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Haben wir aber lange drauf warten müssen! Richard Weiss' Alpwesen Graubündens, ursprünglich veröffentlicht 1941, und seit langer Zeit nur noch mit Glück in Antiquariaten zu ergattern, darf ruhig als der Klassiker der schweizerischen alpwirtschaftlichen Literatur bezeichnet werden. Jetzt liegt ein schöner Reprint im Churer Octopus Verlag vor. Buchbesprechung von Christian Brassel |
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Richard Weiss, langjähriger Schüler und Lehrer am Schierser
Gymnasium und später erster Professor für Volkskunde an der
Universität Zürich, hat als einer der ersten die Alpwirtschaft
nicht aus rein ökonomischer, agrartechnischer Sicht betrachtet, sondern
stellte die ÄlplerInnen und deren Kultur in den Mittelpunkt seiner
Untersuchung. Entstanden ist dabei nicht etwa eine abgehobene wissenschaftliche
Abhandlung, sondern eine reiche und spannende Sammlung dessen, was der
Autor auf den unzähligen besuchten Alpen, aus mündlichen und
schriftlichen Quellen vorfand. Von der Beschreibung der Bewirtschaftungsarten,
Gerätschaften und Einrichtungen über die rechtliche Organisation
und historische Entwicklung zu Arbeits- und Lebensweise des Alppersonals
lernen wir ein Alpwesen kennen, wie es sich bis in unser Jahrhundert hat
halten können, und auf dessen Überbleibsel wir auch heute immer
wieder stossen. Vieles ähnelt mehr den Geschichten, wie wir sie von
älteren Bauern kennen, als unseren eigenen Erfahrungen, anderes darf
auch für die heutige Alpwirtschaft gelten. |
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,,Dass häufig unter dem ,,Volk der Hirten" ein roher, ja unflätiger Ton herrscht, wird kaum auffallen, wenn man die Herkunft eines grossen Teils der Alpknechte in Betracht zieht und den Umstand, dass sie einige Monate völlig abgeschieden und auf sich selber angewiesen leben müssen. (...) Diese Härten des Älplerlebens schrecken manchen ab, und so ergibt es sich von selber, dass die Älpler Leute sind, die entweder diese Mühe um des freien Lebens willen gern auf sich nehmen oder mehr noch solche, welche die Notwendigkeit zwingt, hier einen Erwerb zu suchen und für die auch diese rauhe Lebensweise eher eine Verbesserung als eine Verschlechterung der gewöhnlichen Lebensumstände bedeutet. (...),, Weiss selber war kein Älpler, wie vielleicht aus solchen Schilderungen seiner menschlichen Forschungsobjekte hervorgeht, aber vielleicht sind sie gerade deshalb so unterhaltsam, weil sie einem noch heute verbreiteten Bild der Älplerlnnen entsprechen. ,,Allzu viel Aufwand an Reinlichkeit des Körpers wird in den bündnerischen wie überhaupt in den inneralpinen Alpen nicht betrieben. (...) Das Freiluftleben schliesst ja manche üble Wirkung des Schmutzes aus. Auf der Alp geht es vor allem um die Pflege des Viehs..." Im Vorwort zur Neuauflage relativiert der Agrarhistoriker Jon Mathieu auch Aussagen von Weiss, etwa die allzu grobe Einteilung der Wirtschafts- und Kulturtypen in einen walserischen und einen romanischen Raum. Das Alpwesen Graubündens ist ein Buch, das ich allen Älplerlnnen wärmstens empfehle und es wird auch nicht nur jenen etwas bringen, die in Bünden z'Alp sind. Scheints haben die heutigen Älplerlnnen ja neben dem Chrampfen sogar Zeit, sich zu waschen und anderes mehr; da wird auch fürs Lesen noch ein wenig Zeit übrig bleiben. Wem aber dabei die Augen zufallen sollten, versuche es mit Mutternwurzeln: ,,Als die beste Futterpflanze gilt weit über das bündnerische Gebiet hinaus Meum Mutellina, ein feines Kraut mit zart gefiederten Blättern. Die Wurzeln, welche einen starken Selleriegeschmack haben, werden von den Hirten als wirksames Mittel gegen Ermüdung gekaut." Richard Weiss: |
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