CDs und ein Werkzeug gegen Wurst und Käse
Januar 2009
 

 
Draussen ist es kalt und keine Kuh da, um ihr nachzurennen. Da braucht es warme Ohren, gefüllt mit schöner Musik und zuckelnd vor Freude. Wer trotzdem noch ein Stück Kuh will, kann sie in den Hosensack stecken.
 

Rezensionen: Pressematerial und Giorgio Hösli

 

 

     
  Churchhill Mueterchue

Tiefsitzende Hosen
Bauern sind das keine, Älpler noch weniger, eher Jungs vielleicht. Warum sie der zalp ihre neue CD geschickt haben, bleibt im Dunkeln, möglicherweise liegt der Grund im Titel: «Mueterchue». Den Begriff gegoogelt fördert eben auch die Adresse der zalp zutage.

Egal, wir haben sie und wir besprechen sie. Zupf genug, sich an die Zitzen zu hängen, haben die Jungs, ihre Musik hört sich nach genügend Muskeln an. Berndeutscher HipHop, bei der auch mal eine richtige Gitarre mitspielen darf und die tiefliegenden Hosen nicht den Rock an sich verdammen. Ziemlich eingängig, beatig, juckend, ohrwurmig, hitverdächtig. In leichter Schräglage werden Themen verrappt, die schon seit Beginn des Urschreis Liedgut sind: Liebe, Zusammensein, Auseinandergehen und auch mal zwischendurch die Welt verändern. Kein Protestrapp, aber doch einiges engagierter als mancher Gangsta- oder Sülzarapp. Echt Dampf im Füdli oder eben: Prall gefüllt die Zitzen warten...

Churchhill: Mueterchue
http://www.churchhill.ch/

     
 
  Heidi Happy

Heidi Happy

 

Kein Jodeln im Salon
Meine Freundin sagt «so ein saudoofer Name», ich finde ihn lustig und Grund genug, die CD in der zalp vorzustellen. Meine Freundin sagt «etwas fad und lamaschig, nette Salonmusik vielleicht», mir gefällts, man kann beim Lauschen so schön die Muskeln an die Leine hängen, sich von der samtigen Stimme Heidi Happys die Nackenhaare kraulen lassen. Meine Freundin sagt «was meint die besonders zu sein, wieso macht die überhaupt eine CD», für mich hingegen ist das Kunst, wenn man nicht still sein kann, sondern singen muss.
In der Mitte der CD angekommen, wünsche ich mir, dass die Arrangements noch etwas schräger, kratzender, schrulliger würden, die Singer-Songwriter-Schublade zum Kasten raushauen. Aber dann höre ich einfach weiter, und freue mich am Gefühl, dass Heidi Happy gerade nur für mich singt. Meine Freundin sagt «das ist Quatsch».

Heidi Happy: Back Together und Flowers. Birds and Home
http://www.heidihappy.ch/

     

     
  Chilte und Wybe
  Christine Lauterburg, Jürg Stegmeier, Dide Marfurt
Vom Chilte und Wybe
www.narrenschiff.ch | www.kult-ur-guet.ch

Heiratsfähig
Die Nacht zwischen dem Samstag und Sonntag und noch eine andere mitten in der Woche sind Kiltnächte. In diesen laufen die jungen Bauernsöhne im Dorfe umher, schleichen an die Häuser, wo reife Mädchen warten, steigen auf die Scheiterhaufen vor den Fenstern, pochen am Kammerfenster und bringen ihren Nachtspruch an. Darf er gar hineinschlüpfen, so wartet ihm die Dirne, mit einem Gläschen Branntwein und Lebkuchen auf, und die Unterhaltung um die Heirat beginnt. Werden die Verliebten stille oder gar vertraut, so erscheint wohl plötzlich der Ätti mit dem Müetti in der Kammer, und es heisst: «Wer vor der Hochzeit den Ehemann spielt, ist pflichtig es bald im Ernst zu werden.»
(und das ist so schön und geheimnisvoll gesagt, dass wir es direkt aus dem Werbetext zitieren)

Erzähltes, Gesungenes, Musiziertes für Singles, für solche, die es werden wollen und sonstlich romantisch Veranlagte. Denn: «Es git keis nütnützigeres Volch als s'Mannevolch und s'Wiibervolch.»

     
 
  Fürschi Gseläschtuck
   
  fürschi: Gseläschtuck
www.fuerschi.ch/

Trotz Widerborstigkeit noch zahm
Gseläschtuck ist wohl ironisch gemeint. Die Gesellen von fürschi sind allesamt mit allen Noten und Nichtnoten gewaschen, haben Ausbildungen an Konservatorien und Jazzschulen hinter sich und auch schon ein paar graue Haare im Quartett.
Dani Häusler, Klarinette, spielt und spielte bei Hujässler, Pareglish, Hanneli-Musig, Dani Häusler Komplott; Christoph Mächler, Kontrabass und Gesang, ebenfalls bei Hanneli-Musig; Sergej Simbirev, Akkordeon, machte sein Konzertdiplom in Moskau, ist unter anderem Dirigent des Akkordeonorchesters Luzern und Florian Mächler, Gitarre, bei FLOMA forte und McLears.
So kommt die Musik von fürschi nicht ganz so frisch daher wie ab der Lehrlingsprüfung, oder zumindest der Party danach. Den Profi können die Mannen nicht hinter dem Gesellen verstecken, es klingt die Musik zu perfekt und zu fehlerfrei abgemischt.
Die Arrangement der Ländler, angeführt oder garniert mit der Stromgitarre, kommen lüpfig und breakig daher, aber das tanzende, rauchende, klatschende und Beifall johlende Publikum fehlt, um den Musikanten das nötige Quäntchen Sprutz abzuverlangen. Fürschi darf gerne noch etwas Dampf machen, herber, urchiger und widerborstiger werden und die nächste CD live aufnehmen.

     
 
  Fuchswald
 

 

  Dieter Fessler, Hein Grabher, Heli Burtscher:
Fuchswald Lyrik und Musik
www.heliburtscher.at
www.youtube.com/watch?v=z9cUtZT29sY

Alpknechte am Mik
«wie fast jeden tag spaziere ich auf die nahegelegene fuchswaldalpe. heinz, seit jahren der senn der alpe, sitzt vor der hütte. er liest in einem kleinen, roten büchlein. «liescht jetzt scho d’bibl», frage ich überrascht. «na, na, lyrik», murmelt er mir entgegen. «du interessierscht di für lyrik?" ich bin verblüfft. «jo, scho lang», ist seine karge antwort. dieter, der knecht, kommt aus dem stall. «lyrik gehörte schon immer zu meinem leben», sagt er. mein staunen wird immer grösser. zwei lyrikfans auf einer alpe. «jo denn kond amol zu mir id hütta, i ha mis tonstudio dunn, nem mr a paar gedichte uf. i mach nochher musig dazu, wenns nix isch, denn kond mrs all no löscha», sage ich zu ihnen. gesagt, getan. nur - gelöscht haben wir es nicht!»  (Heli Burtscher)
 
Ein Beat, der vorwärtstreibt, die Gitarre mit hartem klarem Klang, das Schlagzeug technisch präzis, der Synthi etwas einsam, die Stimme geradeaus und angenehm. Trotz der Lyrik keine Pathetik, die Worte von schnippisch über geistvoll bis vorwurfsvoll intelligent. Gedichte eben von Rilke, Hesse, Celan, Fried - nicht von Alpknechten. Was schade ist, denn am besten gefällt mir die «Wegbeschreibung», eines der wenigen Stücke, wo Grabher und Burtscher selber Hand an den Text legen, wo Worte ohne Bedeutung und Inhalt Kunst und Lyrik werden, wo Bedeutung entsteht am Rand der sinnlosen Worte.

     
 
 
  Das Kuhhorn in der Tasche
Wer jetzt nichts mehr lesen und hören will und trotzdem Hunger hat, soll eine Wurst oder einen Käse anschneiden. Das gewünschte Messer mit Kuhhorngriff bestellt man sich (es ist mit längerer Lieferfrist zu rechnen) bei:
 
Muotathaler YPS-Pfeifen und Kunsthandwerk
Andreas Heinzer, Wehriwald 18a, 6436 Muotathal Tel. 041 830 22 72
www.heinzer-family.ch/yps/
 
Messer
   
 
Home | Aktuell | Stellenbörse | Pinnwand | Archiv | Einkaufen | Kontakt | Sitemap | Suchen | Alle Inhalte © by zalp.ch | mail 
zalpverlag | IG-Alp | Älplertreff auf facebook