie er akustisch noch zu hören ist, weshalb seine Wirkung mit dem Milchtrichter (als Verstärker) gezielt vergrössert wird. Dieser Alpruf ist teilweise noch heute zu hören, wird aber ganz bewusst nicht touristisch vermarktet. |
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3 Kommentare zum Beitrag
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geil das das so ist ob wohl ist mir voll komich der dialeckt
Warum heißt es in Johanna Spyris "Heidi" eigentlich "Alm" und "Almöhi", wenn in der Schweiz doch "Alp" gesagt wird? Weiß das jemand hier?
ganz toller und informativer Überblick über das, was ich schon immer genauer wissen wollte.