Freu dich aufs Alter - rette ein Tal
     
 


Am 17. Mai wurde die Gewässerschutzinitiative abgelehnt und das Gewässerschutzgesetz angenommen. Was nützt das den Menschen und Tieren in den Bergen? Was bringt's den Flüssen und Hochtälern, die noch heute in Stauseen ersäuft werden sollen?
 
    

Mit der Gewässerschutzinitiative wäre es wahr geworden: Schutz der wenigen, natürlich verbliebenen Flussabschnitte. Und allen heute schon genutzten Gewässern hätten die Kraftwerke genau soviel Wasser geben müssen, wie Fische und Uferpflanzen zum leben benötigen. Eine so sinnvolle Initiative konnte die Elektrizitätsindustrie nur mit einem Trick bekämpfen: Sie ergriff das Referendum gegen das Gesetz (das sie zuvor noch unterstützt hatte), gab die zweimal-nein-Parole und errechnete sich, was genauso eintrat:
Die Stimmbevölkerung machte den Kompromiss gleich beim Ausfüllen der Stimmzettel und sagte nur zum Gesetz ja. Mit ihm haben wir gar nichts in der Hand für den Schutz der Hochtäler vor Stauseen. Denn für Gewässer über 1700 Metern gilt vor allem etwas: Ausnahmebestimmungen, die den Kraftwerken dienen.
Mit dem angenommenen Gesetz erhalten wir auf allen Alpen und in den Tälern, wo zurzeit gar oder fast nichts rinnt erst bei Ablauf der bestehenden Kraftwerkskonzessionen eine Restwassererhöhung. Das heisst in den Alpen durchs Band in den Jahren 2020 bis 2070. Wir werden glatzköpfige Greise und schrullige Weise sein, wenn's in der Via Mala endlich wieder rauscht und wir unseren Kindeskindern zumümmeln: «Daff habt ihr unf zu verdanken.»
Vorher gilt es, den grauen Haaren selber Vorschub zu leisten und sich den einen oder anderen Zahn an drohenden Betonmauern auszubeissen. Noch gibt es Alpenkrachen, wo Berghexen und Moorgeister Sachen machen und miteinander saftigsumpfig lachen. Da gilt's anzupacken:
 

 

    

Val Madris/Avers
Der Pumpspeichersee von NOK, EWZ, mw Montedison (1) und anderen darf hier nicht gebaut werden! Auf den Alpen Preda und Sovrana liegt ein Flachmoor von nationaler Bedeutung. Die Frage ist nur, ob das Adolf Ogi, der Energieminister, und seine 6 Kollegen auch akzeptieren. Der Stausee-Entscheid wurde von den Gemeinden weg zum Bundesrat verschoben. Den Flachmoor-Entscheid fällt er diesen Herbst. Graubündens Bau- & Energierungsrat Luzi Bärtsch will den Pumpspeicher durchdrücken. Bäuerinnen und Bauern veranstalten am 9. August ein bodenständiges Alpfest auf der Kuhalp Preda: Gerstensuppe und Alpkäse, Musik und Tanz fürs Leben im Madris. Mit Zelt und einem Bündel Holz heisst's am 8. August zuallerhinterst im Tal: Feuer auf den Alpen!
Arbeitsgruppe Val Madris-Curciusa, 7448 Avers-Juf)
 

 
    

Val Curciusa/Rheinwald
Nicht weit vom Madris entfernt wartet die Curciusa auf den definitiven Entscheid des Bundesgerichts.
Anfangs Juli nehmen die Richter dort einen Augenschein. Am 1. August gibt's einen Lokaltermin mit dem WWF Graubünden und «TransALPedes».
(WWF-GR, Postfach 747, 7002 Chur)
 

 
    

Lago Bianco/Berninapass
Die Kraftwerke Brusio AG haben ihr neustes Projekt nach jahrelangem Hin und Her ausgetüftelt und ausgetestet. Es soll einen umwelt- und tourismusverträglichen Höherstau des Lago Bianco geben, mit Zerstörung des Cambrena-Deltas und Verlegung der RhB. Noch liegen die Umweltverträglichkeitsberichte beim kantonalen Energiedelegierten, top secret. Die Puschlaver- und Pontresinerlnnen der «Pro Bernina-Palü» (7742 Poschiavo) laden auf den 8. August ein auf den Berninapass, zu Fest und Feuer.
 

 
    

Grimsel/Oberhasli
Auch hier hat das neue Gewässerschutzgesetz praktisch keinen Einfluss. Das gigantische Projekt mit Gletscherabschmelzung und Naturschutzgebietzerstörung zeigt exemplarisch auf, wie gut die Elektrizitätslobby im Parlament das Gesetz auf ihre Bedürfnisse zurechtgestutzt hat.
Es gibt noch Chancen für die Rettung. Nachuntersuchungen zum Umweltverträglichkeitsbericht, vom Kanton Bern angeordnet, müssen die Auswirkungen der Aare entlang bis nach Bern überprüfen. Das gibt zwei Jahre Verschnaufpause. Die Moorlandschaft «Sunnige Aar» im Stauseegebiet ist gemäss Inventar die einzige unbeweidete alpine Moorlandschaft von nationaler Bedeutung. Zurzeit ist das Inventar in Vernehmlassung und unter politischem Beschuss. Die Aareschutz-lnitiative, deren kantonale Abstimmung bevorsteht, würde die Grimselzerstörung abwenden. Der Grimselverein (3860 Meiringen) lädt auf den 8. 8. zum Feuer auf dem Sidelhorn.
 

 
    

Insgesamt 15 Projekte für Pumpspeicher- und Flusskraftwerke sind allein in Graubünden aktuell und kommen jetzt in ihre Endphase! Darunter sind so aberwitzige - aber vollkommen reale - wie die Verlegung des Rheins in den Calanda, von Ems und an Chur vorbei bis nach Mastrils bei Landquart. Oder die Stauung des Glenners im Lugnez, mit dem Reom im Val Müstair einer der letzten Talflüsse der Schweiz, wo noch Urgewalten rauschen und nicht Restwasser rinnen. Auf Mithilfe angewiesen ist man überall! Kontaktadressen sind die Sektionen von Naturschutzbund und WWF. Alleingelassen bleibt in den kommenden Jahren kein Bach, kein Fluss am Leben. Also gilt es heute dafür einzustehen und hinzugehen für's Leben am Fluss.

ks

 

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