Gentech und Viehzucht3. Hohenheimer ÄlplerInnentreffen
     
 

Am Wochenende 3/4. April trafen sich zum dritten Mal ca 50 Älplerlnnen in der Thomas-Münzer-Scheuer in Stuttgart Hohenheim. Es wurden drei Arbeitsgruppen mit folgenden Themen gebildet:

  • Infos für «Alpfrischlinge»
  • Lohnproblematik aus unterschiedlichem Blickwinkel
  • Hierarchien auf der Alp

Die Arbeitsgruppen tagten bis zum Abendessen.
Mit dem Film «Wir Bergler in den Bergen sind nicht schuld, dass wir da sind» von Fredi Murer wurde dann der gemütliche Teil eingeleitet.
Am Sonntag wurden die Ergebnisse, der Diskussionsstand der drei Arbeitsgruppen im Plenum vorgetragen:

1  Das Informationsangebot in der Gruppe für Neulinge wurde als sehr hilfreich und wichtig empfunden, solch eine Gruppe sollte es auf jedem Älplerlnnentreffen geben.

2  In der Lohngruppe war vor allem diskutiert worden, ob steigende Lohnforderungen angesichts der sich verschlechternden Lage der Landwirtschaft vertretbar sind.
Voraussetzung für eine sinnvolle Diskussion wäre, dass wir uns wirklich über die wirtschaftliche und politische Situation der Bäuerinnen und Bauern informieren, vor allem was die anstehenden tiefgreifenden Veränderungen durch GATT und EG angeht.

Das heisst jedoch nicht, dass wir auf unsere Lohnforderungen verzichten können (Anpassung an die Richtlöhne und jährlicher Teuerungsausgleich), da unsere Lebenshaltungskosten ebenso ansteigen. Durch einen freiwilligen Lohnverzicht würden wir nur den politischen Druck, der auf die Landwirtschaft ausgeübt wird, ausbaden, da wir ohnehin auf der untersten Stufe der Hierarchie stehen. Ausserdem gilt leider auch hier: «Was nix kostet, ist nix wert». Eine angemessene Bezahlung stellt nämlich auch eine Wertschätzung unserer Arbeit dar. Die Lohnverhandlungen sind dabei für beide Seiten eine Möglichkeit, sich über die wirtschaftliche Situation des Anderen klarzuwerden, das heisst, dass wir die Bäuerinnen und Bauern auch mehr mit unserer Situation konfrontieren müssten.
Ein weiteres Problem ergibt sich aus den unterschiedlichen Ansprüchen der ÄlplerInnen an die Alpzeit: Während die Einen auf den Alplohn als Lebensunterhalt angewiesen sind, stellt er für die Anderen eine erfreuliche Ergänzung zur interessanten «Erfahrung Alp» dar. Dadurch entsteht die Gefahr eines ungewollten Lohndumpings. Als eine Möglichkeit zur Lösung des Lohnproblems wurde diskutiert, andere Nutzniesser der Alpwirtschaft (z.B. Tourismusverbände, Landschaftsschutz, usw.) zur Finanzierung der Alplöhne heranzuziehen. Zur Durchsetzung solcher Ideen wäre allerdings eine starke Lobby vonnöten, die es im Moment noch (?) nicht gibt.

3  Die Hierarchiegruppe konnte für ihr Problem auch keine Patentlösung bieten. Althergebrachte Hierarchievorstellungen sind auch in unseren Köpfen noch genug vorhanden. Wir stellen diese Hierarchien zwar in Frage, müssen aber feststellen, dass häufig innerhalb der Gruppe sehr schnell einE ChefIn entsteht. Auch die Bauern verlangen häufig nach klaren Ansprechpartnerlnnen «Wo ist der Senn?» Aus dieser Situation ergibt sich die Frage, ob manche Arbeiten auf der Alp mehr wert sind als andere und ob durch die Wichtigkeit des Käses der/die SennErin zwingend auch ChefIn sein muss. Daraus ergibt sich wiederum die Frage, wonach Arbeit bewertet werden soll: Nach dem Einsatz der Einzelnen oder nach dem erbrachten Ergebnis? EineE AlpneulingIn wird trotz vollem Einsatz selten das gleiche Ergebnis erbringen können wie einE alterR HäsIn. Leistet sie/er deshalb weniger? Sollte er/sie weniger Lohn bekommen?

Alle waren sich einig, dass Antje und Dieter das Treffen sehr gut und mit viel persönlichem Einsatz organisiert hatten. Dafür gabs einen Extra-Beifall.
Das nächste Treffen soll vorraussichtlich Anfang April in Witzenhausen bei Kassel stattfinden.
Ein erster Themenvorschlag für eine Arbeitsgruppe lautet: Situation und Probleme von Ex-ÄlplerInnen.

r/a/s
 

 


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