|
|
a
ja, ehrlich gesagt ist es auch nicht gerade das wichtigste im Leben
dieser hochalpinen Flugakrobaten. Denn die meisten verbringen ihre
Zeit fernab unserer Zivilistionsprodukte an steilen Felsen, wo sie
meist in lockeren Kolonien in Löchern und Spalten nisten. Da
werden die durchschnittlich 4 5 Jungen mit Schnecken, Würmern
und Insekten aufgezogen. Nur grosse Schlechtwettereinbrüche treiben
sie in die Tiefe, wobei sie regelmässig auch auf den Alpweiden
zu beobachten sind.
Viele von ihnen haben dem harten
Alltag aber bereits abgeschworen und geniessen das Schlaraffenland
der Bergrestaurants und Skistationen. Als Entschädigung unterhalten
sie die Horden der Bergtouristen mit ihren Flugkünsten und fressen
den Geduldigsten gar willig aus der Hand.
Solche Anpassungen sind den wärmeliebenden
Verwandten der Alpendohlen nicht gelungen. Die durch einen roten anstatt
gelben Schnabel gekennzeichneten Alpenkrähen sind aus den weitesten
Teilen unseres Landes verschwunden. Bereits um die Jahrhundertwende
zogen sie sich aus den Nordalpen zurück und kommen heute nur
noch an wenigen Stellen im Wallis vor. Niemand kennt die genauen Ursachen
dieses Rückganges.
Mit dem Hereinbrechen des Winters
geht aber auch die paradiesische Zeit der Alpendohlen vorüber,
denn von Schnee und Eis haben sie nicht gelebt. Da bleibt ihnen nichts
anderes übrig, als in die Siedlungen am Fusse der Berge auszuweichen.
Und hier kommt nun für die anpassungsfähigen Vögel
der Käse ins Spiel. Wenigstens war dies der Fall bei denen, die
jeweils frühmorgens vor dem zur Schule gehen in unser Dorf einflogen;
sie zogen auf Betteltour durch die Dörfer des Heinzenbergs. Und
da dauerte es nie lange, bis sie in rasantem Tempo sämtliche
Käserinden, die wir feinsäuberlich auf dem Fenstersims ausgestreut
haben, verschlungen hatten. Gespannt schaute ich zu und stellte mir
vor, wie sie darin die würzige Alpenluft wieder erahnten. Ob
sie allerdings den Bündner Alp- und Bergkäse dem faden Import
wirklich vorzogen, bleibe dahingestellt... Gewiss aber ziehen sie
unsere Alpen den monotonen Mittellandwiesen vor, sobald der Schnee
wieder verschwindet!
|
|