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  Die schwarze Liste
Erscheinungsdatum
Oktober 2011

Die zalp wird regelmässig gebeten ein Beurteilungsschema für Alpbetriebe zu erstellen oder Alpbetriebe, die das Personal schlecht behandeln und den abgemachten Lohn nicht zahlen, auf eine schwarze Liste zu setzen. Folgend zur Diskussion ein Szenario, wie wir uns das vorstellen könnten.
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Text und Bild:
Giorgio Hösli

die schwarze Liste
   
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Wer kommt auf die Liste

  
Es gibt Alpmeister, die sind beim Anstellungsgespräch freundlich, offen, scheinen tolerant und versprechen einen guten Lohn. Also Handschlag. Dann im Sommer sieht einiges anders aus, der Alpbetrieb entspricht nicht den Angaben im Winter, die Arbeit nicht den Abmachungen und der Alpmeister entpuppt sich als cholerisch, zugeknöpft und uneinsichtig. Das Weidegebiet ist steil und steinig, es stürzen Tiere ab, Klauenprobleme sind tägliche Mühsal. Die Sennerei ist dürftig eingerichtet, das Wasser ungenügend, der Käse wird nicht wie gewünscht. Der Alpmeister zeigt kein Verständnis und zahlt im Herbst nicht den abgemachten Lohn aus.

So eine Alp kommt auf die schwarze Liste.

Es gibt Älpler, die geben beim Anstellungsgespräch an, zehn Jahre Alperfahrung mitzubringen und schon mit hundert Kühen gearbeitet zu haben. Die Bauern seien immer sehr zufrieden gewesen, auch weil sie kranke Klauen selber behandelt hätten und beim Güllnen und Holzen mitgeholfen. Im Sommer merkt der Alpmeister, dass der Älpler ein Alkoholproblem hat, die Kühe schlägt und im Team ständig Intrigen anzettelt. Eigentlich wäre er ein guter Älpler, aber mit dem Alkohol zusammen vernachlässigt er das Vieh und verhält sich gegen Tier und Mitälpler jähzornig. Als das Team und der Alpmeister ihm den Alkohol entziehen, haut er ab.

So ein Älpler kommt auf die schwarze Liste.

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Wie wird die Liste gepflegt

 

  
Der oben erwähnte Alpmeister übergibt seinen Job zwei Jahre später an einen anderen Bauern der Alpgenossenschaft. Dieser sieht ein, dass eine neue Wasserfassung nötig ist, die Sennerei verbessert werden kann und er bringt die nötigen Änderungen in der Genossenschaft durch. Mit dem Personal werden schriftliche Verträge gemacht und auch eingehalten. Der Alpmeister telefoniert der zalp, damit die Alp von der schwarzen Liste gestrichen wird. Die zalp ist skeptisch, will zuerst mit dem Personal reden. Es stellt sich heraus, dass der momentane Käser der Schwager vom Alpmeister ist und er etwas übertrieben die Alp, sowie auch den Alpmeister und die Bauern lobt. Die zalp bleibt skeptisch und will die Alp selber prüfen, geht im Sommer drei Tage auf die Alp, um wirklich nicht übers Ohr gehauen zu werden. Die zalp sieht: Alles ist gut und streicht die Alp von der Liste.

Der oben erwähnte Älpler findet rechtzeitig auf den Alpsommer keine Alpstelle und meldet sich darum beim Alpofon. Allerdings mit anderem Namen, weil auch das Alpofon greift auf die schwarze Liste der zalp zurück, wie auch der Schweizer Bauernverband und die regionalen Alpkommissionen. Erfahrene Alpleute kann das Alpofon immer brauchen, und daher vermittelt es den Älpler sofort an eine grosse Kuhalp, wo der Hirt wegen Arbeitsüberlastung gegangen ist. Dieser kommt auf die graue Liste.
Die Kuhalp und deren Senn ist dem Alpofon bekannt, weil schon mehrmals Personal vermittelt wurde. Nach Recherchen stellt sich heraus, dass der Gesamtlohn für die Alp höher ist, als der Senn seinen Mitälplern angibt. Vermeintlich verdienen alle denselben Lohn, in Wirklichkeit schöpft sich der Senn den nicht angegebenen Betrag ab. Das Alpofon gibt diese Meldung an die zalp weiter, die führt eine blaue Liste ein und setzt den Senn drauf.

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Die Auswirkungen der Liste


 

  
Mittlerweile erhält die zalp im Herbst diverse Mails mit Angaben zu Alpen und Alpmeistern, die auf die schwarze Liste sollen. Im Gegenzug melden auch immer mehr Alpmeister unbrauchbare Alpleute. Die Untersuchung auf den Wahrheitsgehalt der jeweiligen Angaben gestaltet sich aufwendig, die zalp stellt Leute ein. Um sie zu bezahlen werden 1% vom Alplohn abgezogen. Wie heute in einem durchgängigen Kontrollsystem nötig, wird auch die zalp und ihre Kontrolleure von einer unabhängigen Kontrollfirma kontrolliert. Diese wird von einer 1-prozentigen Abgabe auf den Alpkäseverkauf bezahlt.

  • Der zuoberst erwähnte Alpmeister hat seinen kleinen Bauernhof aufgegeben und geht jetzt selber z’Alp. Er meldet der zalp im Herbst seine Alp für auf die schwarze Liste, weil ihn die Bauern beim Schneefall alleine gelassen haben.
  • Der lohnabschöpfende Senn ist nicht mehr Senn und sucht eine Stelle im Bankwesen. Er bittet die zalp, ihn von der blauen Liste zu streichen, da sein Name in der Suchmaschine Google dort erscheint.
  • Der Alkoholiker macht eine Entziehungskur, findet eine kleine Alp, wo er wenig Tiere hüten muss und Zeit hat zu schreiben. Er will seine Lebensgeschichte in Form eines Romans veröffentlichen.
  • Die zalp etabliert sich als Alp-Polizei, verdient damit recht gut und streicht dafür den nicht profitablen Zeitschriftenteil.
  • Die Älpler und Alpmeister profitieren von den Listen, weil sie beim Anstellungsgespräch kein Personalgespür haben, keine Referenzen einholen und überhaupt keine Selbstverantwortung mehr tragen müssen.
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17 Kommentare zum Beitrag

  1. Claudio schreibt am 22.03.2012, 13.26 Uhr

    UI Johann.... Die Alppolizei hat dann also subsidiäre einsätze mit dem Militär... Interessant *lach* Werft doch einmal einen Blick in die Zivilisation: trotz strenger Regeln, Beurteilungen, Schubladisierungen, Prüfungen, Titel (EFZ), etc. ist KEIN MENSCH davon gefreit, mal "an den Falschen" zu geraten. Sei es nun Arbeitgeber oder Arbeitnehmer. Fazit; Vergesst die Liste; denn acuh die kann lügen !!! Wer einen guten Job will, oder einen guten Mitarbeiter, der muss sich wohl weiterhin auf Rhetorik und Menschenkenntnis verlassen. Ich wünsche Euch einen wunderschönen Alpsommer 2012 !

  2. Frank schreibt am 29.12.2011, 04.02 Uhr

    Eine solche Liste würde nur Misstrauen steuen zwischen Alpmeistern und dem zukünftigen Personal. Jeder Bewerber sollte genau die Punkte aushandeln, welche ihm wichtig sind, und auf einen schriftlichen Vertrag bestehen, der anschliessend alleinige Grundlage bei Streitigkeiten (auch vor einem Gericht) sein wird. Sinnvoll wäre lediglich eine Liste mit beruflichen Profilen der Älpler (nicht aber der Alpmeister), wo diese ihre bisherigen Alpstellen auflisten und per Email für weitere Auskünft dazu bereit stehen. Ausserdem dürften rechtskräftig gewordene Gerichtsurteile mit zu diesen Arbeitsverhältnissen als PDF in das Profile zum Download eingestellt werden. Somit wüsste jeder Alpmeister, was eine negatives Gerichtsurteil für die weitere Zukunft seines Betriebes bedeuten kann: Dass er für einige Jahre kein qualifiziertes Personal mehr finden wird.

  3. Chari schreibt am 05.12.2011, 16.22 Uhr

    Ja, nett! Nur - am Thema vorbei. (Eins! Setzen!) Amüsant zu lesen, sicher mit einer gehörigen Portion Realität gespeist, nur leider KEIN kreativer Beitrag zum real-existierenden Problem, lieber Giorgio. Weshalb nur verweigert ihr euch dem so vehement? Die Welt ist nicht nur gut, die alpen sind nicht nur von korrekten Genossenschaftlern geführt und gutmeinenden Bauern bestossen. Und auf die zalp-Seiten kommt nun mal jeder Anbieter: der ausgefuchste Anbieter genauso wie der abgezockte Nachfrager. Also nehmt endlich eure Verantwortung wahr und kümmert euch um das Thema. Das muss nicht zwangsläufig hüreviel Arbeit machen und ebensowenig das Image schädigen. Lasst es doch eine Zeit probehalber laufen - ihr werdet sehen, diejenigen die im Leben nicht geradeaus sind, entlarven sich auch im Netz als krumme Vögel. Habt! Endlich! Mut!

  4. nur eine Bäuerin schreibt am 18.11.2011, 17.02 Uhr

    Das Lesen dieses Artikels sowie der Kommentare ist spannend und erheiternd zugleich! Dass der Giorgio herrlich schreiben kann, wissen wir ja inzwischen. Vom Johann würde ich auch noch gerne mehr lesen! Meine ehrliche Meinung: ich sehe es auch so, eine schwarze Liste funktioniert nicht und braucht es auch nicht. Schon beim Kennenlernen kann man als Alpmeister Fragen stellen: wie hast du deinen Tag auf der letzten Alp eingeteilt, wie kontrollierst du das Vieh, wie hast du es mit dem Alkohol? Der Hirt fragt zurück: Warum kommt der letzte Hirt nicht mehr? Was ist, wenn ich bei einer Palusa-Behandlung Hilfe brauche? Kommst du auch ab und zu in die Alp? Wenn der Alpmeister sagt, was er erwartet, wenn er tolerant ist gegenüber dem Menschen, der vielleicht ein bisschen anders ist, seine Arbeit aber pflichtbewusst erledigt, wenn der Hirt zugeben kann, dass er etwas nicht schafft, oder dass er etwas falsch gemacht hat, im besten Fall können die beiden Freunde werden! ehrlich, ich weiss es! Gut, es hat auch schon nicht geklappt, der Hirt meinte, er weiss es besser, vor dem Tobel braucht es keinen Zaun. Oder der Alkohol wurde doch öfter gebraucht als nur ein Gläsli zum zNacht. Dann stellt man den Zaun selber auf, ruft jeden Abend dem einsamen Trinker an und nächstes Jahr muss man dann halt einen neuen Hirten suchen.

  5. Ronaldo Don Casaro schreibt am 18.11.2011, 13.24 Uhr

    denuzieren, das ist ein heisses Thema. denn hier schreibt nur der Betroffene. Aber: audiatur et altera pars !! (hoer Dir auch den Anderen an.) diese Liste missfaellt mir!

  6. Jersy schreibt am 09.11.2011, 13.57 Uhr

    Liebe leute,über dieses thema gibts nur eins. drei wörter die der grösste teil der menschheit vergessen hat. Anstand,Respekt,und Hilfsbereit !!! Gift sind;Eigennutz,Aroganz und Eifersucht. jeder entscheidet für sich,wieviel er vom einen oder andern ertragen kann.Im zweifelsfall,lasse es lieber bleiben!!! So und nun Ihr mündigen Alpbewirtschafter und Helfer,redet miteinander und gönnt einander etwas und so erlebt ihr eine tolle Gemeinsamkeit. Ich wünsche einen guten Alpsommer 2012.

  7. ein anderer michel schreibt am 07.11.2011, 09.32 Uhr

    Ein guter schutz davor an den falschen Arbeitgeber bzw. arbeitnehmer zu geraten könnte der Austausch mit den Älplern von den Jahren zuvor sein .Dies erleichtert auch so vielleicht den start, da sie noch den einen oder anderen Tip haben und ein Alpmeister mit gutem gewissen stellt den Kontakt sicher gerne her. Doch wenn die schwarze Liste zustande kommt habe ich Euch auch eine Adresse ,die meiner Meinung nach sicher drauf sollte.

  8. hirtin schreibt am 31.10.2011, 20.01 Uhr

    ein ehrliches danke an g.h.! ich bin ja auch wieder reingetappt und auf der suche nach dem forum oder der liste stosse ich auf diesen herrlichen artikel. es holt mich nicht nur auf den boden, es ist literarischer hochgenuss, der augen (wieder) öffnet. und warum ich nicht wieder auf die gleiche alp? ich bitte zum persönlichen gespräch. vernetzung brauchts. und dafür, interesse, zeit und den willen dazu. kontakte knüpfen, pflegen, alpen anschauen. oder rein ins kalte wasser. und donn ned suddern :)

  9. ich schreibt am 30.10.2011, 15.40 Uhr

    ich kenne da einen aelpler der stinkt immer so darf ich den bei der polizei denunzieren

  10. anton aus vrivol schreibt am 30.10.2011, 15.38 Uhr

    steh ich schon drauf oder bin ich schon drinn

  11. heidi schreibt am 29.10.2011, 20.23 Uhr

    ..ja und dann wäre auch noch wünschenswert die liste zu erweitern auf kühe, die regelmässig durch den zaun gehen oder jedes jahr auffallen, indem sie mit hohen zellzahlen kommen oder von anfang an stocklahm sind, dies liese sich doch gleich mit eingabe der tvd nummer verbinden...

  12. Geissepeter schreibt am 28.10.2011, 03.08 Uhr

    es braucht umbedingt noch eine Zalpbörse,wo Insider Kuhrechte,Käse und Labels leer verkaufen können. Unser Giorgio publiziert dreimal täglich die Höhe der Margincalls auf unser aller Zalp und ist jetzt noch jemandem langweilig,wie wärs mit einer Wettbörse,welches Fakeinserate sind?

  13. Johanna schreibt am 27.10.2011, 16.14 Uhr

    Eure Ideenvielfalt regt mich gerade an, über eine Erweiterung nachzudenken: warum sollte eine schwarze Liste auf die Alp beschränkt bleiben? Das Schema könnte man doch auf partnerschaftliche Beziehungen mit Unterabteilungen "Mann", "Frau" erweitern. Sodann die Listen über Facebook und Co. verbreiten... Also ich würde das superhilfreich finden!

  14. Johann schreibt am 27.10.2011, 10.57 Uhr

    Die Ideen gehen nicht weit genug. Mein Vorschlag: - Sowohl Alppersonal, Alpmeister als auch Alpbetriebe werden durch ein Zertifizierungsunternehmen beurteilt (kostenpflichtig). - Sie können entweder Gold-, Silber- oder Bronzestatus erlangen. - Die (kostenpflichtige) Nutzung dieses Zeichens erfolgt durch Plaketten, die an der Alphütte angebracht werden, beziehungsweise vom Alppersonal an der Kleidung zu tragen sind. - Diese Zertifizierung erfolgt jährlich. - Die Alpen werden in einer zwei-tägigen (kostenpflichtigen) Prüfung vor Auftrieb überprüft. - Das Alppersonal hat seine Fertigkeiten in einer theoretischen Prüfung jährlich nachzuweisen. Dafür wird ein Unkostenbeitrag erhoben. - In einer weiteren Stufe darf auf den Alpen ausschließlich Material verwendet werden, welches zertifiziert wurde (Ähnlich ISO 9001). Dies gilt für sämtliche Gegenstände, die mit der Alp oder den Alp-Erzeugnissen in Berührung kommen, zum Beispiel auch für Gummistiefel. - Die Alpolizei überwacht die Einhaltung dieser Regelungen gegebenenfalls durch mit Unterstützung des Militärs. - Bei kleinere Vertsößen wird ein Bußged erhoben, bei größeren erfolgt ein zwangsweiser Abtrieb von der Alp.

  15. Michael schreibt am 26.10.2011, 16.34 Uhr

    Ein öffentliches Forum ist sicher die einfachste und effektivste Form einer Bewertung. Es könnte sich beispielsweise an der Vorgehensweise bei ebay orientieren (Bewertungskriterien und Kommentarmöglichkeiten). Hierzu müsste aber jeder Teilnehmer verifiziert sein. Und es kann auch sehr schnell ungerecht werden... Warum deshalb keine Erfahrungsberichte? Man schreibt über sich selbst, über seine eigenen Erfahrungen etc. und das kann sowohl der Älpler als auch die Alpmeister (oder die, die sich dafür halten) tun. Wie das gehen kann, muss erarbeitet werden...

  16. Margret schreibt am 26.10.2011, 15.42 Uhr

    Alles zu aufwendig und ein bisschen wie bei der Mäusepolizei... Wie wäre es mit einem öffentlichen Bewertungsforum von Personal auf der einen Seite und Älplern/Alpmeistern auf der anderen Seite? Nachzulesen für alle, die an Arbeitnehmern und Arbeitgebern interessiert sind?

  17. Simon schreibt am 25.10.2011, 16.49 Uhr

    ihr leute seids ja herrlich kreativ, aber eh ziemlich witzige Idee, vor allem das im vorletzten Punkt, Polizei und so, wenns auch Uniformen und Knarren gibt, dann mach ich mit, war aber nur Zivildiener, egal oder?

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