Rosi muht
     
   
anonym
 
  Ich bin das Kalb "ROSI". Nein ich war das Kalb "ROSI". Letztes Jahr um diese Zeit verbrachte ich den Sommer auf der Alp VAL. Dieses Jahr ziehe ich erneut, diesmal aber als alperfahrene Mese, ins Val. Als kleines unwissendes Kalb zog ich, mit vielen anderen Genossinnen, eines Morgens Richtung Alp Val. Saftiges Gras soweit das Kuhauge blicken konnte. Nach einer kurzen Einlebungsphase zog es uns Kälber erstmals in die Höhe. Herrlich das Gefühl, am höchsten zu sein. Die ersten Eindrücke waren verdaut und das gegenseitige Abschnuppern auch nicht mehr so interessant, jetzt konnten wir uns voll und ganz der saftigen Weide zuwenden.
 
 

eim genaueren Betrachten mussten wir feststellen, das nebst den reichhaltigen Gräsern ebenso reichhaltig Sprengköpfe, Metallsplitter, Hülsen und sonstiger Unrat das Fressen auf dieser schönen Weide fast verunmöglichte. Unsere anfänglichen Begeisterungsstürme wechselten in Wut und Enttäuschung und uns wurde sehr schnell bewusst, dass während unserer Abwesenheit das Militär auf seine Weise unten uffen "muht"! Mit dieser Enttäuschung legte ich mich zur ersten Valnacht nieder. Am nächsten Morgen, frischgestärkt, machten wir uns erneut auf den Weg, unsere Sommerweiden zu erkunden. Die Wege mochten noch so steil sein, die letzten Grasflächen noch so abgelegen, die letzten Gräser noch so mager sein,der Militärschrott war unser ständiger Begleiter. Einige Tage und Nächte waren vorüber und wir haben uns hier oben mehr oder weniger mit der Situation abgefunden. Unsere doch etwas feinfühligeren Kuhnasen konnten jetzt zwischen geniessbaren Gräsern und nichtessbarem Metall unterscheiden. Ich, Rosi, konnte mich mit dieser Situation nicht abfinden.
 

 

 

st es möglich, dass das EMD auf so fahrlässige Art und Weise mit den Alpen umgehen darf und kann?Wie steht es mit dem EMD und dem Umweltschutz? Einen schönen Einblick in die Praxis, die das EMD bei Umweltschutz oder im EMD-Jargon "Lebensraumschutz" verfolgt, gibt das sogenannte "Manual für Einheitskommandanten", welches im Rahmen von "Armee schützt Lebensraum" realisiert wurde. Beim Teil Schiess- und Übungsplätze steht da zu lesen: " Es ist eine schweizerische Eigenart, dass ein grosser Teil der Schiess- und Übungsplätze in Privatbesitz sind... . Dies macht den militärischen Verband zum Gast auf diesen Übungsplätzen. Wo Erziehung, Anstand und gesunder Menschenverstand nicht in genügendem Masse vorhanden sind, um das Benehmen dieser Gästerolle anzupassen, helfen Regeln und durchsetzungfähige Kontrollorgane... " (Aus Broschüre zur Aktion "Armee schützt Lebensraum"). Für mich, Rosi, sind solche Aussagen, wenn ich hier auf meiner Weide stehe und das Umweltschutzverständnis des EMD betrachte, Schönfärberei.
 

 
 

chon bei den ersten Kontakten mit zuständigen Personen der Waffenplätze Chur und Thun, wo ich versuchte, meine Anliegen an den Mann zu bringen, wurde mir unmissverständlich erklärt, dass ich als gewöhnliches Kalb von Waffenplätzen und Schiessanlagen keine Ahnung hätte. Meine Kuhlheit kam mir in dieser Stellung schon sehr zu Hilfe. In einem ebenso unmissverständlichen Kuhdeutsch erläuterte ich diesen Herren, dass ich keine Lust hätte, weiterhin zwischen Hülsen und Granatsplittern zu grasen. Mit diversen Sofortberuhigungsmassnahmen (gehört sicherlich zum Ausbildungsteil 1 "Armee schützt Lebensraum") versuchte man mir, Rosi, klarzumachen, dass die verschiedenen Geschosse vom letzten Herbstschiessen her stammen und logischerweise nach dem Herbst der Winter folgt, Schnee vom Himmel fällt und somit eine effiziente Aufräumaktion gar nie möglich gewesen sei. "Ja, liebe Rosi, wir schiessen seit Jahrzehnten in diesem Gebiet, in diesen Berge, in diesen Alpen, in diese Weiden, weiden sie in Ruhe weiter."
 

 

 

 

o bleibt der so hochgejubelte Umweltschutzgedanke des EMD, frage ich mich als Kalb. Es reicht einfach nicht aus, nur ein paar Geländefahrzeuge mit einem Katalysator auszurüsten. Um die Umwelt und im speziellen die Alpen zu schützen, braucht es einiges mehr. Jährlich werden Tonnen Schrott in die Alpen gedonnert. Die zertrümmerten Felsteile verwandeln viele Weiden in Gröllhalden und die herumliegenden Hülsen und Sprengköpfe verwüsten die schützenswerte Natur. Wenn Schiess- und Waffenplätze schon als notwendig und wichtig definiert werden, heisst dies noch lange nicht, dass man den ganzen Abfallberg in den Alpen deponieren darf. Mir Rosi wird klar, wie arrogant und selbstherrlich das EMD mit der Natur umgeht.

Erst Rosis Drohungen, bei einer allfälligen weiteren Bagatellisierung die Presse zu avisieren, brachte das EMD auf Trab. Erstmals sahen wir, wieder zurück auf der Weide, sich bückende Männer im grünen Look, den störenden Schrott zusammenzulesen. Das war eine Kuhweide... . Nach fünf Stunden Arbeit zog im Val wieder die gewohnte Unruhe ein. Ein kleiner Teil des verschossenen Materials wurde fein säuberlich aufgehäuft und ganz militärisch mit gelben Flaggen markiert. Ich, Rosi, war erstaunt über das Engagement betreffend Umweltschutz, doch die Tatsache war, dass nur ein kleiner Teil geräumt wurde und zudem das Material immer noch unsere Weide zierte. Alles blieb beim Alten. Nach weiterem lauten Muhen von oben aben konnte das EMD zu einer grösseren Aufräumaktion bewegt werden. Eine WK- Einheit und zwei Helikopter sorgten für etwas Betrieb und vor allem saubere Weiden. Obwohl mir mehrmals beteuert wurde, dass nach jedem Schiessen die Weiden gesäubert werden, erstaunte es mich, und ebenfalls den Sprengmeister des Waffenplatzes Thun, der unter anderem 5 Blindgänger sprengen musste, wieviel Material an diesem Tag zu Tale geflogen wurde.
 

 

 

In diesem Jahr weide ich als Mese auf der Alp Val. Wie sehen wohl diese Jahr unsere Weiden aus? Wenn ich Rosi so viel Land, Weiden, Wälder und Berge "besitzen" würde... , ich Rosi würde es hegen und pflegen. Doch es gehört nun mal nicht der Mese Rosi, ich werde nur geduldet. Aber auch in diesem Jahr muhe ich , nur noch etwas lauter, von oben aben mit dem Ziel, dass das Militär nicht mehr von unten uffen "muht". Rosi muht von oben aben: "Wie weidet Ihr denn so? Schiesst bei euch das Militär auch in Abwesenheit oder in Anwesenheit von unte uffe?" Ich hoffe, ihr muht auch von oben aben und sendet den Bogen ausgefüllt an:
Alp Val "Rosi" 7462 Salouf.
 

 
 

 

Alp: .....................................................................................................................

Gebietsbeschreibung: ..................................................................................

Schiesszeiten: ................................................................................................

Waffengattung: ...............................................................................................

Munition: ..........................................................................................................

Wann wird geräumt
nach Auskunft der Bauern: ..........................................................................
nach Auskunft des zuständigen Waffenplatzmeisters: ..........................
nach Deiner Einschätzung/Beobachtung: ................................................

 

 
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