Lettre du Jura
       

von Gemma Boschetti

ier ist Alpanfang, überall ziehen die Herden und Hirten bergwärts. Wir, einige HirtInnen in der Vallée de Joux (CH) und vom Mont d'Or (F), treffen uns Sommer und Winter, um etwas in Bewegung zu bringen, das uns ermöglichen soll, weiterhin unserer Lieblingsarbeit nachzugehen. Hier in Jura werden in den letzten Jahren Hirtenstellen abgeschafft oder Arbeit und Lohn auf ein Minimum reduziert. Wir meinen, dass unsere Arbeit nicht nur für den Bauernstand von Nutzen ist, sondern auch für Landschaft, Natur und Tourismus. Wenn die Bauern nicht mehr genug zahlen können, woher könnte unser Lohn noch ergänzt werden?

       Da wir Verbündete suchen, haben wir letztes Jahr einen "Tag der offenen Tür" auf einer Alp organisiert. Es war ein grosser Erfolg. Trotz Gewitter kamen den Tag über mehr als 800 Menschen. Gross und Klein, Bauern, Einheimische und Touristen. Wir führten sie in kleinen Gruppen über die Weide und erzählten ihnen von unserer Arbeit und deren Sinn und Zweck.

       Dieses Jahr werden wir am 4.August so einen Tag wiederholen, doch jetzt machen Bauern, ein Naturschutzzentrum, Leute vom Tourismus und andere Einheimische mit, sodass wir mit noch mehr Interessierten und Betroffenen ins Gespräch kommen können. Als Grundlage dazu dient die "Hirten-Charta", die wir an einem regenerischen Dezemberwochenende erarbeitet haben. Wir zeigen in 11 Punkten auf, für was ein Hirte da ist und was seine Arbeit ist.

Hier noch zwei Themen, die uns im Augenblick am Herzen liegen:

Fonds Landschaft Schweiz: Hirten könnten Projekte entwickeln, die mit ihrer Arbeit und ihrem Arbeitsplatz etwas zu tun haben. Dabei könnten wir bezahlt werden, um im Winter an diesen Projekten zu arbeiten. Hier in der "association des bergers" fehlt es oft nicht an Projekten, doch da wir im Winter anderswo arbeiten müssen, bleibt uns zu wenig Zeit, um dranzubleiben. Dies auch weil wir nicht so zahlreich sind.

Hygiene-Normen für Alp- und Frischkäse: Im Welschland (Gruyère und Jura) werden immer wieder Älpler, die Käse verkaufen wegen Nichteinhalten der Normen eingeklagt und bestraft. Mit der jetzigen Norm für Kolibakterien etc. ist es fast nicht mehr möglich, Frischkäse auf der Alp zu fabrizieren. An einem Käsekurs in der Landwirtschaftlichen Schule Grangeneuve (FR) wurde uns fünfunvierzig anwesenden Älplern nur Käsen mit thermisierter Milch (68 ° C) erklärt. Kein Wort darüber, dass diese Produktionsart auf der Alp praktisch unmöglich ist, da es im Jura nur Zisternenwasser gibt . Wie soll da schnell abgekühlt werden? (Auf eine entsprechende Frage wurde auf unser Ideenreichtum verwiesen.) Wir finden es lächerlich, dass so kleine Alp-Produktionen den EU-Normen genügen sollen. Unserer Meinung nach müsste durchgesetzt werden, dass der Käse als Rohmilch-Produkt deklariert wird, und der Käufer entscheidet. Wenn nicht etwas passiert, essen wir in zehn Jahren "Gerber-Käse" überall: HILFE, wer hat Lust und Ideen zu handeln? Was meint Ihr dazu? Wir freuen uns auf Eure Ideen und Reaktionen.

Einen schönen Alpsommer und Glück in Stall, Keller und auf der Weide.

Salutations!

Association des bergers et bergères franco-suisse:
Babette Roy, la Caille Basset, F-25240 Mouthe oder
Gemma Boschetti, CP, CH-1343 Les Charbonières

 

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