Kaum jemand, der angesichts der eleganten Flugmanöver der Alpendohle nicht ins Staunen geriete. Doch wer wusste, dass es den Alpendohlen gar nicht egal ist, was für ein Käse auf unseren Alpen produziert wird?

von Walter Wettstein

 
 
 

a ja, ehrlich gesagt ist es auch nicht gerade das wichtigste im Leben dieser hochalpinen Flugakrobaten. Denn die meisten verbringen ihre Zeit fernab unserer Zivilistionsprodukte an steilen Felsen, wo sie meist in lockeren Kolonien in Löchern und Spalten nisten. Da werden die durchschnittlich 4 – 5 Jungen mit Schnecken, Würmern und Insekten aufgezogen. Nur grosse Schlechtwettereinbrüche treiben sie in die Tiefe, wobei sie regelmässig auch auf den Alpweiden zu beobachten sind.
       Viele von ihnen haben dem harten Alltag aber bereits abgeschworen und geniessen das Schlaraffenland der Bergrestaurants und Skistationen. Als Entschädigung unterhalten sie die Horden der Bergtouristen mit ihren Flugkünsten und fressen den Geduldigsten gar willig aus der Hand.
       Solche Anpassungen sind den wärmeliebenden Verwandten der Alpendohlen nicht gelungen. Die durch einen roten anstatt gelben Schnabel gekennzeichneten Alpenkrähen sind aus den weitesten Teilen unseres Landes verschwunden. Bereits um die Jahrhundertwende zogen sie sich aus den Nordalpen zurück und kommen heute nur noch an wenigen Stellen im Wallis vor. Niemand kennt die genauen Ursachen dieses Rückganges.
       Mit dem Hereinbrechen des Winters geht aber auch die paradiesische Zeit der Alpendohlen vorüber, denn von Schnee und Eis haben sie nicht gelebt. Da bleibt ihnen nichts anderes übrig, als in die Siedlungen am Fusse der Berge auszuweichen. Und hier kommt nun für die anpassungsfähigen Vögel der Käse ins Spiel. Wenigstens war dies der Fall bei denen, die jeweils frühmorgens vor dem zur Schule gehen in unser Dorf einflogen; sie zogen auf Betteltour durch die Dörfer des Heinzenbergs. Und da dauerte es nie lange, bis sie in rasantem Tempo sämtliche Käserinden, die wir feinsäuberlich auf dem Fenstersims ausgestreut haben, verschlungen hatten. Gespannt schaute ich zu und stellte mir vor, wie sie darin die würzige Alpenluft wieder erahnten. Ob sie allerdings den Bündner Alp- und Bergkäse dem faden Import wirklich vorzogen, bleibe dahingestellt... Gewiss aber ziehen sie unsere Alpen den monotonen Mittellandwiesen vor, sobald der Schnee wieder verschwindet!

 


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