Alpwirtschaft hat Zukunft
     
 


Als vor etlichen Jahren zwei Älpler sich über die Karten der Eidgenössischen Landestopographie beugten und ein Blatt nach dem anderen, Tal für Tal nach Alpen absuchten, auf welche sie ein Blättli namens ZALP zu schicken gedachten, sich bei manch einem Alpnamen die Frage stellten, ob hier wohl noch bestossen werde oder die steilen Halden schon am Verganden seien; auf die Alp, von der hier die Rede sein soll, wäre kaum einer gestossen.

von Christian Brassel

 
Bichselrührer
 
 
 

er "Bündner Bauer", wöchentliches Organ des Bündner Bauernverbandes, des Vereins ehemaliger Plantahofschüler und des Bündner Sennenvereins, machte uns aufmerksam auf die wohl jüngste und zukunftsträchtigste "Alp" Graubündens. Mit 19,75 Punkten fehlte dem Sennen Alois Kurmann nur ein mickriger Viertelpunkt (Lochung: 4,75 P.) zum Maximum, und er sorgte damit dafür, dass Heidiland in der Alp-Mulchentaxation 1993 weit vorne aufgeführt ist.

 


 
 

eidiland – gleich nach der Grenze vom Kanton St. Gallen ins Bündnerland, zwischen dem jungen Rhein und der Nationalstrasse 13 – beherbergt vielleicht die Sennerei, wo auch dann noch Alpkäse gemacht wird, wenn auch von der letzten Alp die Milch per Pipeline zu Tale fährt. Im Käsereigeschäft Sännebueb dauert der "Alpsommer" 1994 ganze 5 Wochen, anfangs Juni heisst es für Senn Kurmann ans Kessi stehen und schaukäsen. Traditionell geht es dann zu und her, gefeuert wird mit Holz, der Käse kommt ins Holzjärb und die Holzverkleidung vor den Betonmauern sorgt für Alpstimmung: ein 500jähriger Maienfelder Stall führt hier sein zweites Leben. Vier Heidiland-Käse à sechs Kilo zieht Herr Kurmann täglich aus dem Kessi, zwei am Morgen, zwei am Nachmittag. Die 240 Liter Vollmilch werden täglich von der Milchzentrale Maienfeld geliefert, wetterbedingte Schwankungen gibts keine. Noch im Heidiland nehmen die Käse ihr Salzbad, dann gehts ab in die Käsekeller des Toni-Milchverbandes zu Landquart. 45 Jahre lang arbeitete Herr Kurmann für den Milchverband, Besitzer der Sännebueb-Kette mit Schaukäsereien in den Raststätten Heidiland und Glarnerland. Auch nach der Pensionierung ist er Toni treu geblieben und zeigt den automobilisierten Touristen, wie hierzulande noch gekäst wird. Gut gekäst, wie die Mulchentaxation zeigt.
 

 


 
 

ine Oase der Ruhe für Autofahrer" nannte Heidiland-Verwaltungsratspräsident L. Fluepp die Raststätte anlässlich der Eröffnung. Heidi, Geissenpeter & Co. wären da vielleicht anderer Meinung. Heutigen ÄlplerInnen jedenfalls kann ein Heidiland-Besuch nach der Alp den Kulturschock, der sie zu Hause erwartet, vorwegnehmen. Und auch Senn Kurmann wird seinen Feierabend kaum auf dem Bänkli vor der Käsi verbringen... Auf den Zugangswegen von den Parkplätzen stehen sich die BesucherInnen an schönen Tagen ganz schön auf den Zehen rum, und gleich dahinter ertönt das regelmässige Summen der Autobahn.
 

 


 
 

ie Raststätte der Firma Möwenpick bietet 395 Sitzplätze, 160 Angestellte arbeiten hier zu Löhnen und Arbeitsbedingungen, die auch schon für negative Schlagzeilen gesorgt haben. Ein Business Center, Espresso-Bar, Kiosk stehen zur Verfügung, der Verkehrsverein Graubünden empfängt die Gästescharen und auch die Bündner Kantonalbank ist vertreten. Draussen Grosstankstelle, Kinderspielplatz und komplizierte Erschliessungsstrassen, die allein den Kanton 12,5 Mio. Franken gekostet haben. 1,3 Mio BesucherInnen wurden allein im ersten Jahr gezählt und seither ist die Zahl stetig gestiegen. Da stellt Herr Kurmann dann die Milchchanten so, dass die Touristen nicht grad ins Kessi fallen oder husten.
 

 


 
 

orgen im Innern die alten Stallbretter für Alpatmosphäre, zeigt sich das Heidiland von aussen als "Engadiner Grossviehstall mit Maienfelder Türmlein", wie´s in der hitzig geführten Architektur-Debatte während Planung und Bau mal formuliert wurde. Die architektonische Leistung dieses "Disney-Land-Baus" jedenfalls würde eine Taxation kaum so gut bestehen, wie der Käse, der hier gemacht wird.
 

 


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