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Hans Weiss arbeitet als Geschäftsführer beim Fonds Landschaft Schweiz (FLS). Der Fonds zur Erhaltung und Pflege von naturnahen Kulturlandschaften wurde 1991 von der Bundesversammlung ins Leben gerufen. Für den Fortgang an der friedlichen Zerstörung der Landschaft macht Hans Weiss vor allem drei Mechanismen verantwortlich: das bestehende Subventionssystem, die gängige Einkommenspolitik und den Normenperfektionismus in unseren Köpfen. von Hans Weiss |
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Der Fortgang der friedlichen Zerstörung der Landschaft Nicht wegen zuviel Ökonomie geht die Landschaft kaputt, sondern wegen zu wenig. Denn Ökonomie ist das Wissen vom sparsamen Umgang mit knappen Ressourcen. Die friedliche Landschaftszerstörung geht weiter, obwohl daran längst kein öffentliches Interesse bestehen kann. Verantwortlich dafür sind vor allem drei Mechanismen, die im Folgenden kurz geschildert werden. Das Subventionssystem gibt falsche Signale Ein erster Mechanismus: Vor hundert und mehr Jahren war es ein sehr wichtiges öffentliches Anliegen, Moore und Sümpfe zu entwässern, Flüsse und Bäche zu kanalisieren, "unproduktive" Auenwälder zu roden, um Kulturland zu gewinnen, damit die zum Teil notleidende Bevölkerung sesshaft gemacht und ernährt werden konnte. Staat und Gemeinwesen organisierten und unterstützten entsprechende Werke landesweit. Heute sind wir nicht nur an rationell hergestellten Nahrungsmitteln, sondern auch an diesen einst notwendigen "Kultur" - Leistungen überversorgt. Umgekehrt sind wir unterversorgt an allen Leistungen, die das vielfältige Mosaik naturnaher Landschaften, etwa gemähte Riedflächen, Feldgehölze, hochstämmige Obstbäume, Lebhäge, ungedüngte, gemähte Ackerränder und Rainstufen usw. hervorbringen. Diese sind für uns Menschen, den Naturhaushalt und die heimische Flora und Fauna lebenswichtig, aber man gibt ihnen keinen Preis, sie werden nicht honoriert und höchstens noch von einigen Idealisten als Hobby gepflegt. Die einst reichhaltige Kulturlandschaft ist zur "Triviallandschaft" degeneriert, die dringend regeneriert werden müsste. Die auf Rationalisierung getrimmte Land- und Forstwirtschaft fördert tendenziell weiter die bis zum Asphaltrand ausgenutzte Agrarsteppe, in der kein Schmetterling mehr vorkommt und die nur zur Boden- und Grundwasserbelastung beiträgt, obschon daran längst kein überwiegendes Interesse mehr besteht. Dieser Trend zur Bodenverbesserung ist vergleichbar mit einer Dampfwalze, die ohne eigene Energie, nur dem Gesetz der Schwerkraft folgend, weiter den Berg hinunterrollt. Keinen einzigen Trax gäbe es mehr in der Landwirtschaftszone, keine Entwässerungsröhre, keinen Kilometer asphaltierten, kein Laufmeter lastwagengängige Forststrasse würde noch irgendwo errichtet, wenn es der private Nutzniesser selber berappen müsste. Die weitere Zerschneidung von Landschaften, die Vernichtung auch kleiner naturnaher Biotope und eine flächendeckende Überdüngung würden sofort aufhören, wenn knallhart wirtschaftlich gerechnet werden müsste, wie bei Privatunternehmen.
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Ohne Quantifizierung des ökologischen Leistungsauftrages geht es nicht Ein zweiter Mechanismus der Landschaftszerstörung ist die Einkommenspolitik, welche bekanntlich bis heute den Produzenten gemäss der produzierten Menge honorierte und diese Preise noch stützte und Abnahmegarantien gewährt. Das führt zusammen mit der gigantischen technischen, chemischen und genetischen, d.h. durch Tier- und Pflanzenzucht erreichten Produktivitätssteigerung in unseren Breitengraden zu einer chronischen Überproduktion. An Butter, Milch, Käse, gespritztem Obst und Getreide sind wir überversorgt, an naturnahen Landschaften sind wir längst unterversorgt. Es wird mehr produziert, als der Markt aufnehmen kann, die Überschüsse müssen sehr teuer verwertet werden. Mit den sogenannten Direktzahlungen und den Ökobeiträgen, die den Landwirten nach dem revidierten Landwirtschaftsgesetz bezahlt werden, soll sich das alles zugunsten von mehr Natur in der Landschaft ändern. Das wird jedoch ein frommer Wunsch bleiben, wenn nicht auch die Erhaltung Regeneration der naturnahen Landschaft als Leistungsauftrag genau definiert und quantitativ verbindlich festgelegt wird. Für das Mittelland wurde ein Bedarf an naturnahen Flächen von 12% der gesamten Mittellandfläche ermittelt, wovon je die Hälfte vom Wald und der landwirtschaftlichen Nutzfläche beizusteuern sind. Dieser Mindestbedarf ist, ähnlich wie seinerzeit die Fruchtfolgeflächen, sicherzustellen. Andernfalls machen andere Nutzungen wie Golfplätze, Chinaschilf und Raps zur Herstellung von "Biosprit" oder sterile Grünbrache das Rennen in der Verteilung des frei werdenden landwirtschaftlichen Nutzlandes, der Natur- und Artenschutz bleibt einmal mehr auf der Strecke.
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Normenperfektionismus Und ein dritter Mechanismus schliesslich ist in unseren Köpfen und unserem Denken zu suchen, ich meine den eingefleischten und über Jahrhunderte anerzogenen Hang zum normierenden Denken. Alles wird vereinheitlicht, über einen Leist geschlagen und fast ausschliesslich nach technischen und kostenmässigen Gesichtspunkten bewertet. Etwa beim Waldstrassenbau: wenn ein Projekt für eine Waldstrasse nicht 3m Mindestbreite und eine völlig gleichmässige Steigung vorsieht was meist auf eine völlig neue Strassentrassierung hinausläuft wird sie in der Regel nicht subventioniert. Ein Alternativprojekt bleibt, weil nicht subventioniert chancenlos, obschon es dem Steuerzahler und Nutzniesser billiger käme und die Landschaft weniger belasten würde, weil man dann in vielen Fällen gar keine neue Strasse bräuchte, sondern den alten Weg verbessern und unterhalten müsste. Auch in der Landwirtschaft werden Natur und Landschaft in vorsintflutlicher Weise noch immer weitgehend einer normierenden Maschinentechnik angepasst, anstatt dass endlich die Technik, die bekanntlich eine Dienerin und und nicht Herrscherin sein sollte, dem Schutz der Natur und dem pfleglichen, nachhaltigen Umgang mit der Landschaft angepasst würde.
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Die Beschreitung neuer Wege Der Fonds Landschaft Schweiz (FLS) will diesen letztendes
zerstörerischen Mechanismen begegnen, indem er gezielt Projekte
unterstützt, die neue Wege beschreiten. So wurde beispielsweise
im Misox auf den Bau einer neuen Waldstrasse verzichtet. dafür
wird der alte , seinerzeit mit Arbeitslosen noch von hand und mit
kunstvollen Trockenmauern erstellte Waldweg repariert. Ein Spezialfahrzeug,
ein sogenannter Knickschlepper, woran der FLS der Gemeinde 60 % der
Kosten bezahlt, sorgt nun anstatt des grossen Lastwagens für
den Abtransport des Nutzholzes aus dem Gemeindewald. Ein anderes Beispiel
aus den über 60 vom FLS unterstützten Projekten ist der
Schaffhauser Randen,. Hier bezahlt der FLS den Landwirten und dem
Naturschutz zusätzlich zu den Direktzahlungen Beiträge,
die an ganz bestimmte Leistungen gebunden sind, etwa die Pflege der
Waldsäume, der Verzicht auf Düngung der Magerwiesen, die
Entbuschung von Waldlichtungen, die sonst einwachsen. Diese Leistungen,
beruhen auf einem Gesamtkonzept, die zu pflegenden Flächen sind
genau bezeichnet, sodass auch Gewähr besteht, dass nicht erneut
Steuergelder fürs blosse Nichtstun oder eine dennoch weitergehnde
Ausplünderung und Verarmung der Landschaft verschleudert werden. |
Der FLS spricht Finanzhilfen
für
Als Empfänger der Finanzhilfen fallen neben Kantonen, Gemeinden und anderen öffentlichen Anstalten auch Privatpersonen oder Organisationen in Betracht.
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