Das weibliche Alppersonal
     
 

Ausschnitte aus "Das Alpwesen Graubündens." von dem Volkskundler Richard Weiss. Die Grundlagenforschung für dieses Buch betrieb er zwischen 1934 und 1937. Die Zeiten ändern sich.
 

 
 
wer diese hübsche Älplerin  wohl ist?

 
bgesehen von gebrechlichen Männern, wird die Sennereiarbeit im Einzelbetrieb sehr häufig Frauen anvertraut. Oft ist es die Hausfrau selber, welche die Alparbeit besorgt. Sonst schickt man ein anderes Frauenzimmer in die Alp, lieber eine alte Jungfer, der man auf diese Weise einen selbständigen Tätigkeitsbereich zuweist, als ein junges Mädchen, dem die Einsamkeit auf der Alp allenfalls nicht gut täte.

ach dem Melken und Käsen am Morgen mussten die Frauen den ein- bis zweistündigen Weg ins Heimgut hinunter antreten; dort hatten sie für die Männer zu kochen und dann beim Heuen zu helfen, um am Abend, wenn die Kühe in die Alp zurückkamen, den steilen, steinigen Weg wieder emporzusteigen, aber nicht etwa unbeschäftigt, sondern mit einer Strickarbeit auch diese Zeit nützend.

s darf ja wohl angenommen werden, dass die Sennereiarbeit in ihren Ursprüngen der Frau zukam, welche mit der Zubereitung der anderen Nahrung auch die Milch zu verarbeiten begann. Noch bis in die Gegenwart ist das Sennen im Winter in den Talgütern - soweit man nicht genossenschaftliche Dorfsennereien eingerichtet hat - eine dem Kochen zugeordnete Frauenarbeit; bis in die letzten Jahrzehnte sah man über der gleichen Herdplatte, auf der gekocht wurde, das Käsekessi hängen. Natürlicherweise blieb diese Arbeit den Frauen auch auf der Alp überlassen, wo in der Einzelalpungshütten die gleiche primitive Sennereieinrichtung vorhanden ist wie in den Küchen im Tal. Erst mit der genossenschaftlichen Zusammenfassung der Alpsennereien zu einem spezialisierten Grossbetrieb, wie er nun an den meisten Orten auch im Tal eingeführt worden ist, wurde die Frau aus diesem ihr ursprünglich zukommenden Arbeitsbereich verdrängt, und das Sennen wurde eine Männerarbeit. In schweizerischen Alpengegenden mit genossenschaftlich betriebenen grossen Alpen würde man es heute für unmöglich halten, dass eine Frau einem solchen Betrieb genügen könnte. Demgegenüber findet man allerdings in den Ostalpen, dass sich Frauen auch in Grossbetrieben bewähren und dass sie sauberer und billiger arbeiten als Männer.
 

 


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