und plötzlich stand ich neben dem Kessi    
     
 


Eine kleine Gruppe von Älplerinnen und Älplern,von denen die meisten ausserhalb der Alpzeit in der Stadt leben, trafen sich im Winter regelmässig. Anfänglich, um sich mit Problemen der Landwirtschaft zu befassen. Weil in den Diskussionen sehr viel Widersprüche auftauchten, wollten sie beim Naheliegenden beginnen. Sie beschlossen, sich gegenseitig zu ihren Bauembildern und dazu, wie sie auf die Alp kamen, zu interviewen. Die persönlichen Beweggründe, die Qualitäten der Arbeit, der Kontakt mit den Bauern, die Bezüge zur Landschaft, zum Draussen interessierten sie. Die jeweils sehr persönlichen Protokolle wurden in einem Heft zusammengefasst: "heute rühr ich und morgen rührst du". Die folgenden Texte sind Auszüge aus den Tonbandaufnahmen und beschreiben, wie die Einzelnen zum Alpen kamen.  
 
 

 
 
 

it 25 bin ich zum ersten Mal auf die Alp, weil Freunde von mir gingen, und das gefiel mir dann ausgezeichnet, und ich gehe seither auf die Alp. Und es gab dann ja noch viele Hirten, die danach begannen Bauer zu lernen, das wollte ich überhaupt nicht. Ich finde, dass Alpen das gibt, was mir in der Landwirtschaft gefällt. Aus verschiedenen Gründen: mal weil man nichts besitzt und weil man nicht sesshaft ist, das find ich sehr wichtig, und auch weil es eine zeitlich beschränkte Arbeit ist; das ist mir in den Sinn gekommen, als du nach den Gefühlen beim Zurückgeben der Tiere fragtest: Das habe ich total gerne, nie im Leben möchte ich bauern."
 

 

 

 
 
 

ann, ein Jahr später, bin ich mit dem F., mit dem ich im Jahr darauf auf der Alp war, seinen Bruder besuchen gegangen im Berner Oberland. Das war das erste Mal, wo ich das Gefühl hatte, es könne etwas bringen. Wir waren zwei Tage dort, da begann es zu schneien. In der Nacht schneite es, und am Morgen hatte es etwa einen Meter Schnee. Es war eine Aufregung. Die Bauern kamen, alle begannen herumzuseckeln und zu brüllen und haben die Rinder heruntergeholt. Sie hatten Kühe und Galti, die mehr oder weniger frei irgendwo am Hoger oben herumliefen. Dann haben sie die Rinder heruntergetrieben, so über eine Hochebene, total verschneit, fünfzig Rinder im Galopp. Sie brüllten halt!! aber die hielten natürlich nicht an. Ich war der einzige, der unten war. Ich musste vorne hinstehen, und es war klar, dass ich diese fünfzig galoppierenden Rinder nun anhalten musste. Das fand ich heiss. Es kostete auch Überwindung, einfach vor diese Viecher hinzustehen ... sie hielten dann wirklich an. Ich hatte einen Stecken und rannte hin und her, wie man das so macht. Das war das Wichtige: dass es mir gelungen war, diese fünfzig Rinder aufzuhalten, die so gefährlich ausgesehen hatten.

Danach fragte mich der F., ob ich mit ihm eine Alp machen würde. Er hatte schon mal eine gemacht."
 

 

 

 
 
 

u dritt machten wir eine Ammenkuhalp mit dreissig Kühen und ihren Kälbern. Es war recht ulkig. Wir hatten fast nichts zu tun, ich schaute einfach mal, wie das läuft und haute schon Mitte Sommer wieder ab. Auf der nächsten Alp war ich den ganzen Sommer oben. Es packte mich völlig: den ganzen Tag laufen, weg von der Stadt, weg von den Löchern der Ungewissheit. Drei Monate lang wusste ich täglich, was ich zu tun hatte. Und es war schön."
 

 

 

 
 
 

rgendwann, war ich überzeugt, mache ich mal eine Alp. Wusste zwar noch nicht wie und wie das Frauen auch können, war aber überzeugt, dass ich das mal mache. Mit 25, in den 80er Jahren sind viele aus Bern gegangen. Die ewigen Diskussionen, ob die das jetzt dürfen, den politischen Kampf verlassen, ob das drinliegt, die üblichen Diskussionen halt. Dann ist jemand auf eine Geissalp gegangen, den habe ich besucht, da war mir klar, ich im nächsten Sommer auch. Ich bin aber bis dahin noch nie in einem Kuhstall gestanden, hatte noch nie gemolken. Der Kopf hat es mir nicht zugegeben, mit den Profis zu gehen, ich dachte ich würde dann das Tussi sein. Ich habe mich dann von irgendwelchen Bauern anstellen lassen, mit der Bedingung, auch was zu lernen. Ich bin dann ins Berner Oberland, zuerst unten im Tal, dann auf der Vorweide dann ganz oben und wieder unten. Er hat 11 eigene Kühe gehabt und 25 fremde. Ich habe total viel gelernt, es war lässig, er hat mich scheu selber losgeschickt - "Jetzt gehst du zum Melken" - wenn er zum Beispiel noch im Heu gewesen ist.

Dann bin ich schon bald auf P. Ich habe schon relativ früh gefunden Stadtleben ja - Landleben auch ja. Ich will beides und mag mich nicht für eins entscheiden. Das war sicher auch ein Auslöser, um auf die Alp zu gehen. Das ist wichtig für mich."
 

 

 

 
 
 
ann bin ich auf Alp T. gelandet, im ersten Sommer. Was mir da am meisten gefallen hat, ist die Landschaft gewesen, viel draussen leben, und die Gegend. Auf der unteren Hütte, wo man mitten im Wald gewesen ist und viel auf der Weide. Oben hab ich erst Mal nen Schock gekriegt, das hältst du ja gar nicht aus, ohne Bäume. Das war so karg. Hier kannst du also nicht lange bleiben. Ich hab immer nach unten in den Wald müssen, ab und zu."
 

 

 

 
 
 

ann hab ich in der Beiz aufgehört, bin ausgezogen und bin den ganzen Sommer in den Bergen herumgelaufen und habe manchmal auf Alpen übernachtet. Ich hatte wirklich keine Ahnung, ich wusste nicht, ob das jetzt eine Kuhalp war oder eine Rinderalp. Ich habe mir auch nicht überlegt, habe eh gedacht, sind sowieso alles Kühe. Zuerst bin ich auf der Alp N. vorbeigekommen, es regnete und da haben sie draussen gekäst und gebuttert, unter einem Plastikverschlag. Überall war ein Sumpf, alle Kleider waren nass und alle haben in einem Raum gewohnt. Ich fand alles einen totalen Horror.

Und dann ging ich auf die Punkalp, das waren Leute von W., die ich kannte und die waren dort zum ersten Mal auf der Alp. Sie hatten schwarze Kühe, Ehringer, und als ich raufkam, ich war völlig kaputt, standen die Kühe auf dem Weg und gingen nicht fort. Ich habe gemeint, ich kehre wieder um. Habe geglaubt, es seien Stiere und ich hatte einen roten Rucksack. Die gingen einfach nicht fort und dann kam zufällig D. Und auf dieser Alp war es dann total gut und ich bin geblieben. Ich habe etwas melken gelernt und hatte vor allem die Rolle zu schauen, dass sie am morgen aufstehen, und Kühe holen und solche Sachen. Dort war ich ca. 5 - 6 Wochen und dann ging ich wieder wandern."
 

 


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