Im Sommer gehts zur Alp
November 2008
 

 
Ein Familienbetrieb im Berner Oberland führt alte Traditionen weiter und kann sich dem Einfluss der Moderne nicht entziehen. Währenddessen wird die einzigartige Kulisse, vor der sich das alltägliche Leben abspielt, allmählich zugebaut. Denn der Hornberg, im Sommer von Kühen beweidet, wird im Spätherbst zum Wintersportgebiet.
 

Text und Bilder Susanne Aigner

 

 

  Es ist 6.00 Uhr morgens. Luise macht in der Küche Feuer. Sie giesst Kaffee auf und schaltet die Nachrichten ein. Gleich wird sie die Kühe von der Weide holen: Ein neuer Arbeitstag auf der Voralp beginnt.
   
  Die Bäuerin
Seit dem Tod ihres Mannes sorgt sie dafür, dass die Arbeit weiter geht: morgens und abends Melken und Füttern der Tiere im Stall, Schweine füttern, mittags kocht sie für die Familie (sie, Sohn Toni und 2 Kinder). Nebenbei erledigt sie die Hausarbeit und bestellt den Garten. Zur Alp ging Luise (71) seit Mitte der fünfziger Jahre, mit Anfang zwanzig. Damals brachte sie den Berner Alp-Käse (ein Käse wiegt zwischen 10 und 12 kg) noch mit dem Pferd ins Tal. Geboren in Lauenen als eines von acht Geschwistern half sie als Kind mit im Stall, auf dem Feld und auf der Alp. Später bildete sie nebenbei Lawinen-Suchhunde aus. Als junge Frau ging sie für eineinhalb Jahre zum Arbeiten in den Kanton Waadt. Mit 20 heiratete sie. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor. Alle erlernten andere Berufe. Auch Toni, der den Betrieb heute leitet, arbeitet hauptberuflich als Gipser.

Anfang der achtziger Jahre baute die Familie auf dem Hornberg eine eigene Alp-Hütte, die baulich eine Verlängerung des Restaurant-Gebäudes darstellt. Ein Stall mit 25 Plätzen war bereits vorhanden. Wenige Meter oberhalb wurde ein weiterer Stall mit Platz für ca. 25 Kühe errichtet. Hier ging Luise fast 20 Jahre zur Alp, am Anfang mit ihrem Mann und einem Käser. Seit einigen Jahren wird Fremd-Personal eingestellt.

   
  Luise auf der Voralp
   
  Der Berg
Der Hornberg ist 1795 Meter hoch und gehört einer Genossenschaft, bestehend aus einheimischen Bauern, die im Sommer mit ihren Kühen die Alp beweiden. Aus der Kuhmilch wird der traditionelle Berner Alpkäse hergestellt. Die Einnahmen aus dem Verkauf des Käses sind ein wichtiges Einkommen der Bauernfamilien. Im Winter kommt der Schnee, mit dem Schnee die Ski-Touristen, mit den Touristen das Geld. Teuer ausgerüstet, fahren sie mit dem Sessellift nach oben, um auf der Piste auf Skiern und Snowboards bergab zu stieben. Vor allem bei sonnigem Wetter brummt das Geschäft – für den Betreiber des Skilifts, oben für die beiden Restaurants mit Hotelbetrieb, unten in Saanenmöser, Saanen und Gstaad für die Pensionen und Sportgeschäfte. Für die lokale Wirtschaft ein Segen – doch die Natur leidet darunter, vor allem unter der zunehmenden Bebauung.

Da sind die Stationen und Masten der Sessellifte. Auf dem Gipfel der Hornfluh, dem benachbarten Berg steht, 1949 Meter hoch, der Sendemast. Weiter unten, zwischen Hornberg und Hornfluh, neben den Alphütten, wurde ein künstlicher See angelegt. Sein Wasser fliesst im Winter zu den Beschneiungsanlagen, die bereits Ende September am Berg errichtet werden. Sie verteilen den Schnee auch auf halber Höhe gleichmässig. Damit ein reibungsloser Ski-Betrieb gesichert ist. Auf den Bergwiesen wurden tiefe Gräben gerissen, um Rohre zu verlegen.

An anderer Stelle wird ein neuer Lift gebaut. Die Maschinen quälen sich den Berg hinauf, befahren enge Wanderwege und beginnen die Erde aufzureissen. Die einzige befestigte Strasse zur Alp wird ausgebaut. Als Folge davon erodiert der Boden. Zu untersuchen wären die Auswirkungen auf den Wildtierbestand. Ein anderes Problem sind die Pistenfahrzeuge. Diese beschädigen im Winter, wenn der Schnee über 1 Meter hoch liegt, oft die Viehtränken, die dann im Sommer nicht mehr zu gebrauchen sind.

   
  Alp Hornberg
   
  Die Kinder
Die jungen Leute in der Gegend, gerade auch Kinder aus Bauernfamilien, erlernen heute überwiegend Berufe ausserhalb der Landwirtschaft. Luises Enkel zum Beispiel sind 17 und 21 Jahre alt. Sie haben sich für eine Ausbildung als Verkäufer im Einzelhandel entschieden. Beide wohnen noch zu Hause. Am landwirtschaftlichen Betrieb ihres Vaters sind sie nicht interessiert.

Abends nach dem Melken sitzen wir, Luise und ich, beim Essen in der Hütte. Was aus dem Betrieb mal werden soll, wenn sie nicht mehr ist, frage ich. Diese Frage, meint sie, hätte sie sich auch schon oft gestellt.

   
 
Der Landwirtschaftsbetrieb der Familie Kübli in Saanen hat 20 Kühe mit Nachzucht, vier Saanen-Ziegen und mehrere Schweine. Nach dem Tod seines Vaters übernahm der Sohn Toni den Betrieb, den er heute gemeinsam mit seiner Mutter bewirtschaftet. Von Oktober bis Anfang Juni melken beide die Kühe im Stall in Saanen. Im Frühjahr wandert die Herde auf höher gelegene Weiden, Anfang Juni geht sie für zwei bis drei Wochen auf die Voralp. Von dort werden die Kühe auf die Alp getrieben – gemeinsam mit ca. 80 anderen Kühen und Jungvieh von anderen Bauern der Hornberg-Genossenschaft. Den ganzen Sommer sind die Tiere (mit Ziegen und Schweinen) sowie 26 Kühe von anderen Bauern auf der Alp. Die Milch wird verkäst von einem Käser, zwei weitere Mitarbeiter füttern und melken die Tiere. Währenddessen bringen Mutter und Sohn im Tal das Heu ein. Mitte September wandern die eigenen Tiere zurück auf die Voralp. Von dort aus kommen sie Anfang Oktober in den heimatlichen Stall nach Saanen, wo sie überwintern.

   
 
 
Susanne Aigner   Susanne Aigner (geb. 1971) hat Öko-Landbau in Witzenhausen studiert. Sie ging 3 Sommer zur Alp, zuletzt von Juni bis September 2008 auf der Alp Hornberg (bei Saanenmöser Berner Oberland).
   
   
 

 

 
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