|
|
Liebe Älplerinnen und Älpler, Zum zweiten Mal geht ein Versand auf möglichst alle Bündner Alpen und neu diesen Sommer auch auf die Alpen des angrenzenden St.Galler Oberlandes. Auch Älpler und Älplerinnen in anderen Gebieten erhalten den Versand, wenn sie uns ihre Adressen melden. Der letztjährige, erste Versand war aus verschiedenen Treffen im Winter 87/88 hervorgegangen und hat einiges ausgelöst: v.a.. die Warnfeuer vom 13. August gegen die Pumpspeicherwerke in verschiedenen Alpentälern stiessen auf ein grosses Echo. Nicht nur als politische Protestaktion sondern auch für ein verbindendes Gefühl zwischen Älplern und Älplerinnen über Täler und Berge hinweg waren die Feuer eine gute Ausdrucksform. Vielerorts sind dadurch auch mit Bauern und Bäuerinnen interessante Diskussionen entstanden. Die Pumpspeicherwerke und die ins Unterland fliessenden Profite der Elektrizitätswirtschaft sind auch dieses Jahr wieder Thema im Versand und Anlass für die Warnfeuer am 12. August.
|
|
![]() |
|
Dass das Älplerlnnenfest zu Alpende einem Bedürfnis entspricht, hat der volle Drei- König-Saal letzten Herbst eindrücklich bewiesen. Auch dieses Jahr möchten wir wieder gemeinsam einen guten Alpsommer feiern, am Freitag 22. September in der Markthalle Chur. Am meisten Aufsehen erregte sicher das Älplerlnnentreffen vom Januar in Chur. Dass so viele Älplerinnen und Älpler, altbewährte und Neuinteressentlnnen, zmitzt im Winter soviel Interesse und Engagement für ihre Sommerarbeit aufbringen, hat alle überrascht. Ein Ziel des Treffens war es, über eine Alpbörse freie Alpen direkt weiterzuvermitteln, Leute zu suchen und Erfahrungen auf den Alpen weiterzugeben. Es wurden lnformationen über Rechte und Pflichten, Verträge usw. ausgetauscht. Der Nachmittag war aktuellen politischen Themen im Berggebiet und einem Vortrag eines Tierarztes gewidmet. Die technologischen Entwicklungen und die gewaltigen Umstrukturierungen v.a. in der EG-Landwirtschaft üben auch in der Schweiz immer grösseren Druck aus. Der heute von vielen Politikern propagierte Optimismus kann nicht verdecken, dass als erste die kleinen, der Landschaft angepassten Betriebe im Berggebiet (Höfe und Alpen) bedroht sind. Der Kampf gegen dieses Betriebssterben muss von Bergbauern/Bergbäuerinnen und Älplern/Älplerinnen gemeinsam geführt werden. Als weitere Themen wurden die Auswirkungen von Massentourismus, Elektrizitätswirtschaft und Militär auf den Alpen angesprochen. Allgemein bringen sie dem Berggebiet mehr Schaden als Nutzen, die Profite fliessen oft in die Kassen von Unterländerfirmen. Die Wasserzinsen für die Berggemeinden sind z.B. in den vergangenen Jahrzehnten im Vergleich zur Lohnentwicklung um ein Vielfaches geschrumpft. Dafür weicht die Armee für ihre Schiessübungen immer mehr auf Alpen aus, was zu unzumutbaren Bedingungen für Personal und Vieh führt. Dass die Armeepräsenz den Berggebieten auch wirtschaftliche Nachteile bringt, hat eine Studie der Hochschule St. Gallen fürs Oberwallis gezeigt: Das Nutzen-Schaden-Verhältnis wird dabei mit 1:2,5 angegeben. Diese Themen kommen in der Resolution des Churer Treffens zum Ausdruck und haben viele Emotionen ausgelöst. Forderungen im Lohnbereich wurden als direkter Angriff auf die sonst schon bedrohte Berglandwirtschaft hingestellt, obwohl ausdrücklich eine Lohnanpassung für Alp- und Berglandwirtschaft gefordert wurde. Wir hoffen,dass diesen Sommer entstandene Missverständnisse in direkten Gesprächen zwischen Älplern/Älplerinnen und Bauern/Bäuerinnen geklärt werden können.
|
|
Resolution der Älpler und ÄlplerInnen zu den Arbeitsbedingungen
zu den Entwicklungen im Berggebiet und der Landwirtschaft
|
|
Gerade das Thema Löhne bietet nach den Vorschlägen des Bündner Bauernverbandes neuen Gesprächsstoff. Die Vorschläge überraschten erstmal durch den unerwartet tiefen Lohnansatz, der wohl nur den Wenigsten eine Verbesserung bringt. Den vollen Lohn, der jenem von Betriebshelfern entspricht, erhält nur grad der Senn/ die Sennerin, für Küher/Küherin bleiben 85% ,Zusenn/Zusennerin 80% und Batzger/Batzgerin (?) noch 5O% ! Galtviehhirtlnnen verdienen 80% des Mindestansatzes. Dadurch werden alte Hierarchien, die heute vielerorts einer solidarischen Gleichstellung gewichen sind, neu zementiert. Kommt hinzu, dass nur langjährige Älplerlnnen auf diese Ansätze kommen; in den ersten drei Alpsommern sind die Löhne nochmals bis 15% tiefer. Für diese Berechnungen geht der Bauernverband von Kuhalpen mit 90-100 Kühen (mit 3,4 Angestellten:) und Galtviehalpen mit 100 Tieren (ein/e Hirt/in)aus. Kleinen, schlecht eingerichteten Alpen bringt diese Regelung das Ende, indem die Löhne einseitig nach Viehzahl und nicht mehr nach Arbeitsaufwand zustande kommen. Für solche Löhne kann niemand mehr z'Alp gehen. Die Lohnfrage wird sicher auch am kommenden Wintertreffen aktuell sein, auch wenn für Verhandlungen mit dem Bauernverband nur der Sennenverein zuständig ist. Wir haben vor, an einem Seminar-Wochenende im November die Lohnfrage vertieft zu diskutieren und auch andere Themen für das Churer Treffen vorzubereiten. Wir hoffen, dass auf diese Art mehr Leute an den Vorbereitungen mitmachen können. Für diese Wochenende, das sicher auch Platz für älplerische Geselligkeit bieten wird, ist eine Anmeldung bis Ende August nötig. Dem Versand liegt ein Fragebogen bei, über den wir möglichst viele Informationen über die Alpen sammeln möchten. In Chur wurden bereits ca 100 solche Bogen ausgefüllt. Die neuen Zettel sind teilweise ergänzt (z.b. Finanzierung der Alpbetriebe); also bitte nochmals ausfüllen. Ziel ist nicht eine Überwachung der Alpenvielfalt, sondern eine Kartei, auf die Ihr wiederum zurückgreifen könnt, wenn Ihr eine neue Alp macht. Deshalb fragen wir neu auch nach Eurer Privatadresse, um Informationspersonen vermitteln zu können. Wir hoffen auch, Veränderungen in der Alpwirtschaft (wie Schliessungen, Armeepräsenz) und regionale Unterschiede so belegen zu können. Das Alparchiv stellt sich für die Vermittlung solcher Angaben zur Verfügung. Es führt eine Kartei mit möglichst vielen Angaben zu den einzelnen Alpen: Fotos, Artikel, Besonderheiten... Daneben sammelt das Alparchiv auch Bücher, Zeitschriften, Artikel u.ä. zur Alp-und Berglandwirtschaft: Handwerk, Kultur, Geschichte, Ökonomie, Zucht, Bedrohungen, usw. Diese Arbeit könnt Ihr unterstützen: durch Zusenden von entsprechendem Material, Angaben dazu oder durchs Benützen des Postcheckkontos 80-43218-1. Gesundheitsämter und Fachleute empfehlen
an heissen Sommertagen mit hohen Ozonwerten auf körperliche
Betätigung im Freien zu verzichten. In Berggebieten sind diese
Ozonwerte oft noch höher als in den Städten. Verantwortlich
für diese Belastungen ist hauptsächlich der Strassenverkehr,
der v.a. auf den Nord-Süd-Achsen ständig zunimmt. Deshalb
haben Leute aus verschiedenen Bergkantonen die Alpeninitiative lanciert,
mit der ein weiterer Ausbau des Strassentransits verhindert werden
soll. Dazu legen wir den Unterschriftsbogen bei. Achtet darauf,
dass auf einem Bogen nur EinwohnerInnen aus derselben Gemeinde unterschreiben
können. |
![]() |
|
Zum Schluss machen wir noch auf eine Selbsthilfeaktion aufmerksam: auf ca. 20 Alpen in Mittelbünden werden die Alpkäse mit einer Plakette gekennzeichnet. Wir möchten damit aufzeigen, dass in jedem Alpkäse viel Arbeit steckt, dass diese Arbeit von sozialer und ökologischer Bedeutung ist, wofür auch ein gerechter Preis erzielt werden müsste. Mehr zu dieser Aktion wird auch noch der Presse zu entnehmen sein. Bleibt uns nur noch, Euch allen einen ganz schönen Alpsommer zu wünschen:
Bis zum Älplerlnnenfest am 22. September: fürs Alparchiv Françoise, Rosmarie, Res, Christian
PS: Die einzelnen Beiträge dieses Versandes sind von verschiedenen
Leuten und Gruppen dem Alparchiv geliefert worden. Wir vom Alparchiv
haben für dieses Jahr Organisation und Vertrieb übernommen,
möchten aber, dass diese Arbeit nicht für immer an uns
hängen bleibt. |