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Der Mensch wird unaufhörlich gescheiter, dringt immer tiefer in die Geheimnisse des Lebens und damit auch der Milch. Parallel dazu wird er hygienischer und scheinbar gesundheitsbewusster. Geschichten könnte man darüber viele erzählen, hier eine anhand der Zellzahlen in der Milch. von Giorgio Hösli
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Vom Zählen von Zellen und Zahlen Das Milchtier, hier wird als Beispiel die Kuh angesprochen, schwemmt
in der Milch körpereigene Zellen aus. Das sind im gesunden
Euter vor allem Gewebeteile wie Euterepithelzellen und Blutzellen
wie Leukozyten und Lymphozyten. Die Gesamtheit dieser Zellen pro
ml Milch nennt man Zellzahl. Bei der monatlichen Milchkontrolle
wie auch beim Schalmtest wird nur das Total der Zellen ermittelt,
die verschiedenen Arten werden nicht differenziert. (Anm.1)
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a) Einer Kuh kann die Alp Erholungs- oder Strapazenstätte sein, das liegt vor allem an uns und unserem Umgang mit ihr. Zweimal täglich Zusammentreiben, Pferchen oder Einstallen ist hauptsächlich für rangniedere Tiere ein Stress. Guolf Regi hat bei Kühen mit bereits leicht erhöhter Zellzahl unter Stresseinwirkung einen grösseren Anstieg festgestellt. Für die ÄlplerInnen kann es interessant sein, Kühe mit hoher Zellzahl auf ihr Verhalten innerhalb der Herde zu untersuchen. Stress kann die Zellzahl in der Milch bis auf 800'000 ansteigen lassen, höhere Zahlen bei einem ansonsten gesunden Tier sind laut Walter Schaeren vom Milchwirtschatlicher Inspektions- u. Beratungsdienst (MIBD) kaum möglich. |
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b) Prellungen und Verletzungen strapazieren das Eutergewebe, was sich auf die Milchproduktion auswirkt. Die kuheigenen Abwehrmassnahmen lassen den Zellgehalt steigen. c) Während der Laktation gibt gemäss Thomas Bahr eine gesunde Kuh ungefähr gleichviel Zellen ab. Da die Milchmenge auf das Trockenstellen hin sinkt, steigt die Zellzahlkonzentration. d und e) Eine Mastitis hinterlässt im Euter ihre Spuren. Jede neue Entzündung erinnert sich an die vergangene. Statistisch ist die Zellenabgabe bei einer Kuh in der fünften Laktation bei knapp 500'000 pro ml (Thomas Bahr) . f) Tiefhängende Euter mit geringem Bodenabstand sind grösserer Verletzungsgefahr ausgesetzt als gut aufgehängte, und sie fangen leichter Bakterien ein. Höhere Zellzahlen wurden auch bei abnehmender Euterfestigkeit, sowie zunehmendem Zitzenabstand, grösserem Zitzendurchmesser, trichterförmigen Zitzen, eingestülpter oder spitzer Zitzenkuppe festgestellt. Hier liegt der Grund vor allem in der Beanspruchung des Gewebes beim Melken und in der Möglichkeit für Bakterien in das Euter vorzudringen. g) Jeder Melker, jede Melkerin geht mit den Tieren, dem Euter und der Melkmaschine anders um. Kuhgerechtes Anrüsten und rechtzeitiges Abhängen der Maschine wird oft durch das Diktat des drängenden Arbeitspensum verhindert. Hinzu kommt, dass die Kuh mit einer anderen Melkmaschine konfrontiert wird (evtl. schwankendes oder ungenügendes Vakuum, anderer Zitzengummi) . Empfindliche Euter reagieren mit höherer Zellzahl oder gar Entzündungen. An den Gegebenheiten einer Alp (Herdenzusammensetzung, Melkmaschine, Ställe) ist oft nicht viel zu ändern, aber man kann die Bauern auf Missstände oder Verbesserungen aufmerksam machen. Michael Walkenhorst vom Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL) meint, dass man das Alppersonal gegebenenfalls leistungsbezogen bezahlen sollte, zum Beispiel mittels einem Zuschlag für gute Milch. h) Die Züchtungserfolge haben es mit sich gebracht, dass heute Kühe gealpt werden, die nicht dafür geeignet sind. Das Futter der Alpweiden wird dem genetischen Potential einer Hochleistungskuh nicht gerecht, was Stress für ihren Organismus bedeutet. Gegebenenfalls kann sich dies in erhöhten Zellzahlen niederschlagen.
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Schalmen bis die Zellzahl klumpt "Die Alpen sind nur mit eutergesunden Tieren, das heisst mit schalmtestnegativen Kühen zu bestossen", liest man unter den Empfehlungen zur Bekämpfung der Euterkrankheiten in den Alpfahrtsvorschriften des Kantons Graubünden. Näher betrachtet bedeutet dies, dass eigentlich kein Tier auf die Alp darf, das von einem Euterteil mehr als 200'000 Zellen in der gemolkenen Milch abgibt, denn dies ist die Grenze, bei der bei uns ein Schalmtest reagiert (je nach Hersteller der Schalmlösung kann diese Grenze aber variieren) . Würde diesen Empfehlungen gemäss gehandelt, wäre es einsam auf den Alpen. Indirekt sagen die Alpvorschriften, Milchtiere seien vor der Alpfahrt auf Zellzahlen zu überprüfen und gegebenenfalls zu kurieren oder nicht auf einen Sömmerungsbetrieb mit Milchverarbeitung zu bringen. Eine Pflichtübung für die Bauern also. Doch was tun, wenn zehn Tage vor Alpbeginn das Vroni hinten re und li schalmtestpositiv ist? Antibiotika, Homöopathie, Eutersalbe anwenden oder die Ursache einem momentanen Eutertief zuschreiben? Wie auch immer der Bauer entscheidet, ziemlich sicher ist: das Vroni geht bald z´alp.
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A zelle bölle Beim Schalmen auf der Alp wird klar, ob die Bauern auf den Heimbetrieben Milchkontingente haben oder nicht. Im Moment werden bei abgelieferter Milch mit Zellzahlen über 350'000 3 bis 24 Rappen pro kg abgezogen. Das zwingt den Bauer die positiven Euterteile zu behandeln, senkt die Zellzahl und fördert den Antibiotikaverbrauch. Tränkt der Bauer mit der Milch seine eigenen Kälber, tritt die Zellzahl erst beim Verkauf der Kuh auf den Marktplatz.
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Verarztung Plötzlich hat man also Tiere auf der Alp, die schalmtestpositiv
sind. Zeigt der Test mehr als eine Million an, taucht die Frage
auf, was zu tun sei. Erstens tastet man das Euter genauer ab, fühlt
die Temperatur, spürt Verhärtungen auf. Vielfach ist keine
augen- und tastfällige Veränderung des Euters zu erkennen
und man kann die Schuld der hohen Zellzahl auf den Test, auf das
Alter der Kuh, auf die eigene Melktechnik schieben. Oder es ist
eine subklinische Entzündung am werken. Wir handhaben das so:
Stellen wir keine akute Entzündung fest, behandeln wir das
Tier homöopathisch mit einer Gabe von 5 Globuli C 200 Phytolacca,
rüsten etwas länger an und hängen das Melkaggregat
frühzeitig ab. Zusätzlich kann mit einer kampferhaltigen
Salbe die Durchblutung angeregt werden. Ist nach gut einer Woche
keine Besserung festzustellen, benachrichtigen wir den Tierbesitzer.
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Käsen bis ans Ende der Zellzahl Der Gehalt an Zellen in der Milch ist ein Faktor für deren
Qualität, nebst Keimzahlen, Lagerung, Transport und Verarbeitung.
Gegen den Herbst zu sinkt die Milch im Kessi und die Zellzahl steigt.
Natürlich machen wir SennerInnen weiterhin guten Käse,
wer wirft den schon die Millionenmilch in den Schweinetrog.
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Antibiotika frisst Zellzahl? Antibiotika wirkt nicht gegen die Zellzahl. Ohne eine Milchprobeuntersuchung
ist die Verwendung irgendeines Antibiotikums aus der Alpapotheke
(sofern man legales überhaupt hat) also dumm: Erstens ist die
Trefferquote gering, ein nicht resistentes Bakterium zu treffen,
sofern es überhaupt vorhanden ist und nicht eine andere Ursache
die hohe Zellzahl hervorruft. Zweitens fördert der bedenkenlose
Einsatz von Antibiotika unnötig resistente Bakterien und schwächt
die tiereigene Abwehrkraft gegen Infektionen. Drittens sind die
Schweine während der Milchabsetzfrist meist Leidtragende von
zweitens. Nebenbei zeigt sich hier das Vernunftwidrige der Lebensmittelverordnung.
Die Grenzwerte der Zellzahlen werden gesenkt, die Sanktionen verschärft
(Milchpreisabzug), die Bauern bekommen von den Tierärzten als
Lösung Antibiotika, das Antibiotika verliert allmählich
seine Wirkung, es wird folglich Antibiotika in höheren Dosen
oder weiteren Varianten eingesetzt. Die Spirale wird in der Absicht
veranstaltet, die Gesellschaft gesund zu halten, macht aber in der
Konsequenz Antibiotika als Arznei unwirksam und unsere Abwehrkräfte
zunichte. Da lob ich mir die Hampfel Dreck, die ich damals im Sandkasten
verspiesen habe.
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Weil die Experten soviel Freude daran haben, beglücken sie uns gerade mit vier Grenzwerten: Der tiefste liegt zwischen 100'000 und 150'000, das ist jener, bei dem der Viertel krank geschrieben wird. Bei 200'000 hat bei uns der Schalmtest reagiert und ist somit die Grenze zur Alptauglichkeit. Ab 350'000 wird den Bauern der Milchbatzen gekürzt (in der EU 400'000, in den USA 750'000) und bei über einer Million dürften wir laut QS-Ordner die Milch nicht mehr verkäsen. Etwas verwirrt fragt man sich, wo denn die Grenze für die Verträglichkeit des Milchgenusses liegt. Zellzahlen sind für den Menschen nicht schädlich. Die von der Kuh abgeschiedenen Zellen sind bloss Indikator einer eventuellen Krankheit, die giftige Keime produzieren kann. Der Staphylococcus aureus zum Beispiel kann Gifte entwickeln, die uns den Magen überstülpen. Dem heutigem Zustand der KosumentInnen kann das nicht zugemutet werden.
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Adresse: Literatur Dissertationen zu durchstöbern macht Spass, wirklich. In den umfangreichen Literaturverzeichnissen kann nachgelesen werden, wo abgeschrieben wurde und somit das Wissen herkommt. Dicken, alten Büchern glaubt man gerne, und unreflektiert wird so Wissen zur Wahrheit. Den nachstehenden Autoren und Autorin herzlichen Dank, ich hoffe mit genügender Skepsis und nicht immer in ihrem Sinne abgeschrieben zu haben.
Anmerkungen:
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