Lettre du Jura
     
 


Das Projekt eines «Centre d'études, essaies et normalisation de transport routiers» (Autotestzentrum), das inmitten der Naturlandschaft des Jura, auf der französischen Seite, angelegt werden soll, verursacht Aufregung und Widerstand auf beiden Seiten der Grenze. Der Zweckentfremdung landwirtschaftlicher Räume scheinen keine Grenzen gesetzt!
 

 

In der Gegend vom Mont d'Or treffen sich die Hirtinnen und Hirten am Freitag auf dem Markt in Mouthe für den Wocheneinkauf und vor allem, um sich im «Café du Commerce» zu treffen. Bis Ende Juli reden wir von Kuh, Rind und Geiss ... nachher von den vielen Besuchen, den verständigen und den unverständigen.
Ende August wurden wir von einer Neuigkeit aufgerüttelt. Auf verschiedenen Weiden in der Gegend von «Mimi» wurden Leute mit Messgeräten beobachtet, welche nicht gesehen werden wollten. Als sie gefragt wurden, erklärten sie, Langlaufloipen zu vermessen. Doch wir kennen den Ort und das Langlaufen genügend, um an ihrer Antwort zu zweifeln. Zudem wurde eine Wasser- und Elektrizitätsleitung ins «Nichts» gelegt. In der gleichen Zeit erhält ein Sportlehrer in Mouthe, ein engagierter Naturschützer, ein anonymes Telefon und bald darauf fix und fertige Pläne von einem Projekt, das auf diesen Weiden eine Testanlage für Automobile vorsieht (Centre d'études, essais et normalisation de transports routiers). Die Pläne sehen auf 400 ha Pisten, Gebäude, Heliport etc. vor, welche das Gebiet mit Dreck und Lärm zerstören sollen.

Stellt euch vor, ihr hütet eure Rinder entlang eines 5 Meter hohen Zaunes mit Sichtblenden, drüben Industriegelände und hier Wald und Weiden mit Auerhähnen und anderen vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten. Und das alles mitten im Risoux, einem der letzten zusammenhängenden Wälder ... und keine Weiden mehr, keine Tiere, keine Hirten!

Uns bleibt der Croissant im Halse stecken, als wir dies alles am Markt erfahren. Wir beginnen sofort zu diskutieren und sind uns bald einig, dass wir handeln wollen. Wir schlagen vor, ein Treffen vor Ort zu organisieren. M. Létoublanc (besagter Lehrer) findet die Idee ausgezeichnet und freut sich, dass die Hirten und Hirtinnen als erste etwas unternehmen wollen. Fünf Tage später treffen wir uns, unterdessen 30 Hirtinnen und Hirten, um das Treffen vom 29. September und eine Unterschriftensammlung zu organisieren. Bisher trafen wir uns nur am Sommerfest und Hirtenessen im Herbst, jetzt wo wir alles vorbereiten, lernen wir andere Seiten voneinander kennen. Oft waren wir überrascht von den vielen unvermuteten Talenten, die da entdeckt und gelebt wurden... und vor allem hat jedes Treffen, jede Aktion, das Unterschriftensammeln, Plakatekleben Theaterstücke üben Spass gemacht.

Das Treffen wird ein Erfolg: 2000 Menschen kommen und das bei strömendem Regen! In Mouthe wird ein 31-köpfiges Komitee gegründet, in dem auch 4 Hirten und Hirtinnen vertreten sind. Im November wird auch in der Vallée de Joux und Vallorbe ein Komitee gegründet. Zusätzlich die Gruppen der Hirtinnen und Hirten. Alle kämpfen gemeinsam für die Erhaltung dieses schönen Ortes. Ende Dezember ist wieder ein grosses Treffen mit einigen Tausend Menschen!
Unterdessen kam unser Anliegen ausgiebig am französischen Fernsehen und in den grossen nationalen Zeitungen und auch in der Schweizer, vor allem der Welschen Presse. Bis jetzt wurden fast 40'000 Unterschriften gesammelt, und es treffen jeden Tag neue ein.

Da es die öffentliche Hand (Gonseil général du Haut-Doubs) ist, die das Land zu völlig überrissenen Preisen gekauft hat, um es dann der Privatwirtschaft als Investitionsobjekt vorzuschlagen, waren die letzten Regionalwahlen sehr wichtig. Die alte Garde wurde nur ganz knapp wiedergewählt. Im Augenblick ist das Projekt noch immer aktuell, dies obwohl Umweltstudien von der Universität Besançon besagen, dass das Wasser vom Gelände direkt zur Quelle des Doubs fliesst!
Wir Hirten sind auch darüber besorgt, was geschehen wird, wenn dieses Projekt nicht realisiert wird, in Mouthe hat es einige Anhänger des Massentourismus! Von den grünen Abgeordneten wurde vorgeschlagen, die ganze Gegend Risoux-Mont d'Or als europäisches Naturschutzgebiet zu deklarieren. Dazu wurden auch schon Schritte in Brüsssel unternommen, doch den letzten Segen zu dieser Wahl müsste von der regionalen Regierung kommen, und im Augenblick ist das nicht sicher, ausser es käme genug Druck von der Bevölkerung und der Zentralregierung. Der Bevölkerung werden massive Steuersenkungen und Arbeitsplätze versprochen, trotzdem hat der grösste Teil die Petition unterschrieben und das, obwohl viele Bewohner als Grenzgänger in der Schweiz Arbeit finden.

Diesen Sommer werden wir wieder ein ganz grosses Treffen organisieren. Wir wollen beidseits der Grenze lnformationsstände aufstellen und gemeinsame Aktionen durchführen. Wir versuchen auch alles in einen grösseren Zusammenhang zu stellen. Warum gibt es eigentlich keine öffentlichen Verkehrsmittel zwischen Mouthe und der Vallée de Joux? und wir selber, die Hirtinnen und Hirten sind auch auf unsere Fahrzeuge angewiesen um uns zu treffen und zu verhindern, dass dieses Zentrum für die Automobilindustrie gebaut wird. Lauter Widersprüche, die es auch zu erkennen gilt, zu verstehen und zu verändern, und und und ...

gb

Comité de défense du site de «Chez Mimi»
7, Grande Rue, F-25240 Mouthe
 

 


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