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Bin die Älteste hieroben... von M. M. |
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Bin
von uns Braunen die dunkelste, drum halt mein Name. Die
Sennen: Ich
hatte ihn ja gewarnt. Er aber verstand es nicht. Mein Pur verstand
mich, seine Kinder, viele konnten mich verstehen, wenn ich ein Zeichen
gab. Er aber war eben dumm, dümmer als sein schlecht gemachter Chäs.
Was blieb mir da anders übrig. Einige
Sennerinnen waren da nicht viel besser. Vielleicht etwas fiiner,
teils aber noch gröber, ohoohh!! Die eine, die «Lisa»,
war aber der bare Engel. Mit der konnte ich sogar schwätzen. Sie
war zu allen lieb, sehr lieb. Verweilte viel bei dieser oder jener Kollegin;
längere Zeit, und sie hatten Zwiegespräch. Viel und lange halt
auch mit mir. Sie streichelte uns lieb, anders als die andern. Wir spürten
ihr Herz dabei...so schön und ruhig klopfen. Als wir im September
hinunter mussten, und sie noch zurückblieb, hatten viele von uns
Tränen. Ich selbst trolte einige Male fast um, weil es mich richtig
schüttelte, weil ich das Brieggen verklemmen wollte, und dann vor
lauter Augenwasser die Löcher und Steine des Weges nicht dort sah,
wo sie wirklich waren. Lisa heiratete dann und kam nicht mehr. Der Bläss
sagte mir, sie sei in Kanadien oder so. Hoffentlich hat sie einen lieben
Mann, die Hübsche. Ja, das war sie. Hübsch! Und unter
uns: Sie hatte so warme, weiche Hände, schöne. Nicht so steife,
dreckige. Und wenn sie mich küsste...oh wie das wohltat. Ihr aber
sicher auch, sie drückte mich nämlich immer so lange und schloss
dabei ihre lustigen Augen. Manchmal tat es mir sogar weh, hatte kaum mehr
Schnuuf. Nahm das aber gerne in Kauf, und wie. Die
HirtInnen: Ein
Hirt war ein besonders lieber Kerl. Gross, dünn, feinnervig,
auch in der Seele. Weisse Haut, grosse, ängstliche Augen, zarte Finger,
wie so ein Künstler. Ein Städter. Studierte Medizin;
aber nicht für Tiere, von diesen hatte er Angst. Er wollte zAlp
gehen um fit und stark zu werden, Kondition oder sowas. Wenn ihr mich
fragt, wollte er ein Mann werden. Wegen ihm hatte ich auch schon Tränen,
weil es mich so rührte oder ich lachen musste. Er gab sich soo Mühe,
rannte bergauf, bergab, fiel querhin, vornüber, verlor den Stecken,
kotzte halb und hatte die Herde trotzdem nie beisammen. Abends half ihm
amigs der Bläss, sonst wäre da wohl nichts gegangen. Dann hatte
er nur noch Durst, keinen Hunger. Er wurde noch mägerer und ging
dann, nach einer Woche, nach Hause. Der Bläss sagte mir neulich,
der sei jetzt Arzt in der Stadt, und zwar ein sehr guter. Ich werd ihn
nie vergessen. Er war so ein lieber Kerl. Wir haben alle viel Rücksicht
auf ihn genommen. Aber er seckelte einfach immer drauflos. Wir konnten
da noch lange extra stehenbleiben. Ja, er war wirklich ein ganz
lieber Kerl. Hat uns nie, nie geschlagen und, vor allem, nie gekrächzt,
so schrillhoch und andauernd, wie das Wib nach ihm. Ja,
so wars halt, und ists heute noch. Viele liebe Menschen
erlebte ich, und einige ganz liebe, und einige wenige habe ich halt vergessen;
die, die halt einfach keinen gscheiten Eindruck hinterliessen. Vielleicht kann ich nächsten Sommer nicht mehr hinauf. Mag nicht mehr so. Und die Sennen und HirtInnen hab ich auch nicht mehr so im Griff wie früher, bin nur noch «die Alte». Meine Kolleginnen haben mir schon gesagt, sie würden dann aber auch nicht mehr gehen. Ich sei halt schon so etwas wie ihre grosse Mutter. Und wenn nächstes Jahr wieder diese lieblosen Menschen kommen würden, dann würden sie ganz sicher nicht mehr hingehen. Ich habe ihnen dann schon zugeredet. Und ich werde meinem Tumasch auch zureden, dass unbedingt dann die vom vorletzten Jahr wieder kommen müssten, oder die, die vor 4 Jahren da waren, die waren wirklich lieb. Nur die vom letzten Jahr nicht. Er wirds schon richten. Er hört auf mich und ist schliesslich Alpmeister und überhaupt sehr geachtet im Dorf. Vielleicht
gehe ich dann doch nochmals hinauf, wenn ich mag, ... und es wirklich
sein muss. |