| Zwei Erfahrungsberichte | |
| Erscheinungsdatum November 2011 |
Man lässt sich ja nicht für eine Alp anstellen, nur um zu arbeiten. Die Projektionsbilder im Winter sind erfüllt von Wünschen und Ängsten, von der Hoffnung auf ein intensives Erlebnis. Was dann im Herbst zurückbleibt, rückt manch schönes Bild aus dem Diarahmen. |
| Das Glück durch den Schweinkringel erahnen |
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Text: Margret Milinski |
Wo? Familienbetrieb über zwei Generationen, mit kleiner touristischer Infrastruktur: Alpbeizli, ein Pass mit Kiosk und Massenlager. Der Betrieb war im Bewusstsein von mir ausgesucht, auf Wanderer und Vorbeiziehende zu treffen und immerhin diesen Teil der anfallenden Arbeiten zu beherrschen. Und - Familienstrukturen vorzufinden. Die Alp als Ort der Arbeit und des Lebens, Zuflucht und Stern am Himmel des Wanderers. Das wären immerhin zwei triftige Gründe, die es rechtfertigen würden, die bestehende Infrastruktur aufzufrischen, freundlicher und ansprechender zu gestalten, für diejenigen, die eine Saison über darin leben und jene, die der Alp und dem Massenlager einen Besuch abstatten. Die Schlafräume über dem Stall ohne Isolation, so dass man das Gefühl nicht los wird, man schlafe zwischen den Kühen, keine gemütliche Ecke, schon ein Farbtupfer würde Erfolg bringen. Das Massenlager in einem Kleinod von Hütte, funktional, lieblos eingerichtet und verstaubt. Das Matriachat – Eine denkt und lenkt, kontrolliert und regiert: der (männliche) Rest folgt und fügt sich; ein Lebensentwurf um zu Arbeiten und Geld zu erwirtschaften, in dem Genuss und Persönlichkeitspflege keinen Platz haben. Erinnerungen an meine eigene Kindheit kommen auf, die Enge, die Stimmung des Verzichts, das Unausgesprochene, die Kontrolle. Alles Käse — «Hurti dä Chäs chehre » — Gebetsmühlenartig, mit Radio Berner Oberland und Schweizer Volksmusik untermalt, begleitet dieser Satz den Tagesablauf. Das Endprodukt Alpkäse ist hochwertig, aber geschmacksneutral. Nur nichts verändern. Wie gestaltet man eine Arbeitsbeziehung? Geistige Freiheit in einer freien Landschaft kultivieren? Fördert das Glück auf einer Alp zu arbeiten Die Kühe Die Ziegen Der Hund Die Katzen Die jugendlichen Söhne, Helfer und Landdienstler Die eigenen Freunde Der Berg Produkte der eigenen Arbeit |
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Text: Michael |
Es ist keine Alp im klassischen Sinne, es ist ein Ferienhaus, welches «Urlaub auf dem Bauernhof» anbietet. Ein sehr schöner Platz im Oberallgäu, in schöner Landschaft, mit kleiner Gastronomie, einer Minisennerei, 6 Kühen und anderem Getier... und da sind wir schon bei den Problemen: Der Inhaber sucht keinen Älpler, sondern einen Menschen, der ihm die Masse an Arbeit abnimmt und dazu gehört nicht nur die Stallarbeit (welche der Inhaber hasst) und das Melken der Tiere (die Tiere befinden sich in einem unzumutbaren Zustand), sondern auch das Kümmern um die kleine Imbissstube, wo der Bewerber zudem kochen soll. Käsepflege und -verkauf gehören auch zur Arbeit. Holz machen und Heuen im Sommer, Zaunarbeit, Putzen der Wohnungen und vieles andere mehr. Schnee räumen und Imbissstube im Winter, vom frühen Tag an bis in die Nacht schaffen – und dann die Kasse beim Chef abliefern. Nichts gegen den Inhaber als Menschen, er will Niemandem etwas Böses – für sich aber nur das Beste – und bis 10 Uhr schlafen! Meiner Meinung nach zeigt er klare Symptome schwerer Depression und systemischer Schizophrenie, will eigentlich etwas Anderes, hat aber den Hof von den Eltern «aufs Auge gedrückt bekommen». Anfänglich guter persönlicher Kontakt, lässt er sich verbal auf alle Wünsche und Vorstellungen ein: «bekommen wir hin...», «kein Problem...» «machen wir alles...» etc. Im Nachhinein verpuffen diese Aussagen: keine Lohnzahlung, keine Wohnung, kein freies Arbeiten. Völlig verdrehtes Denken und Handeln. Die Familie ist zerstritten. Wir sind nicht die Ersten, denen es so ergangen ist. Jeder im Dorf weiss von den Geschichten rund um diesen Hof. Der «Almsegen» ist nur für Leute zu empfehlen, die kein Geld brauchen, die viel schuften wollen und denen kriegerische Auseinandersetzungen im täglichen Miteinander nichts ausmachen. Für Bewerber ist auch wichtig, dass man sich im Bereich der Lebensmittelhygiene um Kopf und Kragen bringen kann. |
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