Vom Blick nach oben
     
 


Vom Blick nach oben und vom Blick auf sich selbst.
Statt tatenlos zuzusehen, wie ihnen die wirtschaftliche Grundlage langsam aber sicher entzogen wird, taten sich die Bäuerinnen und Bauern von Lohn im Schams zusammen. Sie sind daran, ihre Betriebe auf Bio-Produktion umzustellen und gründeten eine Genossenschaft für die direkte Vermarktung von Weidefleisch.
 

 

Die Bauern und Bäuerinnen von Lohn stellen ihre Betriebe im Laufe dieses und der nächsten Jahre auf biologische Produktionsweise um. Lohn liegt am Schamserberg, einem traditionellen und bekannten Viehzuchtgebiet. Der Absatz kam aber ins Stocken. Sowohl die Preise für Zuchtrinder, als auch die Fleischpreise für Fresser sind in den letzten 2 Jahren in bedrohliche Tiefe gesunken. Die Betriebe sahen sich in ihrer Existenz bedroht. Das Vertrauen in die offizielle Landwirtschaftspolitik und den Bauernverband war verloren gegangen. Deren Gesinnungswandel in EG- und GATT-Fragen und ihre Position in der Frage der Gesundschrumpfung der hiesigen Landwirtschaft liess sie nicht mehr länger auf Lösungen von oben hoffen. Den Bauern und Bäuerinnen war klar geworden, dass es an der Zeit war, ihr Geschick in die eigenen Hände zu nehmen.

Das Ziel der Lohner Bäuerinnen und Bauern ist es, die Bedingungen der «Knospe», anerkanntes und kontrolliertes Markenzeichen für Produkte aus dem BioIandbau, zu erfüllen und ihre Produkte selber zu vermarkten. Die Umstellung ist nicht mit tiefgreifenden Veränderungen verbunden, da ihre Betriebe als Betriebe im Berggebiet bereits sehr ähnlich produzierten, wie es die Bedingungen der «Knospe» vorschreiben. Vielversprechend ist auch, dass nicht jeder Betrieb für sich umstellt, sondern das ganze Dorf gemeinsam: Die Bäuerinnen und Bauern taten sich zusammen und gründeten eine eigene Fleischvermarktungsgenossenschaft. So können sie stärker auftreten. Den traditionellen Betriebszweig Rinderzucht wollten sie teilweise nicht aufgeben, wohl aber den Verkauf der Fresser auf den üblichen Kanälen. Stattdessen kaufen sie die Fresser auf der Ausmerz über einen eigenen Viehhändler zurück und lassen die Tiere im Tal schlachten. Im Dorf selber zerlegen sie das Fleisch weiter und packen es für die direkte Vermarktung ab. Dazu mussten sie einen Raum entsprechend einrichten und eine Verpackungsmaschine anschaffen. Der Vertrieb des Fleisches an Konsumenten und Konsumentinnen in und ausserhalb des Tales bleibt Sache der einzelnen Betriebe.

Unterstützt wurden die Lohnerinnen und Lohner von ihrem im Bio-Landbau versierten landwirtschaftlichen Berater. Sie konnten auch auf die Vorarbeit und die Erfahrungen in Direktvermarktung der KAG zurückgreifen. Begünstigt wurde die Umstellung auch dadurch, dass auf vielen Betrieben ein Generationenwechsel stattfindet. Nicht zuletzt spielt die Tatsache eine Rolle, dass auswärtige Frauen als Bäuerinnen auf den Häfen arbeiten und neue Ideen einbringen konnten.
Inzwischen schliessen sich auch andere Schamser-Betriebe den Lohnern an und auch auf kantonaler Ebene versuchen Bio-Betriebe zusammenzuarbeiten.

fm/bm
 

 


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