Am Abend waren die Panzer weg
     
 

Alpbesetzung verhindert Panzerschiessen in der Linthebene

von Toni Bernet
 

  Der Zerstörung ihrer Alpen am Speer  wollen die Bauern in der Linthebene nicht länger tatenlos zusehen. Der Sohn eines Alpbesitzers machte sich am 21. November zusammen mit drei Begleitern auf den Weg ins Zielgebiet um das Panzerschiessen zu stoppen. An diesem Tag wurde die Linthehene vom Kanonendonner verschont. Die "Arbeitsgemeinschaft Leben im Linthgebiet" LILA tritt weiterhin sehr aktiv für eine Reduktion des Panzerschiessens ein. Und auch von den Gemeinden klingt dem EMD ein immer unverhohleneres Nein entgegen.
Ein paar Dutzend der mehrere Tausend Franken teuren Panzergeschosse konnte das EMD am 19. November einsparen. Das Wetter sei schuld gewesen, an diesem Tag hätte gar nicht geschossen werden können, erklärte der zuständige Offizier gegenüber einem LILA-Mitglied. Und dass die Panzergeräte am Abend unverrichteter Dinge Richtung Sargans davonfuhren, sei eingeplant gewesen.
 
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Land und Lärm
Dabei hatte alles ganz anders begonnen: Am Morgen stapften vier Gegner des Panzerschiessens durch den schuhhohen Schnee der Rossalp entgegen, die im Zielgebiet der Panzerhaubitzen liegt. Ebenso wie das EMD diesen Schiesstag öffentlich angekündigt hatte, hatten die Lokalzungen einen Brief des Alpbesitzers abgedruckt, in dem es hiess: «Bis zur Vorlage eines beidseits verbindlichen Vertrags muss ich an meinem am 28. März 1999 ausgesprochenen Verbot der Artillerieschiessen festhalten. Es bleibt mir auch keine andere Wahl, als dieses Verbot durch eine Alpbesetzung zu untermauern.» Dies schrieb Emil Giger am 12. November 1990 an Theodor Riesen von der Gruppe Ausbildung des EMD. Er rügt darin die Hinhalte die darauf abzielten den verbleibenden Resten an Natur im Speergebiet erst einmal kaputtzuschiessen, um nachher auf einfache Weise zu geeignetem Zielgebiet zu kommen». Seinem Sohn Max gab Emil Giger eine Vollmacht zur Alpbesetzung mit auf den Weg. Bekannte aus der LILA begleiteten Max.
 
 
 

Jassrunde lässt Panzer verstummen

In der Vorderwängi, der Grenze des Zielgebiets, angekommen, versperrt eine an diesem Tag verstärke Schiesswache den Weg. Die vier erklären ihre Absicht, bewusst ins Zielgebiet einzudringen, sie suchten keine Konfrontation. Mit einiger Sympathie begegnen ihnen die Soldaten, die im Schnee herumstehen. Nach diversen Funksprüchen mit dem Schiesschef, der unter anderem mit der Polizei droht,wandern die Schiessgegner auf die Rossalp, wo sie es sich bis zum Abend gemütlich machen. Der Geschossdonner bleibt heute aus, keine neuen Einschusstrichter auf der Alpweide und keine zurückbleibenden Granatensplitter richten Verwüstungen an. Auf dem Rückweg bleiben die vier, Besatzer unbehelligt, die Schiesswachen sind abgezogen, niemand fragt sie mehr nach ihrem Tun. Zum ersten Mal ist in der Linthebene ein Panzerschiessen mit einer symbolischen Aktion bewusst verhindert worden.
 

 

wackere Mannen

LILA fährt weiter auf seinem Dialogkurs. Gespräche mit Gerneindebehörden. Nationalräten und Kantonsräten haben bisher viel gefruchtet. Besonders in den Linthgemeinden sind die Behörden hellhörig geworden. In Benken (SG) hat die Gemeindeversammlung schon im April einen Strassenbau für zwei Jahre zurückgestellt, an den das EMD eine Million Franken bezahlt hätte (siehe friedenszeitung 106/90). Nun hat kürzlich der Gemeinderat beschlossen, dass das gesamte Strassenprogramm, wo es dem EMD von Nutzen sein könnte, zurückgestellt wird.

 

   
In Tuggen (SZ), der Gemeinde, die mit der Forderung von höchstens sechs Schiesstagen pro Jahr am tiefsten liegt, überlegt sich der Gemeinderat, die Truppenunterkünfte für die Panzersoldaten zu sperren und sie 'anderweitig' zu belegen. Zudem hat die Genossame Tuggen, die vom EM.D orientiert wurde, dass auf ihrem Land übungshalber panzergängige Brücken über den Linthkanal gebaut werden sollen, knapp geantwortet «Kommt nicht in Frage.»
Auf den Alpen im Speergebiet sind die Einschussschäden immer unerwünschter. Und ein von Geschosseinschlägen mitverursachter Felssturz liess die Opposition bei den Bauern noch wachsen. So hat der Besitzer der Alp Bütz - die an die Rossalp stösst - Mitte November in einem Zeitungsinserat die Panzerschiessen heftig kritisiert: die Quellen auf Bütz seien völlig zerschossen worden. «Ich finde es unerhört, dass unser Militär diese wunderschöne Alpenwelt einfach zerstören darf, während die Regierung von Umweltschutz redet.»
 
 
 

Ist das EMD hörgeschädigt?

Stärker gefordert ist nun auch die St. Galler Kantonsregigrung. Der Richtplan, in dem der Kantonsrat anfangs 1989 höchstens 11 Schiesstage in der Lintliebene vorschrieb, ist Ende Oktober vom Bunderat ungültig erklärt worden. Das EMD hält immer noch stur an 20 Schiesstagen im Jahr fest, worüber bisher keinerlei Einigung mit den Gemeinden erzielt werden konnte. Das EMD ist auch die einzige Instanz, die der LILA bis jetzt eine Abfuhr auf ein Dialogangebot erteilt hat. Gespannt wartet LILA aber auf ein ökologisches Gutachten, welches das EMD bei der Elektrowatt in Auftrag gegeben hat und dessen Veröffentlichung immer wieder herausgeschoben wurde. Ob darin doch ein paar Sätze stehen, die den geplanten Ausbau zum Panzerschiessplatz in der Linthebene und die Beschiessung der Berglandschaften auf St. Galler Schwyzer und Glarner Gebiet gründlich in Frage stellen?
 

 

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