Gruppe Baumaterialien
     
 


Die IG Alp ist eine Interessengemeinschaft, weil sie sich keinen Vereinsstrukturen unterwerfen will – die offene Form der IG ist aber auch Programm. In themenbezogenen Arbeitsgruppen behandeln ÄlplerInnen Fragen, Konzepte und Forderungen, die in der Kerngruppe weiterdiskutiert werden. Die Teilautonomie der verschiedenen Gruppen bietet Effizienz und verlangt Verantwortung, kommt also der Älplernatur besonders entgegen.
 

IG Alp-Spezial

            In den letzten 10–20 Jahren wurden viele der Bündner Kuhalpgebäude renoviert. Hinzu kommen einige neuerbaute Alpgebäude. Das Raumklima in Sennereien inkl. Milch und Käsekeller hat sich durch die Verwendung von «modernen Baumaterialien» teilweise bis völlig verändert.
Die QS-Alp Vorschriften schreiben für Lebensmittel verarbeitende Betriebe z.B. abwaschbare Wände vor. Nirgends werden Baumaterialien vorgeschrieben. Die Entscheidungsträger über die Baumaterialien sind BesitzerInnen, PlanerInnen und Milchinspektoren.
Unsere Alpgebäude – einerseits durch ihren Standort (hochalpine Klimazone) und anderseits durch ihre entsprechende Nutzung als Sennerei – sind enormen Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen ausgesetzt. Sie reagieren sehr schnell und empfindlich auf nicht optimal gewählte Baumaterialien. Häufig treten Schäden durch Disharmonien auf. Damit nicht eine permanent feuchte Situation entsteht, ist es notwendig, dass die Bausubstanz viel Feuchtigkeit aufnehmen und schnell wieder abgeben kann. An einer Kunststoff vergüteten Wand (Putze und Farben) bzw. geplättelten Wand schlägt sich die hohe Luftfeuchtigkeit in Form von Wasser nieder und verursacht somit Schimmelpilze. Auch ein mit Fungiziden versetztes Material verhindert den Befall nicht, schiebt ihn nur auf, vergleichbar mit einem Analgeticum (Schmerzmittel), das nur vorübergehend Schmerzen lindern kann, nicht aber den Heilungsprozess ausführt.

            Schlechtes Raumklima im Käsekeller, Schimmelpilze und andere botanische Formen an Decken oder geplättelten Gipswänden sind sicher nicht im Sinne der QS-Alp-Vorschrift, sondern ein Missachten physikalischer Gesetze. Gemäss QS-Verordnung Art. 60 Abs. 4 müssen beim Auftreten von Schimmel die betroffenen Oberflächen gegebenenfalls mit Schimmelschutzfarbe gestrichen werden. Dies steht jedoch im Gegensatz zum Artikel 60 Abs. 1, wo die Materialien keine schädlichen Stoffe an die Umwelt abgeben dürfen. Schimmelschutzfarben enthalten Fungizide, die in 1–2 Jahren aus der Farbe an die Umwelt ausgeschieden werden.
Heute haben SennInnen mit Folgeproblemen zu tun, die durch besseres Planen zu verhindern gewesen wären. Ich als ehemalige Sennerin und baubiologisch denkende Handwerkerin möchte weitere Schäden verhindern und bestehende Situationen verbessern helfen. Wer sich intensiver über bauphysikalische Vorgänge informieren will, kann bei mir eine Infoschrift bestellen. Unter der Telefonnummer 081 323 33 01 oder 079 440 86 74 gebe ich gerne Auskunft.

             Um einen Überblick über die vorhandene Situation in renovierten Sennereien zu bekommen, möchte ich eine Bestandesaufnahme des baulichen Zustandes auf möglichst vielen Kuhalpen machen (siehe Bestandesaufnahme). Dazu brauche ich eure Hilfe, beziehungsweise eure Mitteilung über Raumklima und allfällige Schäden. Die Daten sollen zusammengefasst werden und Ausgangspunkt für die weitere Beratung sein.

            Die Bauberatung hat eine grosse Wichtigkeit. Bisher konnten wir von der Baugruppe an Baukommissionssitzungen der Alp Ozur in Tiefencastel und der Alp Prada in Surcuolm teilnehmen. Bauherren und Architekten waren dankbar für die wertvollen Tipps, die wir als PraktikerInnen einbringen konnten, doch fiel uns auf, dass diese über die QS- Alp Vorschriften nicht genügend Bescheid wussten. Durch die Kontakte zu den Baukommissionen, Bauern (Alpgenossenschaften), ArchitektInnen und der Denkmalpflege hoffen wir, das baubiologische Bewusstsein zu fördern und dadurch weitere Schäden infolge falscher Materialien zu verhindern. May-Britt Meisser

Kontaktadresse:
May-Britt Meisser, Plandadein, 7215 Fanas, Tel. 081-325 33 01

Bestandesaufnahme der Einrichtungen und Bausubstanz von Sennalpen
Wer die vordefinierte Ausfüllliste zur Bestandesaufnahme haben will, kann sich diesen Wunsch mit einem Klick verwirklichen. Die Liste im PDF-Format zum Ausdrucken ist hier erhältlich.

 

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