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Aufgewachsen bin ich
in Flawil und das Lehrerseminar habe ich in Rorschach
besucht. Meinen ersten Mann habe ich beim Autostoppen kennengelernt
(Zug verpasst) und bald darauf geheiratet. Wir hatten drei Kinder
und alle anderthalb Jahre haben wir gezügelt. Zuletzt sind
wir in diesem Tal gelandet. Wir trennten uns, weil er lieber ganz
Künstler sein und ich hier bleiben wollte. Jetzt bin ich hier
verheiratet und wohne in einem Holzhaus am Ende des Dorfes. Ich
bin viel allein, aber gerade das gefällt mir. Ich kann allein
sein, gehöre aber auch zum Dorf. Zwei Tage pro Woche arbeite
ich als Legasthenietherapeutin in einem anderen Dorf. Die andere
Zeit bin ich zu Hause, im Garten und am Haushalten (aber ja nicht
zu viel!). Früher habe ich Wolle gefärbt, fast 200kg pro
Jahr. Dann habe ich Ostereier gekratzt, das ist ein alter Brauch
hier im Tal. Jetzt aber ist es mir verleidet, jedes Jahr dasselbe
zu machen, jetzt kratze ich nur noch für unsere Familie. |
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Meine "Träume"? Sind eigentlich alle erfüllt. Ich wohne im Gebirge in einem Holzhaus, habe einen Garten und eine "Bibliothek", eine Arbeit, die herausfordert und befriedigt und: Zeit zum Lesen! Ein grosser Wunsch bleibt; es liegt aber nicht in meinen Möglichkeiten, das zu ändern, also lassen wir das. Was ich der "Menschheit"
wünschen würde? Ein wenig mehr Bewusstheit!
Bewusster wahrnehmen, handeln, denken. Emanzipation? Dasselbe. Wenn
JedeR eine Portion mehr Bewusstheit hätte, wäre weder
die Emanzipation der Frau noch die des Mannes nötig, dann könnten
wir einander so schätzen, wie wir sind. |