Vom schnellen Wandel
     



Politik wird von Politikern gemacht. Auslöffeln müssen die Suppe dann die Betroffenen. Wie den Bergbauern das agrarpolitische Menu schmeckt, das ihnen aufgetischt wird, steht im folgenden Artikel. Andi Schären hat im Rahmen seiner Lizarbeit (Geographie) Interviews mit Bauern und Bäuerinnen eines Bergtales gemacht. Unter anderem hat er sie auch um ihre Meinung zur Landwirtschaftspolitik gebeten. Hier Auszüge und Zitate (kursiv) aus seiner Abschlussarbeit.

von Andi Schären, zusammengestellt von Salome Roesch

 

 

m das Thema Agrarpolitik wurde sehr emotionsgeladen argumentiert. Eine grosse Verunsicherung, ja zum Teil eine regelrechte Existenzangst ist spürbar. Der Wandel, den die Agrarpolitik in letzter Zeit durchmacht, wird von vielen Bauern als zu schnell empfunden. Wichtig wären längerfristige Vorgaben – der häufige Wechsel der Bestimmungen und Auflagen verunsichert mich – ich weiss nicht, ob ich investieren soll oder nicht. Etwas weniger verunsichern lassen sich jüngere Bauern, welche vor kurzem den Hof übernommen haben.

       Die staatlichen Unterstützungszahlungen sind für das Berggebiet (über)lebenswichtig. Die Zahlungen sind die Abgeltung für gemeinwirtschaftliche Leistungen und machen bei der Berglandwirtschaft bis 50% und mehr des Einkommens aus. Obwohl kein Betrieb auf sie verzichten kann, sind viele nicht so recht glücklich damit. So wie jetzt der Trend läuft, sind es nicht mehr Ausgleichszahlungen, sondern die tragende Säule! Und das befriedigt nicht. Wenn es eine Ergänzung zum selbst erwirtschafteten Einkommen wäre, dann ja. Aber wenn das, was du produzierst, wertlos ist, dann komm ich mir überflüssig vor! Ich denke auch, dass dann viele aus der nächsten Generation aufhören werden. Der Wert der eigenen Arbeit wird demnach hauptsächlich über die produzierten Güter definiert. Die gemeinwirtschaftlichen Leistungen sind zwar erkannt, aber in der Werteskala untergeordnet. So haben einige auch Mühe mit dem Begriff Landschaftspflege: ...das ist auch so ein gesuchtes Wort! Landschaftspflege macht man, wenn man ganz normal bauert. Da braucht man gar nichts Besonderes daraus zu machen. Ein jüngerer Bauer antwortet auf die Frage, ob er Landschaftpfleger sei: Bin keiner! Landschaftspfleger sind die beim Kanton – die mähen die Strassenborte und so! Das Heu wird dann in den Wald geworfen. Ich pflege indirekt die Landschaft, indem ich meine Wiesen nutze. Das Wort wird heute ausgenützt, weil´s bei der Bevölkerung gut ankommt. Viele wollen eine schöne Landschaft zur Erholung und damit sie Ferien machen können.

 

 

 

 

n Bezug auf die zukünftige Bereitstellung genügender finanzieller Mittel ist eine gewisse Skepsis vorhanden. Ich glaube nicht, dass, wenn überall gespart wird, ausgerechnet bei den Bauern mehr ausgegeben werden sollte.

        Von Seiten der kleineren und mittleren, aber auch grössen Betriebe wurde die Flächenabhängigkeit der Direktzahlungen kritisiert. So wie das System der Direktzahlungen funktionniert, verdienen die Betriebe mit grösseren Flächen mehr - das führt zu einem grossen Bauernsterben. Die Bevölkerung der abgelegenen Täler wandert ab. Vorteil der grösseren Betriebe ist sicher eine bessere ökonomische Grundlage. Die Mechanisierung ist massiv höher. Man könnte nun meinen, die Maschinen würden die Bauern entlasten. Dem ist nicht unbedingt so, wie eine Bäuerin schildert: Früher nahm man sich Zeit, man ass das Znüni und den Zmittag zusammen auf dem Feld. Heute hat man keine Zeit mehr, jeder fährt mit den Maschinen rum. Da geht viel Menschliches verloren. Eine weitere Folge des anscheinend chronischen Zeitmangels: Niemand mehr hat Zeit, etwas für die Allgemeinheit zu tun. Die Leute fürs Gmeinwärch (für die Alp) aufzubieten, wird ebenfalls immer schwieriger.

        Vorschläge für Verbesserungen hatten die Bauern angesichts der komplexen Zusammenhänge nicht grad so parat. Einer bemerkte philosophisch: Alles ist verknüpft miteinander – alles muss wachsen und florieren. Das Geld, das ist das Übel der Zeit.

 

 


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