a) abheben
Unsere Köpfe sind voller Bilder. Es sind Bilder von uns selbst als Älpler, von unserer Arbeit, unserem Leben im Sommer auf der Alp: Originale, schlechte Kopien und Fälschungen aus den Selbstbedienungsregalen der Geschichte und der Tradition, der Moderne und der Nostalgie. Etiketten sind etwa 'altes Handwerk', 'traditioneller Beruf', 'intakte Arbeitszusammenhänge', 'neue Formen der Zusammenarbeit', 'selbstbestimmte Arbeit'. Sie stehen alles in allem für die Versuche, oft in einem anderen als dem gelernten Beruf, auf die modernen Nöte, Träume, Hoffnungen und Unmöglichkeiten doch noch eine passende Antwort zu finden: das bessere Leben.

Wie kein anderes, lässt sich das Leben auf der Alp fast beliebig mit Bedeutung und Sinn versehen. Gerade weil es sich, typisch für einen Randbereich, vielen Zwängen der Dienstleistungsgesellschaft zu entziehen scheint, entsteht der Eindruck, wir befänden uns auf der Alp in einem Refugium, einem Jagdasyl. Nur zu gerne sind wir bereit, uns nicht als Arbeitnehmer zu verstehn, nicht als unterbezahlte Landarbeiter mit schlechten Arbeitsbedingungen. Nur zu leicht sind wir auch bereit, die Möglichkeit, als Älpler zu arbeiten und zu leben, nicht als eine von Staates-, von Subventionsgnaden zu sehen. Anderes springt uns schneller in die Augen, gibt zu reden und zu fühlen.

Einige von uns sprechen vom 'letzten freien Beruf'. Wir kleiden uns in unserer eigenen Mode und gegen die 'Trends'. Wir eignen uns den schweren Schritt unserer Arbeitgeber an, den allzu schwere Krampferei im Lauf der Jahre ihren Körpern beigebracht hat. Wir geniessen es, von den Modernen, Zivilisierten bewundernd auf unser einfaches Leben angesprochen zu werden und sind stolz darauf, in einer 'uralten Landschaft' einem ebensolchen Erwerb nachzugehen. Ein Hauch von Heldentum und Pioniergeist umgibt die Spezies Älpler. Ist es das "Land in Sicht!", das uns bewegt, ist es das "Nein, stirb nicht!"?

Wie falsch das alles ist, was ich da schreib, und noch viel wahrer! Ich werd wohl wieder z'Alp gehn. Und den Nahtstellen, Brüchen und Narben der eigenen Geschichte und unserer Zeit auf den Leim kriechen.

b) landen ...
Die zalp 93 versammelt verschiedene Beiträge zur Alparbeit unter dem Gesichtspunkt "Alpromatik". Ihr findet Texte und Illustrationen von Älplerinnen und Älpler, die sie selbst erfanden und sammelten. Daneben wie in früheren Jahren Aktuelles und Diverses. Für ihre Beiträge stehen die Urheberinnen und Urheber grad.
Zur Finanzierung der Zeitung verschickten wir Bettel- und Werbebriefe, führten eine Subskriptionsaktion (Talon in der zalp) durch und konnten einige Inserentinnen und Inserenten finden. Das Alparchiv besorgte schliesslich sie Verlagsarbeit.
Das "wer-wie-was-wann-wo" für die zalp 94 wird am Churer Januartreffen 94 ausgemacht.

Wir wünschen allen schöne Bilder, viel Romantik, scharfen Blick und guten Spiegel.

Beda Meier

 

 


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