Interview 2
         
 


Aufgewachsen bin ich in Flawil und das Lehrerseminar habe ich in Rorschach besucht. Meinen ersten Mann habe ich beim Autostoppen kennengelernt (Zug verpasst) und bald darauf geheiratet. Wir hatten drei Kinder und alle anderthalb Jahre haben wir gezügelt. Zuletzt sind wir in diesem Tal gelandet. Wir trennten uns, weil er lieber ganz Künstler sein und ich hier bleiben wollte. Jetzt bin ich hier verheiratet und wohne in einem Holzhaus am Ende des Dorfes. Ich bin viel allein, aber gerade das gefällt mir. Ich kann allein sein, gehöre aber auch zum Dorf. Zwei Tage pro Woche arbeite ich als Legasthenietherapeutin in einem anderen Dorf. Die andere Zeit bin ich zu Hause, im Garten und am Haushalten (aber ja nicht zu viel!). Früher habe ich Wolle gefärbt, fast 200kg pro Jahr. Dann habe ich Ostereier gekratzt, das ist ein alter Brauch hier im Tal. Jetzt aber ist es mir verleidet, jedes Jahr dasselbe zu machen, jetzt kratze ich nur noch für unsere Familie.
 

 
Schattenkühe
 

 
Meine Hobbys? Eigentlich alle meine Arbeit (ausser dem Haushalt) und Lesen. Es fliesst so ineinander. Ich löse auch gerne schwierige Kreuzworträtsel, z.B. das vom Tagi Magi und schneugge in Psychologie, Astrologie und diversen anderen "Disziplinen" herum.

Meine "Träume"? Sind eigentlich alle erfüllt. Ich wohne im Gebirge in einem Holzhaus, habe einen Garten und eine "Bibliothek", eine Arbeit, die herausfordert und befriedigt und: Zeit zum Lesen! Ein grosser Wunsch bleibt; es liegt aber nicht in meinen Möglichkeiten, das zu ändern, also lassen wir das.

Was ich der "Menschheit" wünschen würde? Ein wenig mehr Bewusstheit! Bewusster wahrnehmen, handeln, denken. Emanzipation? Dasselbe. Wenn JedeR eine Portion mehr Bewusstheit hätte, wäre weder die Emanzipation der Frau noch die des Mannes nötig, dann könnten wir einander so schätzen, wie wir sind.
 

 
 

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