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Trittbrettvermarkter
Angesprochen auf die tiefen Abnehmerpreise betonen Marti wie Furrer,
dass im Moment nicht mehr drinläge. Beizufügen ist, dass die Produzenten
so viel zurückbehalten können, wie sie selber absetzen wollen. «Eigentlich
vermarkten wir die Überschussproduktion der Bauern.» Franz Furrer
müht sich mit dem am schwierigsten zu verkaufenden Käse ab. Sein
Vorteil ist die bessere Lagerungsmöglichkeit, so dass die Genossenschaft
auch nach dem Jahreswechsel einwandfreien Urner Alpkäse anbieten kann.
Was ihn stört sind «die Trittbrettfahrer, die von unserem Marketing
profitieren, selber aber nicht in der Genossenschaft mitmachen. Und das sind
im Urnerland nicht wenige.»
Nur «Trittbrettfahrer» kennt die Casalp im Berner Oberland. «Wir
wollen, dass jeder Privatverkäufer vom guten Ruf des Berner Oberländer
Alpkäse profitieren kann», meint Peter Wäfler. Der Verein
Casalp verkauft kein einziges Gramm Käse. Er versteht sich lediglich
als Plattform für die Vermarktung des Alp- und Bergkäses. Er koordiniert
Werbeaktionen und den Handel zwischen Produzenten und Wiederverkäufer.
Inzwischen sind «über 95% der Berner Alpen in der Casalp Mitglied,
dies zeigt, dass wir nicht alles falsch gamacht haben», freut sich Wäfler
über die Entwicklung. Finanziert wird die Casalp über eine Abgabe
von 1,5 Rp. pro Liter gemolkene Milch eine Speziallösung. Der
Verein kommt so zu Einnahmen von über 200 000 Franken. In der übrigen
Schweiz bezahlen die Milchproduzenten etwas weniger direkt an den Schweizerischen
Milchproduzentenverband (SMP).
In der anderen grossen Alpkäseregion, dem Bündnerland, spricht niemand
von einer Branchenorganisation. «Solange der Absatz auf die traditionelle
Art gesichert ist, drängt sich auch keine Vermarktungsorganisation auf,
welche ja auch Geld kostet. Probleme haben allenfalls Grossbauern, die Ende
Alpsommer mit einer Tonne Käse dastehen», lässt sich Lieni
Hug, Alpfachchef am Plantahof, auf der Internetseite des Landwirtschaftlichen
Informationsdienstes (LID) zitieren. Die Preise im Bündnerland liegen
seit längerem bei 15 17 Franken das Kilo.
Was auffällt, sind die grossen regionalen Preisunterschiede. Der Grund
liegt in erster Linie in der Tradition. Am auffallendesten im Kt. Tessin,
wo seit jeher für den Käse mehr bezahlt wird. So lösen Alpkäseproduzenten
bei den Händler nicht selten gegen CHF 20./kg. Andererseits fragt
ÄlplerIn sich, wieso für eine aufwändig produzierte Spezialität
nicht mehr zu holen ist wie z. B. für das Massenprodukt Emmentaler.
Imagepflege
Abhilfe soll eine breitangelegte Werbekampagne des Schweizerischen
Alpwirtschaftlichen Verbandes (SAV) und des SMP schaffen. Mit über einer
halben Million Franken soll der Name Alpkäse national und regional kommuniziert
werden: Nicht mit Plakaten oder Werbespots in Funk und Fernsehen, sondern
mit Messeauftritten und Aktionen in den Grossverteilern. Damit soll ein Image
für Alpkäse kundennah aufgebaut werden. Der erste Auftritt ist im
Herbst an der Olma geplant. Die Projektleiterin Franziska Wirz vom SMP stört
sich vor allem daran, dass Talkäse mit den Klisches von Bergwelt und
gesunder Natur Werbung macht. «Es wird Zeit, dass in den Köpfen
der Leute Berge und Alphütten mit Alpkäse verbunden werden und nicht
etwa mit Emmentaler.» Ähnlich sieht es Heiri Marti: «Gehen
Sie mal auf die Strasse und fragen Sie nach Käse. Den Leuten kommt doch
nur Emmentaler, Greyerzer, Appenzeller und Tilsiter in den Sinn. Beim Alpkäse
weiss niemand so genau, was das ist.»
Die Idee einer gesamtschweizerischen Kampagne für Alpkäse stösst
bei den Grossverteilern auf gewisse Skepsis. «Ich denke nur an die Vereinigung
Schweizer Halbhartkäse. Sie tritt auf Messen mit einer riesigen Palette
an Halbhartkäse auf. Das einzelne Produkt geht dabei unter», argumentiert
Walter Dworschak, Produktmanager bei der Migros. Nationale Kampagnen würden
nur Sinn machen, wenn ein einheitliches Produkt vorhanden sei. «Auf
der gesamtschweizerischen Sortimentsliste führen wir nur Bündner
Bergkäse», antwortet Dworschak auf die Frage, ob die Migros einen
Alpkäse im nationalen Angebot hat.
Bei Coop wird der gesamte Einkauf immer mehr zentralisiert. Ob ein nationaler
Aufruf für Alpkäse den unterschiedlichen regionalen Produkten hilft,
bleibt fraglich. Kommt erschwerend dazu, dass die Grossverteiler ihr Käsesortiment
mittelfristig straffen. Der Platz in den Regalen der Grossverteiler für
Spezialitäten wird enger.
Dennoch: Zu hoffen bleibt, dass die Aktion des SAV und SMP Früchte trägt.
Nicht zuletzt um einmal klarzustellen dass Alpkäse nicht Bergkäse
ist und umgekehrt. Es wird Zeit, dass der Alpkäse, als speziell gesundes
Nahrungsmittel (siehe S. 10) in verschiedenen Studien nachgewiesen, endlich
den Preis bekommt, den es verdient.
Für die Vermarkter ist klar: Je mehr Käse direkt von der Alp weggeht,
umso besser. Denn auf der Alp gibt es den besten Preis, die Wertschöpfung
ist am höchsten, die Lagerkosten fallen weg. Dieser Markt wird in Zukunft
so stark wie möglich gefördert. Für uns ÄlplerInnen heisst
das aber auch, Mehraufwand ertragen. Es kann eine Chance sein, andere Produkte
wie Weichkäse und Mutschli herzustellen, die schneller beim KundInnen
landen. Dieser Mehraufwand muss aber entsprechend der höheren Wertschöpfung
abgegolten werden.
Jawoll! (Anm. des Setzers)
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