Die Vorgesetzten des Alppersonals sind weder gerissene Halsabschneider noch arme, bemitleidenswerte Bergbäuerlein. Heute heisst's, die Bauern sollen Unternehmergeist entwickeln. Also gilt es für die ArbeitnehmerInnen sich gut vorbereitet mit ihnen zum Vertragsgespräch zu treffen.
 

 
 
Checkliste Alpmeister
 von Kaspar Schuler  
 
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Mitnehmen: Landeskarte des Alpgebietes im Massstab 1:25'000, Notizheft, eigener oder kantonaler Muster-Alpvertrag (s. Adressen)
 

 

Tuchfühlung

 

Je weniger Du mit Bergbauernfamilien im Alltag zu tun hast, umso wichtiger ist, dass Du Dir wirklich Zeit nimmst, ihre Lebensweise und ihre Ansichten wahrzunehmen. Höre zu und frage nach.
Erzähle von Dir, packe mit an, wenn es möglich und erwünscht ist und wundere Dich nicht, wenn nicht gleich bei Eurer ersten Begegnung das Eis bricht. BerglerInnen fallen Dir kaum spontan um den Hals, doch wenn ein Grundvertrauen entstanden ist, gehen sie Schritt um Schritt auf Dich zu und lassen Dich auf der Alp auch nicht im Stich.
 

 

Alpzeit

Von wann bis wann dauert Deine Anstellung?

Wann kannst Du mit zäunen beginnen?
Wann kommt das Vieh (Alpaufzug)?
Wann geht das Vieh (Alpabzug)?
Wie lange darfst Du nach Alpabzug in der Hütte bleiben?

Wird die Hütte im September - oder gar vorher - auch von Jägern benützt?
 

 

 

Die Checklisten
sind erschienen in:

Neues Handbuch Alp
zalpverlag 2007

    Arbeit mit dem Vieh ^ 
Wieviele Tiere welcher Altersstufen sind auf der Alp?
- Ist ein Stier auf der Alp oder wird künstlich besamt?
Lass Dir die ungefähre Weideeinteilung auf einer Landkarte 1:25'000 zeigen.
- Gibt es schriftliche Aufzeichnungen von VorgängerInnen (Weideplan, Alpchronik)?
- Was ist bei Unwetter oder Schneefall auf den einzelnen Weiden vorzukehren? Wann wohin mit dem Vieh? Gibt es Stallungsmöglichkeiten, einen Heuvorrat? Wen benachrichtigen? Wer kommt wann zu Hilfe?

Erhältst Du einen Alprodel:? Das ist die Liste aller Bauernfamilien und ihrer Tiere. Sie enthält ihre Namen, Adressen und Telefonnummern, die generelle Tierkennzeichnung ihrer Gruppen (z.B. eingeschorene Nummer) und die persönliche Ohrmarkennummer jeden Tieres. Ideal ist, wenn die Tierliste aufgeteilt wird nach Kühen, Rindern, Mesen, Kälbern. Das ist zwingend, wenn Du diese Altersklassen in einzelnen Herden hütest. Den Alprodel solltest Du bei Alpaufzug vom Alpmeister erhalten.

Glocken: Beharre darauf, dass jedes Tier eine Glocke trägt.
 
  Zäunen
Wer erstellt welche Zäune, Grenzzäune? Helfen die Bauern?
- Wird das Zäunen separat entlöhnt?
Wer zeigt Zaunverlauf und Pfostendepots im Gelände? Welche Zaunarten kommen vor? Wer stellt Zaunwerkzeug und Zaunmaterial?
  Weitere Tiere
Wird Dir ein Saumpferd zur Verfügung gestellt? Wer bringt Zaumzeug & Sattel?
Darfst Du einen Hirtenhund einsetzen? Wer könnte einen Hirtenhund ausleihen?
Ist es OK, wenn Du Schweine, Federvieh etc. mitnimmst? Zu welchen Bedingungen?
 
  Werterhaltung & Ökologie
Sind zusätzliche Arbeiten zu verrichten? (z.B. Weiden von Steinen oder Buschwerk räumen, Misten, Trockenmauern wiederaufbauen, Roden, Blakten stechen etc.) Werden diese Arbeiten separat entlöhnt? Was eigentlich fair ist, da sie der langfristigen Werterhaltung der Alp dienen.
Mach doch die AlpmeisterIn auch auf die Stiftung Umwelteinsatz Schweiz (s. Adressen) aufmerksam. Dort hilft man der Alpgenossenschaft bei der Organisation von Freiwilligen-Einsätzen für solche Pflegemassnahmen.
 
  Krankheiten, Unfälle, Vieharzt
Was sind die üblichen Krankheiten und Unfälle auf dieser Alp?
Wer benachrichtigt den Tierarzt, das Alppersonal oder der Tierbesitzer?
Was ist zu tun, wenn eine Kuh verwirft? Wer muss benachrichtigt werden?
Wer bringt die Alpapotheke für das Vieh? Wer bezahlt sie?
 
  Milch und Melken
Wer stellt die Hirtkuh? Bewährt hat sich eine schriftliche Regelung im Alpvertrag, dass beispielsweise die Hirtkuh bis zum Alpabzug mindestens 2 Liter geben muss, andernfalls die Alpgenossenschaft zur Vergütung des Fehlbetrages verpflichtet ist. So erhältst Du eine Kuh, die wirklich bis Ende Sommer Deine Kachel füllt und keine, die während dem Alpsommer galt geht.
Wer bringt Melkstuhl, Melkeimer, Melkfett und evtl. das Zitzentauchmittel zur Euterpflege?
 
  Hütte und Stall
Gibt es mehrere Stafel? (Unter-, Mittel-, Obersäss)
Gibt es einen Stall, in welchem Zustand? Welche Anbindevorrichtungen?
- Wie wird gemolken, Standeimer, Rohrmelkanlage, Melkstand?
In welchem Zustand ist die Hütte? Ist sie für Familie mit Kindern geeignet?
Welche Raumaufteilung hat sie?
Wer geht vor Alpaufzug die Hütte auswintern? (Lüften, Wasser anschliessen) Wer wintert sie ein?
Was ist an Einrichtung vorhanden? (Trinkwasser, Art des Kochherdes, Heizung, Möblierung, Hausrat, Bettzeug)
      Ist ein Festnetz-Telefon vorhanden? Gibts Empfang für ein Mobiltelefon?  
      Wo kannst Du Deine Wäsche waschen? ^
           
 
   

Brennholz

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- Hat es trockenes Holz für den kommenden Sommer?
- Muss es noch gespalten werden?
- Wer rüstet neues für das nächste Jahr?
- Wer bringt das Werkzeug? (Motorsäge mit Öl und Benzin, Spalthammer, Spaltkeile, Axt, Beil)
 
  BesucherInnen
  Ein heikles Thema auf Kuhalpen, da die Alpgenossenschaft um ihre Milch, um Butter und Käse bangt, aber auch nicht knausrig dastehen will. Letztlich bedarf es grossen gegenseitigen Vertrauens, doch dafür ist Voraussetzung, dass das Thema genau und offen besprochen wird.
  Hier ist eine Möglichkeit für eine konkrete Vereinbarung im Alpvertrag:
  Nahe Familienmitglieder und PartnerInnen des Alppersonals essen während maximal 8 Tagen je Person kostenlos mit. Danach, andere BesucherInnen bereits ab dem 3. Tag, zahlen sie Dir (zuhanden der Alpgenossenschaft) einen Pauschalbeitrag für Milch-, Käse- und Butterverzehr.
 
  TouristInnen
- Was wird von Dir an Service erwartet? (Verkauf von Milch und Milchprodukten, zusätzliche Bewirtung, Schaukäsen)
- Wer setzt die Preise fest?
- Welche Aufzeichnungen, Abrechnungen
- Was darfst Du auf eigene Rechnung machen?
 
  Militär, Kraftwerke, Sportveranstaltungen
- Was ist während dem Sommer auf dem Alpgebiet an Schiessübungen, Bauarbeiten, Veranstaltungen vorgesehen?
- Wie wirst Du für Mehrarbeit und Belästigung entschädigt? Durch wen?
 
  Alpgenossenschaft
- Wer ist wofür zuständig? (Adressen, Telefonnummern)
- Den wievielten Sommer ist Dein Alpmeister für diese Alp zuständig?
- Gibt es einen Alpsonntag, ein Alpfest? (Das wär's doch!)
 
    Alptransport  
Esel als Älpler
- Wie ist die Alpzufahrt?
- Wie erfolgt die Postzustellung?
- Wer transportiert Deine Ware wann, ab wo und womit auf die Alp?
- Wie geschieht das Zügeln aufs Mittel- und Obersäss?
- Wie der Alpabzug Deiner Ware?
 
  Lohn
- Mach Dir zuerst ein genaues Bild von Alp und Arbeit, bevor Du den genauen Lohn verhandelst. Erkundige Dich zum voraus nach den kantonalen Richt- und im Gespräch mit dem Alpmeister nach den letztjährigen Löhnen. Vergiss keinesfalls, Deinen Lohn exakt und schriftlich zu vereinbaren.
- Brutto- oder Nettolohn? Wer zahlt welche Sozialversicherungsbeiträge?
- Wer übernimmt die Unfallversicherung (normalerweise ArbeitgeberIn), wer die Krankenkassenprämien (normalerweise ArbeitnehmerIn)?
- Wie werden Naturalleistungen (Verpflegung und Unterkunft) verrechnet, wie die Milchprodukte? Was ist im Lohn enthalten?
- Gibt es einen Taglohn oder einen Pauschallohn für die ganze Alpzeit? Wer nimmt die Lohnaufteilung unter den ÄlplerInnen vor? Wird bereits im Alpvertrag der genaue Lohn pro Person geregelt? Bei Pauschallohn aufgepasst, dass Ende Alpzeit alle ihre Sozialversicherungsbeiträge vom Arbeitgeber an die Ausgleichskasse bezahlt erhalten.
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Wieviel Vor- und Nachbereitungstage (z.B. für Zäunen) werden angerechnet?

- Wer erhält allfällige Tourismuseinnahmen? (Milchverkäufe, Übernachtungen)
 
     
   

Adressen

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  Lass Dir folgende Adressen geben:
- genaue Zustelladresse für Alppost
- Alpmeister, evtl. auch Alppräsident der Genossenschaft
- Tierarzt, Arzt
- letztjähriges Alppersonal (für Erfahrungsaustausch wichtig)
- Dorfladen
- nächstes Telefon, Telefonnummer des Alptelefons
 
  Zusätzliche Fragen für Kuhalpen
  Sennerei
  Um keine Überraschungen zu erleben, hilft nur eine Besichtigung der Sennerei vor Ort, so früh wie möglich, damit Bestellungen und eigene Vorbereitungsarbeiten vor Alpaufzug möglich sind. Um eine Sennereieinrichtung zu kontrollieren, gehst Du am einfachsten sämtliche Arbeitsabläufe in der Sennerei in Gedanken durch.
- Wie ist die Sennerei ausgestattet (Befeuerung Kessi, Heisswasseraufbereitung, Käseauszug, Formen, Milchlagerung, usw.) Muss anfänglich zweimal pro Tag gekäst werden, (Kessigrösse)?
- Soll oder darf das Alppersonal zusätzliche Spezialitäten wie Weichkäse, Joghurt, Quark, Ziger herstellen für die Bauern, oder zum Weiterverkauf an Hotellerie, Dorfläden, Direktverkauf? Sind Einrichtungen dazu vorhanden?
- Sollen Touristen bewirtet oder beherbergt werden? Gibts Touristenangebote (Schaukäsen, Brunch, Schlafen im Stroh)?
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Wird Schotte zentrifugiert?

- Wieviel Butter soll hergestellt werden, in welcher Form, Buttermödeli?
- In welcher Frequenz werden Alpkäse und Butter von der Alp geholt?
- Wie ist das Kellerklima, Feuchtigkeit, Wärme? Muss man zusätzlich steuern?
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Wer hat welche Aufzeichnungspflicht? Wer hat den QS-Alp Ordner, neue Fabrikationsformulare? Gibts Fabrikationsformulare vom Vorgänger?
 

  Stallarbeiten
- Melkmaschine und Kuhstalleinrichtungen vor Ort kontrollieren, inkl. Geräte zur Stallreinigung, Anbindevorrichtungen.
- Wer organisiert eventuell. sinnvolle, zusätzliche Melkaggregate?
- Melkorganisation: Wie will der Alpmeister gemolken und die Euter gepflegt haben? (Anrüsten, Ausmelken, Euterbehandlung, Trockenstellen)
- Wer bringt das Verbrauchsmaterial? (Melkfett, Holzwolle)
 
  Schweine
- Wieviele kommen auf die Alp?
- Darfst Du auch eigene mitbringen? Zu welchen Bedingungen?
- Wer bringt Stroh und Ergänzungsfutter zur Sirte?
- In welchem Zustand ist ihr Stall, der Auslauf, der Trog?
  
  Bei einem späteren Treffen sind folgende Fragen gemeinsam zu besprechen, wobei das am einsichtigsten anfangs Sommer auf einen Weiderundgang mit der AlpmeisterIn oder einer ehemaligen ÄlplerIn geschieht.
Wo wird wann geweidet? Wo sind bekannte, gefährliche Stellen? Wo ist zu zäunen? Wo sind die Tränken? Hat es genug Wasser? Wo sind die grossen Wander- und Bikerrouten? Wo sind die Zusatzarbeiten zu verrichten?
 

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