|
|
Eigentlich gar nichts Neues: Alpenmilch ist gesund. Was neu ist, ist lediglich,
dass diese augenfällige Tatsache nun wissenschaftlich erwiesen ist. Studien
der Schweizerischen Forschungsanstalt für Milchwirtschaft, Liebefeld
(FAM) sprechen Klartext. Sie zeigen auf, dass die in den Alpen gemolkene Milch
gesünder ist, als die im Tal produzierte. Und diverse neue Erkenntnisse
räumen mit dem Vorurteil auf, dass Milchfette ungesund seien. Regula Wehrli |
|
![]() |
||
| Angesichts des allgemeinen Diätwahns
geriet die Milch wegen ihres hohen Gehaltes an Milchfetten in den letzten
Jahren immer mehr in Verruf. Milchfette wurden auch im Zusammenhang mit Herzkranzerkrankungen
genannt. Weiter galten die gesättigte Fettsäuren oder der Fettbegleitstoff
Cholesterin als ungesund. Soweit so gut, aber es kommt noch besser. Zuerst
eine kleine Verschnaufpause auf der Alpweide: Frische Luft, eine kühle
Brise, der Geruch nach Kräutern, die Augen schweifen über den Hang
all die Blumen, die verschiedenen Gräser und Kräuter. Insekten,
die Glocken der Tiere, Sonne auf der Haut, Wind in den Haaren tief
durchatmen ein letzter Blick auf die ruhig grasenden Kühe und zurück
zur Milchforschung. Was man auf dem Berg mit allen Sinnen wahrnimmt, ist nun
mit trockenen Zahlen und Analysewerten belegt: Alpenmilch ist gesund. Und
sie ist gesünder als die im Tal produzierte Milch.
Die Milch lebt und Alp ist nicht gleich Alp.
So brachten die Forschungsergebnisse je nach Alpbetrieb zum Teil recht unterschiedliche
Resultate. Das führt man vor allem auf Faktoren wie Höhenlage der
Weiden, Bodenbeschaffenheit, Pflanzenvielfalt und auf das Klima zurück.
Einheitlich waren dagegen die Ergebnisse vom Talgebiet, was wenig erstaunt,
denn die Fütterung ist dort land auf land ab uniform. Die beschriebenen Forschungsergebnisse sprechen
klar für die Sömmerung in den Alpen. Es geht dabei um mehr als «nur»
landschaftspflegerische oder touristische Aufgaben. Ein derart wertvolles
gesundes Nahrungsmittel wie die Alpenmilch (und die entsprechenden Produkte)
ist einzigartig und unersetzlich. Dass dank den neueren Forschungen jetzt
klare Argumente auf dem Tisch liegen, könnte Rückenwind für
die Alpwirtschaft bedeuten. Denkbar wäre ein Alplabel mit dem man den
Konsumentinnen und Konsumenten die Vorzüge von Alpmilchprodukten kommunizieren
könnte. In Wissenschaftskreisen zieht man andere Schlüsse: Jetzt
wird geforscht, wie man im Talgebiet die Fütterung ergänzen könnte,
um auf ähnliche Resultate wie im Berggebiet zu kommen. Zur Zeit wird
unter anderem der Einsatz von Ölsaaten, zum Beispiel Raps geprüft.
«Es wäre für die schweizerische Milchwirtschaft höchst
interessant, wenn die Vorteile der Alpkräuter auf Weidegräser in
tieferen Lagen übertragen werden könnten», ist in der Zeitschrift
«Agrarforschung» zu lesen. |
||
|
||
|
Ausführlich nachzulesen sind die Studienergebnisse in der Zeitschrift «Agrarforschung» Band 8, Nr. 10 und Band 9 Nr. 2. (Hrsg. Bundesamt für Landwirtschaft) |