Fondei skiliftfrei
     



Pro Natura Graubünden, der WWF Graubünden und die "Gruppe für ds Fondei" sind optimistisch, dass die intakte Kultur- und Naturlandschaft im Hochtal Fondei längerfristig vom Massentourismus verschont bleibt. Gemäss den Umweltorganisationen können die heftig umstrittenen Sesselbahnen im Fondei nicht gebaut werden, weil sie dem Rothenthurmartikel in der Bundesverfassung widersprechen und tragende Grundsätze des Raumplanungsrechts sowie der Natur- und Heimatschutzgesetzgebung verletzen.

Text und Bild: Peter Lüthi

 

as Fondei, ein Seitental des Schanfigg in Graubünden ist ein grosses Hochtal mit hohem landschaftlichem, naturkundlichem und kulturhistorischem Wert. Die Kulturlandschaft wurde von den Walsern geschaffen und gepflegt und von den Langwieserbauern bis heute erhalten. Alte Siedlungen und Bargen, Heuwiesen, Alpen und Viehweiden sind Teil dieser Landschaft und lebendige Zeugen für die Wirtschaftsweise der Walser. Im sanften Hochtal liegen zahlreiche inventarisierte Naturbiotope (Moorlandschaft und Flachmoorbiotope von nationaler Bedeutung).

 

  Fondei
 

eucht- und Trockenstandorte wechseln sich auf engem Raum ab und bilden einen enormen Reichtum an Lebensräumen für eine Vielzahl von Pflanzen- und Tierarten.

Neues Gross-Skigebiet im Fondei?

Anfangs 1996 wurde bekannt, dass die Davos Parsenn Bergbahnen AG von Parsenn über das Hochtal Fondei bis nach Fideris Station im Prättigau ein neues, gigantisches Skigebiet planen. Das intakte Hochtal sollte mit neuen Sesselbahnen, Bergrestaurant und Maschinenhalle verschandelt und vom Massenrummel überschwemmt werden. Von Fideris Station sollte eine neue, acht Kilometer lange Luftseilbahn hinauf in die Heuberge und weiter aufs Strassberger Fürggli ins Fondei gebaut werden. Damit wäre das bestehende Skigebiet der Davos-Parsenn-Bahnen von heute 284 Hektaren auf 615 Hektaren vergrössert worden. Die Promotoren aus Davos erhielten aktive Unterstützung von einem Bündner Regierungsrat, von Gemeindevorständen und Beamten, die versuchten, die geplanten Anlagen im regionalen Richtplan vorzuspuren.

Gemeinsam für Alpen und Natur

Kurz nach bekannt werden der Pläne, schlossen sich betroffene Bäuerinnen und Bauern aus Langwies und ein Teil der betroffenen Alpgenossenschafter mit den Bündner Sektionen von WWF und Pro Natura zusammen und nahmen den erbitterten Kampf für die Erhaltung des Fondeis ohne Skigebiet auf, unter dem Motto "Fondei skilift- und rummelfrei!" Sie führten Abstimmungskämpfe, schrieben Stellungnahmen und Leserbriefe, traten im Fernsehen und Radio auf, führten juristische Verfahren und gingen mit Kühen für das Fondei auf die Strassen von Chur. Der mutige Kampf der vier "Fondeier Frauen", Exponentinnen der lokalen regionalen Gruppe "Für ds Fondei", und der Umweltorganisationen rückten das bedrohte Tal ins nationale Rampenlicht.

 

 
 

Geplante Sesselbahnen im inneren Fondei sind verfassungswidrig

Der Widerstand für das Tal gipfelte anfangs Septermber 1998 in einer Beschwerde der Umweltorganisationen und des SAC gegen den Gemeindebeschluss von Langwies. Diese hatte im dritten Anlauf mit hauchdünner Mehrheit und nach heftigen Auseinandersetzungen die umstrittene Wintersportzone im hinteren Fondei beschlossen. Die Umweltorganisationen zeigten in ihrer Beschwerde an die Regierung Brisantes auf: Der Kanton Graubünden und die Gemeinden Langwies, Fideris und Conters hatten 1991 bis 1996 beim Bund durchgesetzt, dass bei der Inventarisierung der nationalen Moorlandschaft Durannapass, sowie von mehreren nationalen Flachmoorbiotopen im Fondei, die Grenzen willkürlich und falsch gezogen wurden. Entscheidend waren nicht die Moorvorkommen im Gelände, sondern die Skiliftpläne in den Köpfen von Bergbahnvertretern, Gemeindepräsidenten, Regierungsräten und kantonalen Beamten.
        Brigitte Wolf vom WWF Graubünden ist überzeugt, dass das neue Skigebiet im Fondei nicht gebaut werden kann: "Mit der willkürlichen Anpassung der Moorgrenzen an die Bedürfnisse von Bergbahnunternehmungen haben die Verantwortlichen den Skigebietspromotoren einen Bärendienst erwiesen. Das heftig umstrittenen Skigebietsprojekt im Fondei widerspricht der Bundesverfassung und kann daher nicht realisiert werden". Und Christian Geiger von Pro Natura Graubünden doppelt nach: "Wenn hier gebaut werden darf, muss das Recht gebogen und Landschaft und Natur zerstört werden. Mit Seilbahnanlagen samt Zufahrten, Restaurationsbetrieb, Garagierung, Unterständen für Pistenfahrzeuge, Pistenplanierungen, Kanalisation, Skiwege usw. geht die Landschaft im inneren Fondei als Raum für das Erlebnis der Grösse, Stille und Ruhe verloren."

 

 
 

Fondei Projekt auf Eis

Am 19. Januar 1999 distanzierten sich die Davos-Parsenn-Bahnen AG überraschend und öffentlich vom geplanten Skigebiet im Fondei. Und heute steht fest, dass die Moorgrenzen im Fondei - entsprechend der Kritik der Umweltorganisationen tatsächlich falsch gezogen wurden. Seit dem Coming out der Bergbahnen ist es verdächtig ruhig geworden um das Projekt. ÄlplerInnen, Bäurinnen und Bauern, die sich um Weiden und Mähwiesen gesorgt hatten, dürfen sich leichten Herzens auf den Fondeier Alpsommer freuen. Bleibt zu hoffen, dass Politiker und Planungsbehörden bald einen Weg finden, um die obsoleten Seilbahnpläne ohne Gesichtsverlust ad acta zu legen ...

 

 

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