|
|
Mai 1998: Ein Sonderkommando des aufgelösten Vereins "Das Alparchiv" überführt 12 Kisten mit Büchern, Artikeln und Broschüren von Zürich nach Bern. von Christian Brassel |
|

|
|
|
Schweizerisches Alpines Museum (Bern) Das ursprünglich von der lokalen Alpenclub-Sektion gegründete Museum wird heute von einer Stiftung getragen, unter anderem von der Eidgenossenschaft unterstützt und ist vor kurzem modernisiert worden. Neben einer grossartigen Reliefsammlung , der Behandlung traditionell alpinistischer Themen und der historischen Entwicklung werden heute auch aktuelle gesellschaftliche Probleme des Alpenraumes aufgegriffen und mit moderner Museumstechnik vermittelt. Regelmässig werden Wechselausstellungen, Vorträge und Filme angeboten. Das Museum verfügt über eine Spezialbibliothek mit einem breiten Spektrum alpiner Literatur, in welche die Alparchiv-Bestände nun integriert werden. Die Bibliothek wird derzeit edv-erfasst und steht auf telefonische Voranmeldung (031 350 04 40) allen Interessierten zur Präsenznutzung offen. Im Alpinen Museum werden die ÜberbringerInnen freundlich empfangen, fürs Alparchiv ist ein Büchergestell geräumt worden. Die Bücher bleiben hier als alpwirtschaftliches Kabinett zusammen und sollen durch Neuzugänge (z.B Eure Geschenke?) weiterhin aufgestockt werden. Das Alparchiv lebt weiter, eingebettet in eine viel grössere Sammlung. Da die Museumsbibliothek bisher recht wenig alpwirtschaftliche Bücher besass, ist das Alparchiv hier eine ideale Ergänzung.
|
![]() |
|
|
|
Ab 1987 hocken sich einige Unterländer ÄlplerInnen regelmässig
zusammen, besprechen, was Ihnen im Sommer ausser Mist und Käs
so alles durch den Kopf gegangen. Armeegeballer, Transitverkehr, Pumpspeicherwerke,
Schneekanonen, serbelnde Wälder und ozongeschädigte Schleimhäute
interessieren sie ebenso wie die filzig-dschungelige Agrarpolitik,
das subventionierte Bauernsterben, Heilpflanzen, Genmanipulation und
Embryotransfer. Kontakte zu anderen Gruppen entstehen und Aktionen
werden geplant. Für den kommenden Sommer '88 wird ein Versand
vorab auf Bündner Alpen organisiert. Zwischen den Alpen und ÄlplerInnen
entsteht ein Netz, das im Aufflackern der Feuer in den Alpen seinen
Ausdruck findet.
|
|
Dem 89er Treffen folgen heisse Diskussionen um Richtlöhne fürs Alppersonal, ein Bauernfunktionär wird vor den Kopf gestossen und zwischen autochthonen und dahergelaufenen ÄlplerInnen entsteht ein gehässiger Briefwechsel, der mit der nahen Alpfahrt schon bald vergessen ist oder auch nicht. Wieder flattert ein Versand auf die Alpen, diesmal auch ins St. Gallerland, wieder flackern im August die Alpenfeuer und zwei Alparchiv-Sennen verpassen dem Bündner Alpkäse eine Plakette mit Harfe und Brecher. Der Sommer wird von jetzt an mit einem gemeinsamen Alpfest beschlossen und die postalpine Depression durch die anstehenden Archivarbeiten etwas abgefangen.
|
![]() |
|
|
|
|
1991 ist das Januartreffen zu Chur bereits Tradition, die Zalp erreicht nun Alpen in der ganzen Schweiz und die Warnfeuer brennen im ganzen Alpenbogen. Im August fahren im Val Curciusa Baumaschinen für Probebohrungen auf. Das Tal soll als Pumpspeicherbecken Atomstrom veredeln. Gegen 100 ÄlplerInnen protestieren mit einem Alpabzug durch Chur gegen das Projekt der Elektrolobby. Statt Kühen und Käsen werden Schädel, Skelette und leere Gebsen mitgeführt, statt Gejodel ertönt ein markiger Alpfluch. Ein steinernes Mahnmal bleibt im Herzen der Stadt zurück. Derweil wächst das Alparchiv, zählt bald über 120 Mitglieder, knüpft weitere Kontakte, trifft sich zu Jahresversammlungen, wie es sich gehört für einen Verein. Das Grippli geht in gegenseitigen Interviews den eigenen Biographien nach, hinterfragt Bilder, die wir uns vom Alpen, von den Alpen und dem ganzen drumrum machen. Kurz darauf löst sich das Grippli auf und neue ÄlplerInnen übernehmen das Archiv. Immer weniger AlparchivlerInnen gehen selber zalp, finden zu 42-Stundenwoche und 48-Wochenjahr, die Arbeiten im Archiv bleiben liegen, die Kontakte fliessen zäher. Den nun als Aussenstehende Teilnehmenden erscheinen die Januar-Treffen als öde Wiederholung, zum 7. Mal steht die Frage Gewerkschaft ja oder nein auf dem Programm, das Regenwetter und die Freakstimmung am Hebstfest ist sich auch nicht mehr JedeR StädterIN gewohnt. Aber die Sache läuft weiter, immer wieder finden sich Leute, welche die Anlässe organisieren, was will man mehr.
|
|
|
am 22. August 98, auf der Alp Falätscha im Safiental
|
| Home | mail@zalp.ch |