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Auf der Weide, beim Melken oder beim Käsen hat man Zeit, den eigenen Gedanken nachzuhängen. Die folgenden Zeilen sind ein Ausschnitt aus dem Tagebuch eines Älplers. von Bodo (Sepp) Kloiber. |
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Juni (vor dem Auftrieb) Was für ein fantastisches Blühen wieder
an den Meiensässen, manchmal steigt ein solch intensiver Blumenduft
herauf, dass die ganze Welt als "Geruch" empfunden wird. |
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Juli (Sommerregen) Kleines Gewitter - die Kühe schlendern den alten tiefen Treibweg herauf, ein paar Windböen und die ersten Tropfen nach einem heissen Tag. Um viertel vor fünf sind die Kühe in den vier Ställen eingestallt, angeschwanzt - es gibt Kaffee, heut mal wieder drinnen - und eine Bündner Nusstorte hmmm ... Kopf neben Kopf, schöne Gesichter, stolze Hörner, gelassen und zufrieden liegen sie da, die meisten auf die selbe Seite schauend. Es prasselt auf dem Blechdach, gleichmässiges, schönes Prasseln wie eine meditative Musik. Ich würde mich dazulegen und schlafen - wäre da nicht das alltägliche, gewohnte Melken. Nach dem Melken kommen sie raus - wieder auf den Rossboden,
es läutet in allen Tonlagen ... nach einer gewissen Zeit hört
man die Glocken nicht mehr ... sie gehören auch zur Musik der
Alp. |
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August (Sommerhitze) Diese Trockenheit macht uns Sorgen. Die Weiden sind dürr und hart geworden. Die Sonne brennt in diesen Wochen senkrecht und sehr stark vom Himmel; Wasser hat es weiter droben nur noch tröpfchenweise und die Nächte sind so trocken und warm, dass es am Morgen keinen Tau gibt. Und wir warten sehnsüchtig auf den Regen. Mittagshitze - wir denken ans Baden, aber es kommen
ständig neue Schwierigkeiten. Da verletzt sich eine Kuh, oder
man ist für alles viel zu müde ... Besuch - auch das noch!! Und wir warten auf einen ganz anderen - auf den heiss ersehnten Regen!! |
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Jeden Morgen ein kräftiges Morgenrot. Eigentlich
ein Zeichen für einen Wetterumschlag, doch es bleibt schon
wochenlang beständig warm und sonnig. Der Sonnenaufgang ist
jeden neuen Morgen faszinierend - immer ein kräftiges Rot.
Aber man sieht diesen Dreck in der Luftschicht. So schön es
auch aussieht, so schmerzlich ist der Anblick im Wissen um den hausgemachten
Ausstoss von Gift aus unseren Autos, Bussen, lndustrieanlagen, Flugzeugen,
Kraftwerken und Schornsteinen. Jedes Morgenrot ein Zeichen unserer
Lebensweise. Und wir leben vom Atem ... |
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September (Märchenwald) Alles Traum? Der Wald am Grat steht am Abend als schwarze Silhouette
in der Landschaft. Alles Traum? |
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September (Herbst) Wäre er unendlich lang, so wie ich mir dies oft wünsche, so wäre der Herbst bald nicht mehr wertvoll. Es kann ihn nur geben, wenn davor die Hitze des Sommers und danach ein kalter Winter liegen. Aber dieser Herbsttag heute dürfte trotzdem unendlich
lang sein. Mit diesem sagenhaft schönen Licht. Mit dem Klang
der Glocken vom Jungvieh, mit dem zarten Windlein und den langen
Schatten der alten Fichten und Lärchen. Der glänzende
Schnee an den hohen Hängen und an den Felsen - die von hier
aus gesehen nicht oben liegen, sondern gerade dort drüben.
Überall Gebirgsketten, weiter unten grast das Vieh - die letzten
Tage, bevor sie hinunter getrieben werden ins Dorf. Der Herbst ist mir die wertvollste Jahreszeit geworden. |
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