Unter der Fuchtel der Zellzahl
     



Der Mensch wird unaufhörlich gescheiter, dringt immer tiefer in die Geheimnisse des Lebens und damit auch der Milch. Parallel dazu wird er hygienischer und scheinbar gesundheitsbewusster. Geschichten könnte man darüber viele erzählen, hier eine anhand der Zellzahlen in der Milch.

von Giorgio Hösli

 

Vom Zählen von Zellen und Zahlen

Das Milchtier, hier wird als Beispiel die Kuh angesprochen, schwemmt in der Milch körpereigene Zellen aus. Das sind im gesunden Euter vor allem Gewebeteile wie Euterepithelzellen und Blutzellen wie Leukozyten und Lymphozyten. Die Gesamtheit dieser Zellen pro ml Milch nennt man Zellzahl. Bei der monatlichen Milchkontrolle wie auch beim Schalmtest wird nur das Total der Zellen ermittelt, die verschiedenen Arten werden nicht differenziert. (Anm.1)
       Anlass für die Kuh diese Zellen in grösseren Mengen auszuschwemmen ist meist eine Abwehrstrategie des Immunsystems gegen eine Entzündung im Euter, diese kann klinisch oder subklinisch (Anm. 2) sein. Allen voran wandern die Leukozyten (weisse Blutkörperchen) zum Ort der Entzündung und nehmen dort die Krankheitserreger und andere Fremdkörper in sich auf. Bei einer Mastitis werden somit mehrere Millionen Leukozyten vom Blut in die Milch geschwemmt, ihr Anteil an den Zellen steigt auf über 90%. Diese Art Abwehrreaktion des Drüsengewebes gegen Infektionen nennt man Phagozytose. Heute geht man davon aus, dass Milch mit mehr als 150'000 Zellen pro Viertel auf eine Erkrankung des Euters hindeutet. Viele Alpkühe nehmen diese Hürde mit einem müden Schwanzwinken. Meistens ist eine bakterielle Infektion Ursache, es gibt aber noch andere Gründe für erhöhte Zellzahlen:

  • a) Stress und Nervosität
  • b) Prellungen und Verletzungen am Euter
  • c) Milchrückgang gegen Ende der Laktation
  • d) Auswirkung vergangener Entzündungen
  • e) Anzahl Laktationen und fortgeschrittenes Alter der Kuh
  • f ) Euteranlage, Zitzenform und Melkbarkeit
  • g) MelkerIn und Melkanlage
  • h) "Zuchterfolge"

 

a) Einer Kuh kann die Alp Erholungs- oder Strapazenstätte sein, das liegt vor allem an uns und unserem Umgang mit ihr. Zweimal täglich Zusammentreiben, Pferchen oder Einstallen ist hauptsächlich für rangniedere Tiere ein Stress. Guolf Regi hat bei Kühen mit bereits leicht erhöhter Zellzahl unter Stresseinwirkung einen grösseren Anstieg festgestellt. Für die ÄlplerInnen kann es interessant sein, Kühe mit hoher Zellzahl auf ihr Verhalten innerhalb der Herde zu untersuchen. Stress kann die Zellzahl in der Milch bis auf 800'000 ansteigen lassen, höhere Zahlen bei einem ansonsten gesunden Tier sind laut Walter Schaeren vom Milchwirtschatlicher Inspektions- u. Beratungsdienst (MIBD) kaum möglich.

 

 

 

b) Prellungen und Verletzungen strapazieren das Eutergewebe, was sich auf die Milchproduktion auswirkt. Die kuheigenen Abwehrmassnahmen lassen den Zellgehalt steigen.

c) Während der Laktation gibt gemäss Thomas Bahr eine gesunde Kuh ungefähr gleichviel Zellen ab. Da die Milchmenge auf das Trockenstellen hin sinkt, steigt die Zellzahlkonzentration.

d und e) Eine Mastitis hinterlässt im Euter ihre Spuren. Jede neue Entzündung erinnert sich an die vergangene. Statistisch ist die Zellenabgabe bei einer Kuh in der fünften Laktation bei knapp 500'000 pro ml (Thomas Bahr) .

f) Tiefhängende Euter mit geringem Bodenabstand sind grösserer Verletzungsgefahr ausgesetzt als gut aufgehängte, und sie fangen leichter Bakterien ein. Höhere Zellzahlen wurden auch bei abnehmender Euterfestigkeit, sowie zunehmendem Zitzenabstand, grösserem Zitzendurchmesser, trichterförmigen Zitzen, eingestülpter oder spitzer Zitzenkuppe festgestellt. Hier liegt der Grund vor allem in der Beanspruchung des Gewebes beim Melken und in der Möglichkeit für Bakterien in das Euter vorzudringen.

g) Jeder Melker, jede Melkerin geht mit den Tieren, dem Euter und der Melkmaschine anders um. Kuhgerechtes Anrüsten und rechtzeitiges Abhängen der Maschine wird oft durch das Diktat des drängenden Arbeitspensum verhindert. Hinzu kommt, dass die Kuh mit einer anderen Melkmaschine konfrontiert wird (evtl. schwankendes oder ungenügendes Vakuum, anderer Zitzengummi) . Empfindliche Euter reagieren mit höherer Zellzahl oder gar Entzündungen. An den Gegebenheiten einer Alp (Herdenzusammensetzung, Melkmaschine, Ställe) ist oft nicht viel zu ändern, aber man kann die Bauern auf Missstände oder Verbesserungen aufmerksam machen. Michael Walkenhorst vom Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL) meint, dass man das Alppersonal gegebenenfalls leistungsbezogen bezahlen sollte, zum Beispiel mittels einem Zuschlag für gute Milch.

h) Die Züchtungserfolge haben es mit sich gebracht, dass heute Kühe gealpt werden, die nicht dafür geeignet sind. Das Futter der Alpweiden wird dem genetischen Potential einer Hochleistungskuh nicht gerecht, was Stress für ihren Organismus bedeutet. Gegebenenfalls kann sich dies in erhöhten Zellzahlen niederschlagen.

 

 
 

ie Frage nach der Wichtigkeit der Zellzahlbestimmung bleibt. Melchior Schällibaum von der Eidgen. Forschungsanstalt für Milchwirtschaft (FAM) nimmt an, dass 20% aller Kühe auf mindestens einem Viertel eine versteckte (subklinische) Euterentzündung haben, die von Auge oder mit der Hand nicht erkennbar sind. Mit der Zellzahlbestimmung kann man ihr relativ einfach auf die Schliche kommen, eingerechnet dem Vorbehalt, dass die tatsächlichen Gründe für eine hohe Zellzahl offen bleiben. Die "QS-Alp" lässt uns zudem gar keine Wahl, die Euter müssen monatlich auf Zellenabgabe überprüft werden. Ein weiterer Grund ist unser Betreiben, die Welt mit Zahlen zu erklären. Zahlen kann man notieren, in Tabellen statistisch auswerten und als Grenzwerte sanktionieren.

 

 
 

Schalmen bis die Zellzahl klumpt

"Die Alpen sind nur mit eutergesunden Tieren, das heisst mit schalmtestnegativen Kühen zu bestossen", liest man unter den Empfehlungen zur Bekämpfung der Euterkrankheiten in den Alpfahrtsvorschriften des Kantons Graubünden. Näher betrachtet bedeutet dies, dass eigentlich kein Tier auf die Alp darf, das von einem Euterteil mehr als 200'000 Zellen in der gemolkenen Milch abgibt, denn dies ist die Grenze, bei der bei uns ein Schalmtest reagiert (je nach Hersteller der Schalmlösung kann diese Grenze aber variieren) . Würde diesen Empfehlungen gemäss gehandelt, wäre es einsam auf den Alpen. Indirekt sagen die Alpvorschriften, Milchtiere seien vor der Alpfahrt auf Zellzahlen zu überprüfen und gegebenenfalls zu kurieren oder nicht auf einen Sömmerungsbetrieb mit Milchverarbeitung zu bringen. Eine Pflichtübung für die Bauern also. Doch was tun, wenn zehn Tage vor Alpbeginn das Vroni hinten re und li schalmtestpositiv ist? Antibiotika, Homöopathie, Eutersalbe anwenden oder die Ursache einem momentanen Eutertief zuschreiben? Wie auch immer der Bauer entscheidet, ziemlich sicher ist: das Vroni geht bald z´alp.

 

 
 

twas realistischere Vorschriften macht das Handbuch "QS-Alpsennerei" und schreibt im Art. 17 vor, dass spätestens 7 Tage nach der Alpbestossung beim Milchvieh ein Schalmtest vorgenommen werden muss, danach mindestens einmal monatlich. Milch mit mehr als 1 Million Zellen pro ml (Anm. 3) wird im beiliegenden Farbprospekt als fehlerhaft taxiert und darf nicht mehr verarbeitet werden. Über eine andersweitige Verwertung dieser Milch schweigt sich das Buch aus, was die Alpschweine bedauern. Hingegen ist im Kapitel "Qualitätsmilch "eine gute Beschreibung über die Handhabung des Testes zu finden.
       Testen sollte man immer um die gleiche Zeit, da die Zellzahlkonzentration im Laufe eines Tages ziemlich schwankt, am besten vor dem Anrüsten des Morgenoder Abendmelkens. Eine Expressvariante ist der Gaumentest. Man spritzt sich beim Anrüsten einen Schuss Milch in den Mund und prüft das Aroma auf den Salzgehalt.
       Wem das Schalmen ein Greuel ist, für den ist der folgende Tip von einem Älplerfreund: Man spricht sich einerseits mit dem Milchkontrolleur ab, die erste Milchmessung sieben Tage nach Alpauffahrt durchzuführen und beharrt andererseits bei den Bauern auf die zusätzliche Zellzahlbestimmung durch das Labor und dass sie einem die Daten zukommen lassen. Kühen, die mehr als 150'000 Zellen angeben, prüft man mit dem Schalmtest die einzelnen Viertel nach.

 

A zelle bölle

Beim Schalmen auf der Alp wird klar, ob die Bauern auf den Heimbetrieben Milchkontingente haben oder nicht. Im Moment werden bei abgelieferter Milch mit Zellzahlen über 350'000 3 bis 24 Rappen pro kg abgezogen. Das zwingt den Bauer die positiven Euterteile zu behandeln, senkt die Zellzahl und fördert den Antibiotikaverbrauch. Tränkt der Bauer mit der Milch seine eigenen Kälber, tritt die Zellzahl erst beim Verkauf der Kuh auf den Marktplatz.

 

 
 

Verarztung

Plötzlich hat man also Tiere auf der Alp, die schalmtestpositiv sind. Zeigt der Test mehr als eine Million an, taucht die Frage auf, was zu tun sei. Erstens tastet man das Euter genauer ab, fühlt die Temperatur, spürt Verhärtungen auf. Vielfach ist keine augen- und tastfällige Veränderung des Euters zu erkennen und man kann die Schuld der hohen Zellzahl auf den Test, auf das Alter der Kuh, auf die eigene Melktechnik schieben. Oder es ist eine subklinische Entzündung am werken. Wir handhaben das so: Stellen wir keine akute Entzündung fest, behandeln wir das Tier homöopathisch mit einer Gabe von 5 Globuli C 200 Phytolacca, rüsten etwas länger an und hängen das Melkaggregat frühzeitig ab. Zusätzlich kann mit einer kampferhaltigen Salbe die Durchblutung angeregt werden. Ist nach gut einer Woche keine Besserung festzustellen, benachrichtigen wir den Tierbesitzer.
       Bei einer akuten Entzündung fragen wir beim Bauern nach, ob er Antibiotika einsetzen oder zuerst eine Milchprobe untersuchen lassen will, doch davon später. Fehlt ein Telefon muss man die Verantwortung selber übernehmen. Homöopathische Mittel wie Aconitum oder Arnika werden gemäss "Handbuch Alp" verabreicht.
        Als Therapie ist stündliches Ausmelken das beste, sofern es die sonstige Arbeit und die Kuh erlaubt. Bei trittigen Kühen kann man vom Tierarzt Oxytocin anfordern, um dem Milchfluss nachzuhelfen. Zuerst wird das Euter gekühlt, wenn eine Besserung ersichtlich ist, mit Salbe gewärmt. Um eine Verschleppung zu vermeiden, sollte die Kuh mit der Maschine zuletzt gemolken werden.

 

 
 

Käsen bis ans Ende der Zellzahl

Der Gehalt an Zellen in der Milch ist ein Faktor für deren Qualität, nebst Keimzahlen, Lagerung, Transport und Verarbeitung. Gegen den Herbst zu sinkt die Milch im Kessi und die Zellzahl steigt. Natürlich machen wir SennerInnen weiterhin guten Käse, wer wirft den schon die Millionenmilch in den Schweinetrog.
       Beim Käsen fällt einem vielleicht folgendes auf: Die Milch riecht beim erhitzen leicht faulig und zum Dicken braucht es mehr Lab. Im Käsereiprotokoll sinken die Ausbeutungszahlen und möglicherweise macht der Käse einen unerwünschten Reifeprozess.
       Doch keine Angst, ich habe schon köstlichen Käse aus schalmtestpositiver Kessimilch genossen. Trotzdem, das Risiko steigt und lässt man den Käse im Labor untersuchen, werden dort schlimmstenfalls Bakterien gefunden, die giftig sind.
        Im Labor zeigt die Milch folgende Veränderungen: Ab 100'000 Zellen ist der Anteil des Kaseins am Gesamteiweissgehalt bereits reduziert, eine messbare Ursache der geringeren Käseausbeute, denn spezifisches Gewicht und Trockenmasse bleiben sich gleich. Schalmtestpositive Milch enthält überdies weniger Milcheiweiss, weniger Fett, weniger Milchzucker und weniger Kalzium. Der Natrium- und Chloridgehalt steigt, daher der salzige Geschmack. Der pH-Wert verschiebt sich in die alkalische Zone, die Milch ist weniger gut haltbar, die Labfähigkeit nimmt ab.

 

 
 

Antibiotika frisst Zellzahl?

Antibiotika wirkt nicht gegen die Zellzahl. Ohne eine Milchprobeuntersuchung ist die Verwendung irgendeines Antibiotikums aus der Alpapotheke (sofern man legales überhaupt hat) also dumm: Erstens ist die Trefferquote gering, ein nicht resistentes Bakterium zu treffen, sofern es überhaupt vorhanden ist und nicht eine andere Ursache die hohe Zellzahl hervorruft. Zweitens fördert der bedenkenlose Einsatz von Antibiotika unnötig resistente Bakterien und schwächt die tiereigene Abwehrkraft gegen Infektionen. Drittens sind die Schweine während der Milchabsetzfrist meist Leidtragende von zweitens. Nebenbei zeigt sich hier das Vernunftwidrige der Lebensmittelverordnung. Die Grenzwerte der Zellzahlen werden gesenkt, die Sanktionen verschärft (Milchpreisabzug), die Bauern bekommen von den Tierärzten als Lösung Antibiotika, das Antibiotika verliert allmählich seine Wirkung, es wird folglich Antibiotika in höheren Dosen oder weiteren Varianten eingesetzt. Die Spirale wird in der Absicht veranstaltet, die Gesellschaft gesund zu halten, macht aber in der Konsequenz Antibiotika als Arznei unwirksam und unsere Abwehrkräfte zunichte. Da lob ich mir die Hampfel Dreck, die ich damals im Sandkasten verspiesen habe.
       Eine Milchprobe untersucht einem in Graubünden das Veterinärbakteriologische Laboratorium zu Chur für 8 Franken 70 pro Viertel, die sterilen Fläschchen für die Milch sind ebenfalls dort erhältlich. Der Vorteil dabei ist, dass man hernach Antibiotika gezielt gegen das jeweilige Bakterium einsetzen kann. Bei ausreichender Dosis wird so einer Resistenzenbildung entgegengewirkt.
       Nicht immer werden in der Milch Bakterien gefunden. Der "Staphylococcus aureus" zum Beispiel, hat die freche Eigenschaft sich im Eutergewebe einzukapseln, um sich den Messgeräten des Labors zu entziehen. Wir haben es mehrmals erlebt, dass Milch mit zwei Millionen Zellen im Befund bakterienfrei war, meist von Kühen kurz vor der Galtzeit. Gebräuchlich ist, dass deren Euter mit Trockensteller (Anm.4) behandelt werden, was Resistenzen enorm begünstigt, weil man während der Galtzeit wenig Kontrolle über Erkrankungen im Euter hat. Allgemein Rezepte wie man vorgehen soll, gibt es hier nicht, denn auch die alternative Medizin hat keine Allerweltsarznei. Die Kuh kümmert sich nicht darum, sie kann mit den hohen Zellzahlen leben (und auf der Alp nicht mal schlecht) , trotzdem macht sie erste Schritte Richtung Metzgerei, wenn sie die Grenzwerte überschreitet und nicht auf Medikamente anspricht.
       Die Fachgruppe Tiergesundheit und Nutztierhaltung am Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) untersucht momentan im Engadin während knapp zwei Jahren den Einsatz homöopathischer Mittel zur Vorbeugung und Therapie bei Betrieben mit Zellzahlproblemen. Die Untersuchung wird bei 27 Betrieben mit 450 Kühen durchgeführt, auch während der Alpzeit. Dabei wird die Fütterung, das Haltungsystem, die Melkanlage, sowie den Umgang mit den Tieren in die Vorbeugemassnahmen einbezogen.
        Die zalp bleibt dran.

 

 
 


Zum Schluss die Grenzwerte zählen

Weil die Experten soviel Freude daran haben, beglücken sie uns gerade mit vier Grenzwerten: Der tiefste liegt zwischen 100'000 und 150'000, das ist jener, bei dem der Viertel krank geschrieben wird. Bei 200'000 hat bei uns der Schalmtest reagiert und ist somit die Grenze zur Alptauglichkeit. Ab 350'000 wird den Bauern der Milchbatzen gekürzt (in der EU 400'000, in den USA 750'000) und bei über einer Million dürften wir laut QS-Ordner die Milch nicht mehr verkäsen. Etwas verwirrt fragt man sich, wo denn die Grenze für die Verträglichkeit des Milchgenusses liegt. Zellzahlen sind für den Menschen nicht schädlich. Die von der Kuh abgeschiedenen Zellen sind bloss Indikator einer eventuellen Krankheit, die giftige Keime produzieren kann. Der Staphylococcus aureus zum Beispiel kann Gifte entwickeln, die uns den Magen überstülpen. Dem heutigem Zustand der KosumentInnen kann das nicht zugemutet werden.

 

 
 

Adresse:
Veterinärbakteriologisches Laboratorium
Hofgraben 11
7000 Chur

Literatur

Dissertationen zu durchstöbern macht Spass, wirklich. In den umfangreichen Literaturverzeichnissen kann nachgelesen werden, wo abgeschrieben wurde und somit das Wissen herkommt. Dicken, alten Büchern glaubt man gerne, und unreflektiert wird so Wissen zur Wahrheit. Den nachstehenden Autoren und Autorin herzlichen Dank, ich hoffe mit genügender Skepsis und nicht immer in ihrem Sinne abgeschrieben zu haben.

  • Thomas Bahr: Schätzung genetischer Parameter für Merkmale der Zellzahl und der Melkbarkeit beim Rind, Schriftenreihe des Institutes für Tierzucht und Tierhaltung der Christian Albrechts Universität zu Kiel, Kiel 1995
  • Jürg Danuser: Individuelle Zellzahl und Eutergesundheit, Diss. ETH Nr. 9812, Zürich 1992
  • Andrea Fink: Von der Bauernmilch zur Industriemilch, Diss. Gesamthochschule Kassel, Kassel 1992
  • Hösli, Schuler u. a. : Handbuch Alp, Octopus Verlag, Chur 1998
  • Projektbeschrieb der Fachgruppe Tiergesundheit und Nutztierhaltung am FiBL: Prüfung der Wirksamkeit antibiotischer und homöopathischer Medikation im Rahmen der Sanierung von Betrieben mit gestörter Eutergesundheit, Stand 4. 11. 98
  • Guolf Regi: Untersuchung zur Frage des Einflusses der Hochalpung auf die Eutergesundheit bei Milchkühen, Diss. Uni Bern, Bern 1986
  • SAV/ MIBD: Qualitätssicherung, Handbuch für Kuhalpen, 1998
  • Melchior Schällibaum: Euterentzündungen (Mastitis) beim Milchvieh, in: Simmentaler Fleckvieh, Nr. 2, 1983
  • Unterlagen des Milchwirtschaftlichen Beratungsdienstes MIBD veto Nr. 40 (1996) und Nr. 46 (1998), Zeitschrift der AGKT Arbeitsgemeinschaft Kritische Tiermedizin, Hannover
  • Telefonat Walter Schaeren, MIBD
  • Gespräch mit Michael Walkenhorst, FiBL.

Anmerkungen:

  1. Auch die Keimzahlen werden bei der Zellzahlmessung nicht erfasst. Sie geraten erst in die Milch, nachdem diese das Euter verlassen hat, meist mittels dreckigem Melkund Milchgeschirr und durch ungenügende Kühlung.
  2. Klinisch bedeutet, dass die Entzündung mit den Sinnen wahrgenommen werden kann. Das betrifft nicht nur das Euter, sondern auch die Milch (zBsp. sichtbare Fetzen) . Bei einer subklinischen Entzündung kann keine offensichtliche Veränderung festgestellt werden, was bei chronischen Erkrankungen oft der Fall ist.
  3. Möglicherweise beruht diese an sich hohe Zahl auf einem Druckfehler. Beim Nachfragen meint Milchinspektor Bruno Beerli, dass eigentlich 350'000 Zellen die Grenze markieren. Er kennt aber das Problem, diese Grenze einzuhalten, will man für die Bauern genügend Käse herstellen und ratet genügend Kultur zu schütten.
  4. sogenannte "Trockensteller" stellen die Kuh nicht trocken, sondern versorgen das Euterinnere über längere Zeit (die Dauer ist umstritten) mit Antibiotika. Der Name schreibt dem Medikament eine Tätigkeit zu, den es nicht erfüllt. Trocken stellt sich die Kuh selber.

 

 


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