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Gut zu Fuss?
Bezirkstierarzt Bernhard Semadeni aus Andeer referierte über
Klauenprobleme, einer jährlichen Plage für uns Älplerinnen
und Älpler. Kühe sind auf der Alp viel unterwegs, und das noch auf
steinigen Wegen bei Hitze, Regen, Kälte und Schnee. Da ist es kein Wunder,
dass der Tierarzt zu über 90% wegen Klauenkrankheiten auf die Alp gerufen
wird. Dass er sich dadurch zu einem Klauenexperten entwickelt, versteht sich
von selbst und so einen Experten hatten wir in Andeer vor uns stehen. Klauengeschwüre,
Panaritium, eingetretene Steinchen oder Verletzungen, immer ist auf der Alp
der Tierarzt zur Stelle, wenn das Alppersonal nach der ersten Hilfe nicht
mehr weiter weiss oder das Tier Medikamente zur Genesung braucht. Und wenn
ein Tier wirklich nicht mehr richtig gesunden will, muss es «runter»
auf die Heimweiden, wo es intensiver gepflegt werden kann als auf der Alp.
Alpsommer, in denen kein Tier von der Alp muss, sind heute selten geworden.
Sirtenkultur?
Dass aus Milch Käse wird und dann noch ein Käse, der schmeckt, dafür
sind unter anderem Kulturen verantwortlich. Unter Kulturen versteht man bei
der Milchverarbeitung spezielle Milchsäurebakterien, die den Milchzucker
der Milch zu Milchsäure verwandeln. Diese Kulturen werden wöchentlich
aus einem Labor in Liebefeld bei Bern auf die Alpen geschickt, wo sie vom
Alppersonal täglich weitergezüchtet werden, um sie beim Käsen
einsetzen zu können. Doch wie war das früher, als es noch keine
Labors und «Weisskittel» gab?
«Früher haben sie alle auf der Alp mit Kulturen gekäst, nur
haben sie es nicht gewusst!» Koni Sutter, Milchinspektor aus der Innerschwyz,
erzählte mit Herzblut, wie in seiner Heimat noch heute gekäst wird
und alles ohne Kulturenfläschli aus Liebefeld. «Die Herstellung
unserer eigenen Sirtenkultur, die wir zum Käsen verwenden, ist eben lange
überlieferte Handwerkskunst und Anfängern in der Alpszene nicht
zu empfehlen. Bei uns gehen die Älpler viele Jahre auf die gleiche Alp,
da können sie ihr Handwerk lernen.»
Die Situation in Graubünden ist eine andere. Hier gibt es grosse Alpen
mit hohen Viehbeständen, starker Personalwechsel und eine andere Käseart.
Ruedi Amrein von der Forschungsanstalt in Liebefeld erklärte die Herstellung
der Sirtenkultur aus bakteriologischer Sicht, wer sich wann und wie und wie
viel vermehrt. Genauestes Arbeiten in den Bereichen Hygiene und Temperaturen
und ein beobachtendes Auge bei der täglichen Käseproduktion sind
Voraussetzungen für ein optimales Gelingen und ein schmackhaftes Resultat.
Dass sich der Einsatz der Sirtenkultur im Spannungsfeld von Tradition und
Sicherheit befindet, wurde durch diese beiden Referenten sehr deutlich. Der
Älpler Christian Schläpfer schaffte es mit seinem Vortrag, diesen
Bogen zwischen Tradition und Sicherheit zu spannen. «Das Käsereihandwerk
in seiner ganzen Fülle auskosten ist eine Herausforderung für einige
Sennerinnen oder Sennen. Bedingung ist jedoch reichlich Erfahrung.»
Traditionell werden Sirtenkulturen heute vor allem im Hartkäsebereich
eingesetzt, also bei Sbrinz, Greyerzer oder Hobelkäse.
Zum Abschluss wurde den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der «Andeerer
Gourmet» vorgestellt, ein Vollmilchkäse aus Rohmilch, hergestellt
unter anderem mit Hilfe von Sirtenkultur. Und wo dieser Käse hergestellt
wird, das konnten sich die ÄlplerInnen im Anschluss selbst in der Sennerei
Andeer anschauen.
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