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Etwas Mystisches musste es schon gewesen sein, die Sache mit dem Lab,
denn Jeremias Gotthelf (1797-1854) schilderte in seinem Roman "Die
Käserei in der Vehfreude" das Einlaben folgendermassen: "Das
Feuer brannte, die Milch erwarmete; als sie den gehörigen Grad erreicht
hatte, stellte der Senn die Erhitzung ein, schüttete in drei Löffel
aus drei verschiedenen Gefässen eine wunderliche, wüste Flüssigkeit,
eine Art Hexentrank, guckte scharf in dieselben, als ob er aus diesen
wahrsagen wollte. Nachdem er geguckt und betrachtet, nahm er aus einem
der Gefässe drei Mass heraus, goss sie in den Kessel; in demselben
entstand ein wunderliches, seltsames Leben."
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Die Wissenschaft entdeckt das Lab und tappt im Dunkeln Der französische Apotheker Dechamps fand 1840 im Lab einen eigentümlichen Stoff, den er Chymosin nannte (Chymus = Speisebrei im Magen; aus griech. chymos) . Er sehe äusserlich aus wie Gummi und sei das eigentlich wirksame Prinzip im Lab. Die zeitgenössischen Wissenschaftler und Forscher meinten jedoch, Dechamps würde sich irren und glaubten an die Theorie, dass das Gerinnen des Kaseins ein Gärungsprozess sei. Rudolf Schatzmann war es, der sich die Labfrage zu seiner eigenen grossen Aufgabe machte. Er wurde mit 33 Jahren Direktor der Landwirtschaftlichen Schule in Kreuzlingen, kurz darauf Leiter des Lehrerseminars in Chur, wo er 1869 den landwirtschaflichen Unterricht einführte. 1871 hat er sich zum Ziel gesetzt die Labfrage praktisch und theoretisch zu lösen. Er stellte verschiedenen Käsern und Wissenschaftlern seine Fragen. Die Ergebnisse wurden in der Volksschrift "Über Zubereitung und Verwendung des Labs bei der Käsefabrikation" veröffentlicht.
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Die Ergebnisse von 1871 Der Wissenschaft war es also noch nicht gelungen, bei der Labbereitung
ein Verfahren zu entwickeln, um die Stärke der Labflüssigkeit
festzustellen. Auf jeden Fall wurde festgestellt, dass die Wirkung des
Labs nicht an Säuren gebunden ist. Man konnte sich also vom Begriff
der "Labsäure" verabschieden. Zwar wurden in der Literatur
und in der Praxis immer wieder verschiedene Pflanzen (Blüten der
Artischoke, Saft des Feigenbaumes) angegeben, die eine Labwirkung aufzeigen
sollten, für die Käsefabrikation kamen diese Pflanzensäfte
jedoch nicht in Frage. Wissenschaft und Praxis kamen zum Schluss, dass
das beste Mittel zum Dicklegen der Milch das Magenlab sei.
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Noch immer fehlt Klarheit Im Jahre 1882 erschien die erste Auflage des Handbuchs der Milchwirtschaft
von Wilhelm. Kirchner (1848 -1921). 40 Jahre später schreibt er trotz
ständig neuen Erkenntnissen über die Gerinnung der Milch "...völlige
Klarheit ist doch noch nicht vorhanden." Zum selben Schluss kam 1922
auch Josef Klein (1852 -1926) . Es war bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht
gelungen, "...die reine Labsubstanz für sich darzustellen, weil
wir die Mittel, um die neben dem Lab im Magensaft vorkommenden organisschen
Stoffe von der Labsubstanz chemisch vollständig zu trennen, noch
nicht kennen."
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Und heute: Milchwissenschaftler waren schon lange auf der Suche nach Labaustauschstoffen.
Nachdem man es schaffte, ganz spezielle Schimmelpilze für sich arbeiten
zu lassen, um einen mikrobiellen Labersatz zu gewinnen, gibt es heute
eine dritte Möglichkeit, Chymosin herzustellen. Die Firmen Gist -Brocades
aus Holland, Chr. Hansen aus Dänemark und Pfizer aus den USA produzieren
Chymosin mit Hilfe gentechnisch veränderter Mikroorganismen.
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| Herstellung von Naturlab in Vorarlberg: | ||
| 10 -15 saubere und getrocknete Kälbermägen werden zerkleinert, durchmischt und kühl gelagert 7 Liter frische Molke wird eine Stunde lang auf 95 °C erhitzt, anschliessend auf 40 °C heruntergekühlt und mit 165 gr Kälbermägenschnipsel vermischt. Bebrühtungsdauer: 7 Stunden bei 38 °C. Danach kommt das Gemisch in den Kühlschrank, zwei Tage später wird die Flüssigkeit abgesiebt und nach einem weiteren Tag ist das frische Lab für 3 - 5 Tage verwendbar. Es kann auch von Vorteil sein, geringe Mengen Käsereikultur zum Bebrühten beizugeben. Die Molke hat einen SH-Wert von 35 °- 38 °. |
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Lab, was ist das? Die Magenwände aller noch wachsender Säugetiere
produzieren einen "Stoff ", der die Möglichkeit hat, die
aufgenommene Muttermilch in kurzer Zeit im Magen zu einem "Käse"
zu verarbeiten. Dadurch wird erreicht, dass die Milch nicht zu schnell
den Verdauungstrakt passiert und so für die kleinsten Lebewesen für
den lebensnotwendigen Stoffwechsel eingesetzt werden kann. Dieser "Stoff
", das Lab, besteht aus den Enzymen Chymosin und Pepsin.
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| L A B F O R M E N | ||
| Pflanzliches Lab: | Naturlab: | Kunstlab: |
| Verschiedene Pflanzen enthalten Stoffe, die die Möglichkeit haben, kleine Mengen Milch zum Gerinnen zu bringen. In der Literatur findet man das Labkraut, Feigen, Artischocken, verschiedene Distelarten, Kaktusfrüchte oder säurhaltige Pflanzen. | Alle Milchgerinnungsmittel, die aus Mägen von Säugetieren hergestellt werden, dürfen als Lab bezeichnet werden. Am bekanntesten ist das Kälbermagenlab. Ein getrockneter Kälbermagen wiegt ca 60 Gramm. Mit den daraus gewonnen Labenzymen können ca. 3500 Liter Milch dick gelegt werden. | Labstoffe, die durch Mikroorganismen hergestellt werden, müssen als Labaustauschstoffe bezeichnet werden. Durch biotechnische Verfahren wurde es möglich, verschiedene Pilzarten für die Herstellung von Milchgerinnungsenzymen zu kultivieren. Seit einigen Jahren ist es den Wissenschaftlern auch gelungen, fermentativ Chymosin zu gewinnen, das heisst, Mikroorganismen gentechnisch zu verändern, um Milchgerinnungsenzyme herzustellen, was im Volksmund als Gentechlab bezeichnet wird. |
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Quellen:
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| Home | mail@zalp.ch |