Weidesanierung auf der Alp Stierva
 

 

a ich gerne meine Fühler bis an die Grenzen strecke und das ganze Umfeld einbeziehen, ist mir bald aufgefallen, dass die Weiden nicht gesäubert und gepflegt werden, dass immer nur von ihnen genommen wird und nichts für sie getan wird. Die zum Teil unsachgemässen Kunstdünger- und Vertilgungsmitteleinsätze sind oft eher nur verzweifelte Resignationsaktionen und lassen vieles ausser Betracht. Ich konnte gut beobachten, wie immer weniger Weidefläche blieb für die gleiche Anzahl Kühe, die immer mehr Milch geben und geben sollten.

"Die Alpherden von heute benötigen mehr Futter als die Weiden von gestern erbringen", dieser Satz von Dr. W. Dietl hing an einer Stubenwand in der Alphütte.
 

 

 

ie Alp Nova von Stierva liegt mit den Gebäulichkeiten (1949 an neuem Standort erbaut) auf 2'150 M. ü. M. und zwischen 2'000 und 2'350 Metern. Die Weiden der Kuhalp schauen grösstenteils gegen Südosten. Ganz grob eingeteilt ist ein Drittel relativ gute Weide, ein Drittel schlechte, magere und ein Drittel unnutzbar. Die Hütte liegt etwa in der Mitte. Die Alp wird seit Jahren mit 53 Kühen bestossen und die Weidefläche ist ca. 180 ha. Die Wege zu den Weiden sind zum Teil weit und schwer begehbar. Vor allem unterhalb von Stall und Hütte sind die Weiden, also die ersten, frühen, stark zugewachsen mit Wacholder, Erika-, Heidelbeeren, Alpenrosen und Erlen Das ist teilweise klimatisch bedingt, doch grösstenteils auf die Bewirtschaftung zurückzuführen. Wie sah und sieht diese aus:
 

 
 

  • Die unteren Weiden wurden jahre-, jahrzehntelang unternutzt, das Vieh zu schnell hinaufgelassen oder es wurde gar nicht gehütet, sodass die Kühe sofort nach oben dem jungen Futter nachzogen.
  • Wir haben Gülle auf dieser Alp in einem zu kleinen Güllekasten und es fliesst das Abwasser von der Sennerei dazu (was nach Dr. Dietl für die Verdünnung optimal ist). Das heisst, dass alle zwei bis drei Wochen die Gülle ausgetan werden muss und das geschieht durch die Bauern. Unterdessen gibt es ein Rührwerk und 10 x 50 Meter Gummiverschlauchung, jedoch keine Pumpe für aufwärts oder seitwärts. So wird die Gülle bei schlechtem Wetter während dem Heuet ausgetan und das meist einfachheitshalber abwärts an die gleichen nahen Orte und bevorzugt, da am nächsten, in die Wacholderhänge (Aberglaube: Gülle tötet Wacholder!) Zeit, Leute, Interesse und zweckmässige Einrichtungen fehlen.
  • Die Lägerplätze sind von Kuhfladen überdüngt. Die Idee, diese im Herbst zu zerschlagen, hat sich verflüchtigt, mangels Einsatzbereitschaft der Bauern.
  • Gemeinwerk gibt es pro GVE, doch das wird meist mit zäunen im Frühling schon auf den Vorweiden für das Jungvieh abverdient.
  • Einen Plan zur Weidepflege gibt es nicht.
     
 
 

as wir ÄlplerInnen zur besseren Nutzung und Verbesserung in diesen Jahren beigetragen haben
Hüten der Kühe am Tag über den ganzen Sommer und somit gezieltes Abweiden (bedingt genügend Personal und entsprechenden Lohn).
Parzellierung der Nachtweiden, in acht Koppeln. Diese sind unterschiedlich gross und grösstenteils in einem Gebiet mit schlechtem Futterwert (ist bedingt durch die Gegebenheiten hier). Diese Weiden wurden ungezäunt schlecht beweidet. Durch die Einzäunung konnten diese Weiden nur schon in zwei bis drei Jahren wesentlich verbessert werden. Das Futter wurde gefressen, auch überständiges, altes und das Gras wächst gleichmässiger und dichter und vorallem es wächst wieder. Zudem wird so Futter während des ganzen Sommers auch nachts garantiert.

  • Wir haben Gülleausbringvorschläge gebracht, doch meist erfolglos.
  • Wir haben teilweise freiwillig Kuhfladen verschlagen.
  • Wir hatten angefangen Wacholder auf guten Weiden zu räumen neben der Alparbeit. Jedoch bleibt neben der auf der Kuhalp anfallenden Arbeit nicht mehr viel Zeit und Energie, auf jeden Fall sicher zuwenig um die riesige Räumungsaufgabe lösen zu können.

it der Mithilfe der Bauern konnte nicht mehr gerechnet werden. So ist bei uns die Idee und der Wunsch entstanden im Sommer 1990 ein konkretes Räumungsprojekt laufen zu lassen. Viele Ideen, Anregungen, Überlegungen, Besprechungen folgten im Winter 90, stunden- und tagelang.
 

 
 

 

 
  s wurde ein Weidestück, ca. 1 ha, auf dem Bot Schischlet vollständig geräumt von vor allem Erlen (zum Teil 40 – 60 Jahre alt) Wacholder, Heidelbeeren, Alpenrosen.
Die Erlen wurden bodeneben oder tiefer abgekluppt. Die andern Sträucher ausgerissen und ausgehackt.
Gearbeitet wurde mit Handwerkzeugen, also keiner Motorsäge), und mit grosser Sorgfalt.
Es gab Erlenbüsche, die 10 – 12 m2 Wiese bedeckten:
Die Erlen wurden zum Teil an den Weiderand geschleppt und zum Teil auf Haufen gelegt und nach 2 – 3 Wochen verbrannt.
Es entstanden relativ viele grossflächige Kahlstellen durch die Räumung wo kein Gras mehr gewachsen war unter den Büschen. Die Feuerstellen wurden geputzt. Diese und die Kahlstellen wollten wir einsäen. Zuvor haben wir wenig gedüngt. Wir brauchten für diesen Boden Kalk (davon werden recht grosse Menqen benötigt) oder Hyperphosphorkali (Menge je nach Konzentration). Gesät wurde die Mischung 460 UFA Standard.
Vorschlag von Dr. W. Dietl: Hier eine Gabe gelagerten Mist einmalig austun und dann vielleicht in 6 - 10 Jahren wiederholen. Für den Hintransport und die Verteilung haben wir das Militär und den Train mit den Pferden angefragt, da keine Zufahrtsmöglichkeit besteht.
Ein zweites grosses Stück wurde geräumt von vor allem Wacholder, dann Heidelbeergestrüpp und Alpenrosen. Diese Weide liegt in Gebäudenähe, grad unterhalb und entlang der Zufahrtsstrasse und war eine unserer Nachtweiden. Da die Kahlstellen hier nicht so gross waren, haben wir weder gedüngt noch gesät.
 
 
 

 

 
  ie Bauern, Alpgenossenschaften und Gemeinde müssen die Stütze für ein solches Projekt sein, mindestens ideell. Es muss dort verankert sein, wenn es über lange Zeit wirken und weitergetragen werden soll und das ist eine Grundvoraussetzung. Denn einmal gesäuberte Weiden und Wege müssen regelmässig gepflegt und nachgesäubert werden und dafür sollte Initiative und Interesse bei den Bauern sein.
Und es ist wichtig, dass Anstösse von Seiten der Älplerlnnen, vor allem von mehrjährigen, von den Bewirtschaftern auf- und ernstgenommen werden. Sie können eine wertvolle Bereicherung sein.
WO Diese Frage muss sorgfältig geklärt werden, eventuell zusammen mit Fachleuten. Es gibt Weiden und Wiesen, die lassen sich nicht verbessern oder nutzbar machen, aus geologischen oder klimatischen Gründen, und werden deshalb besser sein gelassen. Sie dienen innerhalb der Natur Anderem. Auch Sümpfe sind wichtige Naturträger und oft, wenn sie entwässert werden, entstehen an ihrer Stelle schlechtere.
 
 
 

WAS   soll verbessert oder geräumt werden. Prioritäten setzen.
Sind es Treibwege, die errichtet, ausgebaut oder entsteint werden sollen? Sind es zuwachsende Weidestücke. Sollen Tränkestellen geschaffen werden? etc.

WIE    Zum Beispiel von Hand oder mit Maschinen. Je nachdem muss diese Frage auch mit kompetenten Menschen besprochen werden. Der gesunde Menschenverstand und Naturverständnis sollen in solchen Fragen einbezogen werden und die Sichtweise einer sanften Sanierung.

WER     wird diese Arbeiten ausführen. Möglichkeiten für therapeutische Grupoen scheinen mir sinnvoll und wichtig. Bedingt eine sorgfältige Planung von Unterkunft, Verpflegung, zeitlichem Arbeitsaufwand, übrige Zeit und Freizeit. Motivierte, kundige Begleitung, der eventuell die Aufgabe übergeben werden kann.
Einsatz von Lagern und Gruppen, zeitlich begrenzt. Ähnlich wie oben. Und wer ist von Gemeinde, Alpgenossenschaft, ÄlplerInnen zuständig und kompetent und gibt Anleitungen. Menschen, die den ganzen Sommer oder teilweise nur darin arbeiten. Das sollten mindestens zwei. bis drei sein.
Mithilfe der Bauern oder sie führen die Arbeiten überhaupt selber aus. Ist auch förderlich für die Gemeinschaft und das Zwischenmenschliche. Der Alpbetrieb sollte nicht oder wenig belastet und einbezogen: werden.

FINANZEN   Wenn ein Nutzungsplan besteht, gibt es Subventionen von Kanton und Bund. Da müssten jeweils die nötigen Unterlagen angefordert werden, wie und was subventioniert wird. Zum Beispiel wäre, eine Finanzierungsmöglichkeit oder mindestens teilweise, ein Fest zu machen im Winter im Dorf oder im Sommer auf der Alp.

Ich wünsche denen, die sich da hinbewegen Sorgfalt, Mut und Kraft

Susan Bachmann
 

 

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