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Sie hatte Augen, die zu denken schienen... Text M.M. |
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Sie waren noch keine acht Tage hier oben. Keine acht Tage. Und sie kannten sich nur wenig. Sahen sich auch nur wenig. Meist nur abends, beim Essen. Er schlief in seiner eigenen Hütte. Gute zwanzig Minuten zu gehen, - wenn nicht Schnee lag. Lange Zeit hatte sie ihn beobachtet... eines Abends, beim Essen. Lange Zeit. Nachdenklich. Sehr nachdenklich. Wusste, dass er das bemerkt hatte. Und sie beobachtete ihn auch anderntags, und die Tage darauf, jeweils beim Abendessen. - Sie hatte Augen, die zu denken schienen. Er ging nicht darauf ein. Wollte nicht Unruhe unter die andern bringen, in den ersten Tagen schon. Wusste aber, dass sie sich nicht einfach einschmeicheln wollte, dass das nicht ihre Art war. Wusste, dass sie sich vielmehr einfühlen, einstimmen wollte, - in seine Welt; diese zu verstehen. Vielleicht auch, weil er ihr beistand, kürzlich, als einer der Alpleute ihr zu nahe treten wollte. Sie verbreitete Fröhlichkeit, Leichtigkeit - und Wärme. Nicht aufdringlich. Einfach so. Wenn die Sonne schien, strahlte alles noch heller, und wenn es regnete, stürmte, schneite, war die Wärme des Feuers in der Hütte noch behaglicher, wenn sie zugegen war. Immer, wenn sie zugegen war. Sie war nicht das erste Mal zAlp. Half schon früher ab und zu da oben dem alten Senn, wenn er in Verlegenheit war. Und Arbeit war ihr keine zu gering oder zuviel. War eben schon ein Kind von hier oben. Man sah es ihr nicht an. Nicht auf den ersten Blick. Auch in ihren Jeans nicht, ihrem grauen Pullover nicht, den sie, einfach so, auf der nackten Haut trug; ...und manchmal barfuss ging. - Sie war einfach schön, ihre Einfachheit war so schön. So halt waren ihre Augen, Haare, die Linien ihres Körpers, ihre warme Stimme... und der Gehalt ihrer Worte, wenn sie etwas zu sagen hatte. Im Traum stand sie vor ihm, dann eines Nachts, in ihren Jeans, ihrem grauen Pullover.., legte zärtlich ihre Arme um ihn, liess ihn leise ihre Lippen spüren, ganz fein, ganz fein. Und von dieser Stunde an überkam ihn die Sehnsucht, einmal allein mit ihr zu sein, ganz allein, für etwas längere Zeit. Vertraut zusammenzusitzen, ihre Gegenwart zu geniessen, ...sich vielleicht zu berühren, zu umarmen; vielleicht oben am Seeli bei den Rindern einmal, dachte er. - Die Zeit soll es bringen, wenn sie reif sein wird, dachte er. Immer wieder dachte er das. Sie aber, sie liebte es, manchmal allein für sich zu sein auf dem Bänklein vor der Hütte. Bei sich zu sein, ganz bei sich, für eine Weile... eine kleine Weile. - Und, als sie einmal so ihren Gedanken nachhing, auf dem Bänklein unter der Abendsonne, erinnerte sie sich an den Hirten und wie er ihr kürzlich geholfen hatte, so liebevoll, so stark, als einer der Alpleute... Und es wurde ihr plötzlich klar, dass sie diesen Hirten mochte, sehr gut mochte. Obwohl sie nicht viel von ihm wusste; ja, dass er früher, vor Jahren schon, öfter gehütet hatte hier oben, dass er in der Stadt seiner Arbeit nachging, dass er wieder einmal ausspannen, sein Ich leben wollte, ...dass er allein war. Er hatte eben etwas so Besonderes, Männliches an sich, wie er so war, seine Sachen erledigte, kam und ging. Ja, sie mochte ihn. Und mit diesen Gedanken kehrte sie zurück in die Hütte, machte sich an den Herd, richtete das Abendessen. Sie legte gerade Holz nach ins Feuer, als er plötzlich unter der Tür stand, etwas früher als gewohnt. Eine kleine Rauchwolke stieg aus dem Herd, verweilte zwischen ihren Blicken, längere Zeit; und schien ihre Gedanken aufzunehmen, weiterzugeben, zu verbinden... das Unausgesprochene. Kurze Weil stand er wie versteinert da. Sie wandte sich wieder dem Herd zu, leise lächelnd. Bis er zu ihr sprach, dass sie schön sei, anders als andere, dass es ihm wohl sei, hier in der Hütte bei ihr zu sein. Sie schaute nur kurz zurück..., und wieder ging diese Lieblichkeit von ihr aus, füllte den Raum. Er fand keine Worte mehr. Setzte sich, sah ihr zu, wie sie das Essen zubereitete, den Tisch richtete. Sah einfach zu... einfach zu..., bis die andern kamen. - Dachte nur wieder, die Zeit würde es bringen, wenn sie reif sein wird. Sie würde es schon bringen, die Zeit. Sie gab es ihm zu verstehen, eines Tages, als die Zeit reif war. Traf ihn
bei den Ställen, als er gerade das Heu einbrachte für die schlechten
Tage. Sie gab es ihm zu verstehen; auf ihre Art... Und, als sie sich trennten,
nach nur wenigen, heimlichen Augenblicken, sich nur kurz und etwas zögerlich
die Hände liebkosten, hatten sie sich verabredet, für morgen, oben
am Seeli bei den Rindern; - wenn die Sonne dann auch wieder scheinen würde. Sie war so einmalig, so hinreissend. Folgte ihm auch ohne Zögern ins eiskalte Wasser, schwamm ein paar Züge mit ihm, liess sich aufwärmen in seinen Armen. Eine zärtliche Geliebte war sie. Und schön, sehr schön war sie, - ohne die Jeans, den grauen Pullover, den sie sonst, einfach so, auf der nackten Haut trug... |
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