Schaffen und lieben
September 2008
 

 
Wer vom Alp- und Bergleben nach dem Sommer noch nicht genug hat, kann in den dunklen
Kammern des Kinos nachtanken. «Nur ein Sommer» erzählt die romantische Liebesgeschichte
zwischen dem rauhen Älpler und der blonden Arbeitslosen – «Bergauf, bergab» begleitet die
Familie Kempf dokumentarisch durch ein Jahr zügeln im Schächental.
 

Text und Bilder ab der Kinoleinwand Giorgio Hösli

 

 

  Berauf, bergab
   
  Bergauf, bergab
   
  Die Familie Kempf im Schächental hat dreimal Frühling, zügelt mit Vieh, Habe und sich selber von Buchen (560 m ü. M.) über Bieler (1130 m ü. M.) nach Pfaffen (1725 m ü. M.) und zurück oder durcheinander. Der Grossvater rechnet dem Filmer die gesammeltern Zügeleien vor und braucht dafür alle Finger seiner beiden Hände.
 

«Bergauf, bergab» kommt ohne Kommentare aus, die Kempfs erklären einem ihre Welt mit markanten und wohldosierten Weisheiten: «Hauptsache man ist gesund und mag schaffen.» und «Schaffen macht nicht alt, Probleme wälzen schon.» und «Die einen schaffen immer, die anderen nie viel.» So sieht man die Kinder alleine fernsehen, die Eltern sind noch in der Küche und im Stall.
Kempfs sind immer am arbeiten, kümmern sich nicht um den Stundenlohn und machen einen müden, aber in der Tradition eingebetteten Eindruck. Unterstützung erhalten sie von der Familie in Richtung Eltern und Geschwistern. Alle helfen mit, beim Zügeln, heuen, Kinder hüten.

   
  Monika Kempf
   
 

Solche Leute sind eigentlich das Rückgrat schweizerischen Heimatmythos vom edlen Bauern: Fadengerade und gschaffig, aufrecht und unverwüstlich. Aber auch sympathisch und kein wenig bemitleidenswert. Wenn sie könnten, würden sie wohl einen anderen Hof bewirtschaften, einfacher, weniger steil und alles Land ein einziger Fleck. Aber kein solcher Hof ist in Sicht und das Bauern aufgeben, das kommt ihnen während dem Jahr Filmaufnahmen nicht in den Sinn.
Laut Bundesamt für Landwirtschaft und Subventionswesen hat die Familie Kempf keine Existenz, was weder dem Kinogänger noch der Familie Kempf einleuchtet. Seh ich die Leute chrampfen oder seh ich sie nicht? Auf jeden Fall gibts ohne Existenz keine Subventionen, daher bauen die Kempfs bei ihrem obersten Domizil einen neuen Stall, ganz ohne Bundesbeiträge. Wenn das Bundesamt ins Kino ginge und sähe, dass es auch ohne Subventionen geht, hätte es etwas zum Nachdenken.

   
  Heuen im steilen Gelände
   
  Warum wählen die Kempfs ein Leben prall gefüllt mit Arbeit, wo doch Monika Kempf verlautet, dass sie als junge Frau niemals vorhatte Bäuerin zu werden: «Einen Bauern heiraten? Nein, da hat man es zu streng.» Die Frage bleibt offen und die Antworten karg. Wahrscheinlich können sie nicht anders. Die Arbeit ist Lebensinhalt und ohne Inhalt ist das Leben keines. Eigene Antworten können im Kino gesucht werden.
 
 

weitere Infos: www.xenixfilm.ch/de/film_info.php?ID=686 
Spieldaten: http://outnow.ch/Movies/2008/BergaufBergab/


   
  Nur ein Sommer
   
  im Keller
   
  Wieviele Arbeitslose das Arbeitsamt in Deutschland in die Schweizer Berge schickt, ist mir nicht bekannt. Eva aus Brandenburg verschlägt es übers Amt ins Berner Oberland auf die Alp zum Senn Daniel. Damit beginnt eine Geschichte, wie wir sie alle aus eigener Erfahrung kennen: Annäherungen und Annäherungsversuche, Missverständnisse, Eingeständnisse, ein Toter, ein Abgestürzter, ein Nebenbuhler, ein vom Hund angefressener Käse, ein Gewitter, drei Sonnenaufgänge, ein langer Abend, ein zu schneller Morgen, etwas Wein und viel Schotte, im rechten Moment ein Stall voll Heu. Die Regisseurin war selber zwei Jahre auf der Alp, weiss also wo das wahre Leben ist.
Die Story ist einfach gestrickt, aber hübsch gefilmt und die Alp und Alparbeit nicht übertrieben bildgewaltig in Szene gesetzt. Wieso am Morgen, sobald die Sonne aufgeht, jeweils das Alphorn erklingt oder der Jodel erschallt, bleibt das Geheimnis der Film- und Soundcrew. Als Älpler ist es nicht ganz einfach, sich von der Geschichte mitschunkeln zu lassen und nicht nach «Fehler» Ausschau zu halten. Selber schuld, meine ich, der Film ist schöner, wenn man weniger hirnt.
   
  im Kessi
 


Bauern, Milchinspektoren und Alpkäsereiberater, die schon immer gerne im Kessi baden wollten, müssen sich wiederum visuell begnügen. Es steigt nicht nur die schöne Blonde, sondern auch der Nachbarshirte, der Muslim Mehmet, ins Kessi. Ihm verdampft die Schotte derart seine Religion, dass er sogar am verbotenen Weinglas schlürft, um einem deutschen Pass entgegenzuschwimmen. Es geht eben nicht allein um die Liebe, leben muss man schliesslich auch noch. Solche Momente geben dem Film eine Dimensio über die Alpgrenzen hinaus, denn die Welt hört nicht bei 2000 Meter auf, auch wenn da scheinbar der Höhenkoller beginnt.
Gefallen haben mir die Szenen, wo der in Brandenburg zurückgelassene Freund plötzlich auf der Alp auftaucht und mit der Situation nicht klarkommt, dass seine Freundin nachhaltig anders riecht und eine Arbeit hat, die auch wirklich gemacht werden muss. Der Eindringling benimmt sich gemäss Fräulein Rottenmeier, die in einem anderen Alpfilm so treffend in einem Kuhfladen landet.

 
 

Spieldaten: http://outnow.ch/Movies/2008/NurEinSommer/Kinoprogramm/

   
 

 

 
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