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Die
Landwirtschaft ist im Wandel. Was bedeutet das für die Zukunft
der Alpen? Diese Frage stellten wir Peter Rieder, Professor der Agrarökonomie
an der ETH. Er beschäftigt sich schon lange intensiv mit der Berglandwirtschaft,
deren Entwicklung und Problemen.
Peter Rieder |
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Als ich als Zehnjähriger das erste Mal die langen Schulferien als Hirte auf einer Alp in einem der 150 Bündnertäler verbrachte, hatte der Nachkriegswandel noch nicht eingesetzt. Ich war nämlich vom Alpvogt angestellt worden, um rund dreissig Kalberstiere zu hüten. Ich er-wähne dies, weil es wie alle Älpler wissen heute diese Älplerkategorie und auch diese Tierkategorie nicht mehr gibt. Diese Kalberstiere wurden damals von Bergbauern als Zuchtstiere aufgezogen, bis sie etwa zehn Monate alt waren. Davon waren sie die letzten drei Monate auf Alpen in speziellen kleinen Herden gehalten. Nach der Alpung wurden sie durch Viehhändler den Milch-bauern ins Talgebiet verkauft, denn damals hatten fast alle Milchbauern im Talgebiet
noch ihren eigenen Stier im Stall. Dies war eben noch vor der Einführung
der künstlichen Besamung. Und so ist denn mit der Einführung
der KB eine Älpler- und eine Alptier-Kategorie und auch eine
Einkommensquelle für die Bergbauern verschwunden. Soweit mein
persönlicher Einstieg in diesen Beitrag. |
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Wie einleitend erwähnt, geht es mir heute darum, für die Bergbauernbetriebe und ihre Alpen die Auswirkungen der neuen Agrarpolitik zu untersuchen. Die neue Agrarpolitik, die zur Zeit in den Eidgenössischen Räten behandelt wird, hat vor allem eine wesentliche Erneuerung, nämlich die Trennung der Preis- von der Einkommenspolitik. Der Bundesrat legt nicht mehr die Milch-, Fleisch- und Getreidepreise fest, sondern sein direkter Einfluss beschränkt sich in Zukunft auf die Ausrichtung von Direktzahlungen und von Strukturverbesserungsbeiträgen. Weil dadurch trotz unverändertem Auussenhandelsschutz die Preise eher sinken werden, wird man aus politischen Gründen die Direktzahlungen zur Einkommenssicherung eher ausdehnen. Natürlich werden diese Zahlungen an ökologische Auflagen gebunden sein. Somit können wir weiter fragen, was das für die Bergbauern und ihre Alpen bedeutet.
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Man mag jetzt einwenden, dass es eines Tages, etwa bei einem EU-Beitritt oder bei anhaltend schlechten wirtschaftlichen Situationen und leeren Bundeskassen eben kein Vieh mehr im Berggebiet gäbe und dass dann eben alles zusammenbreche. Solche Entwicklungen widersprechen allen rationalen Überlegungen. Erstens hat das Volk der Schweiz stets gezeigt, dass seine Zahlungsbereitschaft für eine lebensfähige Berglandwirtschaft sehr gross ist. Also würde man auch bei einem EU-Beitritt die Zahlungsberechtigung für die Berglandwirtschaft in nationaler Kompetenz behalten. Zweitens wird die Schweiz zu allen Zeiten eine schweizerische Tierhaltung aufweisen, so dass auch dazu wie bisher die Nutzung der Naturwiesen und Alpen ihren Beitrag liefern wird. Im Gegenteil, je weniger Bauern es geben wird, um so extensiver wird die landwirtschaftliche Fläche genutzt und um so mehr wird auch die Öffentlichkeit um diese Art der Nutzung besorgt sein. Es gibt also auch noch aus anderen hier nicht erwähnten Gründen überhaupt keinen Anlass für Untergangsstimmungen. Und schliesslich zur leeren Bundeskasse: Die Bundeskasse ist nicht ganz leer; es kam in den letzten Jahren allerdings weniger hinein, als das Parlament ausgegeben hat. Wenn man nun sparen will, so wird man ziemlich sicher, wie schon früher in solchen Situationen, überall etwas kürzen. Somit gibt es auch hier überhaupt keinen Anlass, davon auszugehen, dass gerade die Unterstützung der Berglandwirtschaft wegfallen sollte. In der Vergangenheit hat das Parlament in solchen Situationen die Berglandwirtschaft als schwächsten Wirtschaftszweig sogar immer von Kürzungen ausgenommen.
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