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Z'Alp?
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von Kaspar Schuler |
| Wer sich überlegt – ganz ohne Bauernjugend – z’Alp zu gehen, sucht etwas. Hoffentlich Arbeit. Es wartet eine dreimonatige, knapp bezahlte und sehr anstrengende Saisonstelle. Richtig liegt auch, wen die tägliche Erduldung der Wetterlaunen lockt, die ohne Rücksicht jeden Arbeitsgang mal erleichtern, mal erschweren. Als Hirt In einer Jungviehherde eignet sich, wer sich noch so gern für Wochen zu starren Felsen, kurzem Gras und einsilbigem Vieh gesellt. Wer zusätzliche Arbeit sucht und sich für unausweichbare Auseinandersetzungen mit wenig Menschen interessiert, geht in einer Gruppe mit, die eine Kuhalp übernimmt. Da muss es einen reizen, monatelang die kleine Hütte, Sennerei und Stallarbeit, das Zimmer und die Freizeit zu teilen. Wer all das will, sucht oft noch anderes: Ein ursprüngliches Leben im Rhythmus der Natur. Worauf sie oder er die bisherige Arbeitsstelle verlässt, wo die immer warme Luft immer gleich nach Nadelfilz riecht, oder wo die Werkstücke jeden Monat noch schneller entstehen müssen. Geht also auf die Alp und trifft sich im Stall, wo es immer gleich, nach warmer Kuh, nach Kot und Urin riecht und die Arbeit möglichst schnell, im fremden Takt der Melkmaschine, erledigt sein will. – Z’Alp gehen ist so widersprüchlich wie das übrige Leben auch. |
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Dieser Text Neues Handbuch Alp |
Grummeln und kneten Wen die Alparbeit weiterhin lockt, muss eine unentwurzelbar bodenständige Frau oder ein stiernackig hühnenhafter Mann sein. Das ist das klassische Profil. Auch magere StädterInnen eignen sich heutzutage, sofern sie zäh und ausdauernd sind. Ist jemand unstet und will innerhalb eines Jahres weiterziehen, an neue Orte, zu anderen Menschen, so ist die Alp eine Möglichkeit, das auch in unserer sesshaften Gesellschaft endlich deutlich und sinnvoll zu leben. Über den Arbeitserfolg entscheidet, ob die Hirtin ungebeten tagelang in feuchten Bergschuhen den Rindviechern nachstoffelt oder der Zusenn auch dann noch verantwortungsbewusst – und grummelnd – im kalten Keller Butter knetet, wenn der Hüttensegen sturzschief im Steilhang hängt. Hauptsache, man macht die Arbeit, ohne Applaus zu erwarten. Heidi hatte nur im Kino Zuschauerinnen. Bäuerinnen und Bauern, vorab die älteren, sind es oft nicht gewohnt zu loben. |
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| Belastbar und Mensch Heutige ÄlplerInnen sind Frauen so gut wie Männer, kommen aus allen Berufen und Bevölkerungsschichten, aus Portugal, dem Südtirol, aus Deutschland, Australien und der Schweiz. Von ihnen erwartet werden eine gute Beobachtungsgabe, Verantwortungsbewusstsein, Tierliebe und eine grosse körperliche und seelische Belastbarkeit. Je nach Art der Alp kommen weitere Anforderungen hinzu. Kuhalp Auf einer Kuhalp wird gemolken, gekäst, gebuttert, Mist geschaufelt und geputzt. Leichter ist’s dort, wo eine Milchleitung ins Tal führt. Dort wird nur noch gemolken, geschaufelt und geputzt. Der Tag beginnt früh. Aufstehen morgens um drei oder vier Uhr, durcharbeiten bis zum Mittag, mit einer kurzen Frühstückspause. Ab drei Uhr nachmittags nochmals ran bis um acht, geht etwas schief bis Mitternacht. Ab August geht es entspannter zu und her und es bleibt Zeit, mit dem Hirten über die Weiden zu strolchen, oder endlich für ein paar Stunden das Klischee zu leben: In der Sonne dösen, einen Grashalm im Mund. Je nach Herkunft und Erfahrung der ÄlplerInnen wird in der traditionellen, hierarchischen Rollenverteilung als Senn, Zusenn, Hirt und Gehilfe gearbeitet, oder im Team. In der ersten Gruppe wird mehr befohlen und in der zweiten mehr diskutiert, die Fragen stellen sich gleich: Wer mistet zweimal täglich den Stall aus, während ein anderer mit dem Vieh auf die Weide spaziert? Wer trägt die schweren Milcheimer vom Stall zur Sennerei, derweil eine andere das Rührwerk im Kessi laufen lässt, einfeuert und die Milcherhitzung überwacht? Wer knetet im feuchten Keller die kalte Butter? Wer bürstet mit wem die Käse, stundenlang? Wer zäunt im Regen, wer kocht an der Wärme und wer macht Mittagsschlaf, wie lange? Solche Debatten – zu Beginn der Alpzeit unter Arbeitsdruck und übermüdet geführt – sind durch Anweisungen zwar zu umgehen. Doch ein Alpteam bildet sich erst, wenn Brisantes in der Gruppe ausdiskutiert und ohne rücksichtslose Machtausübung einzelner durchgestanden wird. Wer nicht Stellung beziehen, sich nicht abgrenzen und auch nachgeben kann, erlebt eine schwierige Zeit. Kommt hinzu, dass viele erfahrene ÄlplerInnen alles andere als Kommunikationsgenies, sondern schlicht verstockt sind. Bei ihnen kommt zuerst die Arbeit und dann das Gespräch. Bei manchen braucht’s dazwischen noch den Alkohol, bei einigen viel. Es ist für einen Neuling deshalb bedeutungsvoller, lange vor Alpaufzug die Mitläuferinnen kennenzulernen, als die eingeschneiten Alpgebäude und die Landschaft zu besichtigen. Ob eine minimale Vertrauensbasis da ist, lässt sich mit der direkten Frage nach dem eigenen Lohn und dem der anderen erkunden. Wird darüber nicht offen gesprochen, ist grosse Vorsicht bei der Alpzusage am Platz. |
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Vorkenntnisse Heutzutage saugen Melkmaschinen an den Eutern von Hulda und Lambada. Das schont Handmuskeln und Sehnen von MelkerIn Heidi und Lazlo, belastet bei unsachgemässer Arbeit jedoch die empfindsame Kuhbrust. Damit ihre maschinelle Bearbeitung nicht zu Entzündungen führt, sind Grundkenntnisse der Euterpflege, im Hand- und im Maschinenmelken Voraussetzung. Mehrere Wochen intensives Melker Innen-Praktikum vor Alpaufzug auf einem Bauernhof sind wichtig. Am Käse und der Butter der SennerInnen kauen viele Familien einen ganzen Winter lang. Zudem ist der Alpkäse aus unpasteurisierter Rohmilch ein Aushängeschild der Berglandwirtschaft und wichtiger Einkommensteil geworden. Wer den alpwirtschaftlichen «Kaderjob» als Sennerin oder Senn will, sollte mindestens einen Sommer als Hilfskraft mitarbeiten und im folgenden Frühjahr den SennerInnenkurs an einer Landwirtschaftsschule besuchen. |
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Rinder-, Ziegen- und Schafalpen Suchtgefahr |
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