Ziegenkrankheiten
     



Ich habe mich letzten Sommer als «Dr. Brinkmann» auf der Alp Naucal, Calancatal versucht und bei nicht gerade idealem Wetter mit 250 Ziegen und ihren gesundheitlichen Problemen mitgelitten. Oft ist es auf der Alp sehr schwierig oder gar unmöglich, kranke Tiere von der Herde zu separieren. Dadurch ist die Übertragungsgefahr von Krankheiten um vieles grösser als auf dem Betrieb im Unterland. Phantasie und starke Nerven sind inmitten der Arbeits(über)belastung gefragt. Im Bewusstsein, dass auf eurer Alp «alles ganz anders ist», möchte ich die drei häufigsten Ziegenkrankheiten näher erläutern. Ich wünsche uns allen, dass wir diesen Sommer möglichst wenig in der Arzneikiste wühlen müssen.

Markus ‹Sugus› Geiger

 

Euter

Die Eutergesundheit ist entscheidender Faktor bei der Milchproduktion. Bei krankem oder geschädigtem Euter sind Menge und Qualität vermindert.

ie Eutergesundheit wird vor allem durch Melktechnik und Melkhygiene beeinflusst. Dabei hat sich folgendes bewährt: Vor dem Melken und nach jedem Kesselleeren sind die Hände gut zu reinigen. Das Euter wird mittels Holzwolle gereinigt. Die ersten 2 bis 3 Melkzüge werden in den Vormelkbecher gemolken. So kann einfach festgestellt werden, ob sich Fetzen in der Milch befinden. Zudem wird damit die bakterienreiche erste Milch entfernt. Dann erfolgt das schonende und richtige Handmelken durch «Fäusteln». Sauberes Ausmelken ist sehr wichtig! Die Hände sollten beim Melken nicht in Kontakt mit der Milch kommen. Euterkranke Tiere sind am Schluss zu melken. Man verbindet allzu oft ein krankes Euter mit sichtbar veränderter Milch (Fetzen) oder zumindest mit einem heissen, schmerzhaften Euter. Dies entspricht der akuten Euterentzündung.
       Zahlenmässig von grösserer Wichtigkeit ist bei der Ziege jedoch die «chronische Euterentzündung». Man unterscheidet zwischen «offensichtlicher» und «nicht sichtbarer» Form. Bei der ersten ist die Milch verändert und enthält Fetzen, ist wässerig oder sind knotige Verdickungen im Eutergewebe feststellbar.
        Um die Eutergesundheit zu überwachen hat sich der Schalmtest bewährt. Dank dieser einfachen und billigen Methode ist der Nachweis von der «versteckten, chronischen Euterentzündung« möglich. Bei dieser ist weder Euter noch Milch sichtbar verändert. Der Test sollte eigentlich bei allen Melkziegen monatlich (oder besser häufiger) durchgeführt werden. Dies ist jedoch meist nicht realistisch im «Alpgschtürm». Der Test muss zudem anders interpretiert werden als bei Kühen.
         Normal bei Ziegen ist negativ (-) und schwach (+) positiv. Krankhaft nach offizieller Meinung ist mittel (++) bis stark (+++) positiv.

Auf der Alp verarbeiten wir in der Praxis (++) Milch. Bei diesen Tieren ist eine genaue Kontrolle des Krankheitsverlaufes sehr wichtig.

Natürliche Heilungsunterstützung mit Aconitum, Belladonna, Phytolacca, Sulfur, Arnica, Kampfer

 
 

Klauen

Die meisten Klauenkrankheiten sind auf schlechte Klauenpflege vor oder Verletzungen während der Alpzeit zurückzuführen. Falls nötig, sind die Tierhalter darauf aufmerksam zu machen, dass die Klauen frühzeitig geschnitten werden, in steinigem Gebiet mindestens einen Monat vor dem Alpaufzug.Verletzungen durch Unfälle, Kämpfe, Überbelastung, scharfe oder spitze Gegenstände betreffen uns auf der Alp eher. Meist werden kleine Verletzungen erst entdeckt, wenn infolge Sekundärinfektion Schonen, Lahmheit oder ähnliches entsteht.

n diesem Fall wird die Verletzung saniert. Lockeres Horn um die Verletzung zurückschneiden und kleine Wunden sind zu desinfizieren. Grössere, tiefere Verletzungen sind zusätzlich zu verbinden und der Klauenverband ist regelmässig zu wechseln. Dabei ist die Klaue gut zu polstern und der Verband ist mit wasserdichtem, elastischen Band zu versehen.
       Im letzten Sommer hatten wir grosse Probleme mit Panaritium. Vereinzelte Heilungserfolge konnten wir erzielen mit Aufschneiden der Entzündung, desinfizieren und verbinden oder aber durch Einsatz von Antibiotika im frühen Stadium. Trotz viel Mühe und Einsatz mit Fussbädern, Salben, Sprayen und individuellen Behandlungen haben sich einige Ziegen bis in den Herbst nicht erholt.

Natürliche Heilungsunterstützung mit Hepar sulfuris, Silicea, Kamillen-, Schmierseife- und Chäslikrautbäder, Teer, Harze, Zugsalbe, Klauensprays

 

 
  Abszess oder Pseudotuberkulose

Diese durch Bakterien verursachte Infektionskrankheit führt zu Entzündungen der Lymphknoten. Der Abszess äussert sich durch bis zu apfelgrossen Beulen, die gut sichtbar im Kopf-Hals-Bereich, an Schulter, Kniefalte oder Euteransatz entstehen. Selten werden innere Lymphknoten befallen.

st der Abszess «reif», fällt die Beule auf und mit dem austretenden Eiter können die Erreger weitergegeben werden. Die Bakterien können bis zu einem Jahr überleben. Medikamente oder Impfungen gibt es zur Zeit keine und nur die Behandlung oberflächlicher Abszesse ist möglich.
       Ziegen mit sichtbaren Abszessen sind zu separieren, wo dies möglich ist. Ist die Beule reif, muss diese am tiefsten Punkt grosszügig aufgeschnitten werden, damit der Eiter ausfliessen kann. Die Wunde ist täglich gut zu desinfizieren, bis kein Eiter mehr ausfliesst.

Die Heilung kann mit Naturheilmitteln wie Arnica, Belladonna, Sulfur unterstützt werden.

 
Ist ein Tier krank, sind meist weder Tierhalter noch Tierärzte da, um von ihrem Wissen und ihrer Erfahrung profitieren zu können. Oft bleiben uns nur die Schulmedizin mit ihren effizienten, konventionellen Methoden. Für Heilung und/oder Unterstützung des Heilungsprozesses ist die alternative Tiermedizin umfassender und eine wertvolle Ergänzung. Mit sorgfältiger Vorbereitung (Zusammenstellen von Unterlagen und Stallapotheke) vor und aufmerksamer Beobachtung der Tiere während der Alpzeit können befriedigende Resultate erzielt werden. Mit einer homöopathischen Haus- oder Notfallapotheke und dank dem Erkennen des Auslösers der Krankheit kann leichter das richtige Mittel zur Behandlung gefunden werden.
 
Dieser Artikel entstand dank wertvoller Hinweise aus
«Die wichtigsten Ziegenkranheiten» von Josef G. Regli, ZGD, Herzogenbuchsee und
«Forum Kleinwiederkäuer», Niederönz.
Herzlichen Dank an die Tierärztinnen F. L'Eplattenier, Ballwil (Homöopathin) und J. Mühlheer, BGK, Herzogenbuchsee.
 


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