Bücher bis um Anfang des Sommers
Februar 2009
 

 
Draussen ist es kalt und keine Kuh da, um ihr nachzurennen. Also gute Zeiten für längerdauernde Aufenthalte unter der Bettdecke. Damit es bis anfangs Alp nicht langweilig wird, dafürs sorgen ein paar neue und alte Bücher.
 

Rezensionen: Ruth Oberhollenzer, Barbara Sulzer, Giorgio Hösli und Pressetexte

 

 

Ute Braun Alpsommer
Alpen, sömmern und der ganze Rest
«Wenigstens noch hundert Jahre!» möchte Ute Braun als Hirtin auf der Alp verbringen. Seit über 20 Jahren zieht es sie aus ihrem «normalen» Leben als Heilpraktikerin, den Sommer über in die Schweizer Berge. In ihrem Buch nimmt sie uns mit auf «ihre» Alp und lässt uns teilhaben an dieser bodenständigen Welt voller Farben, Gerüche, Düfte, Licht und Leben, aber auch an der harten und oft mühseligen Arbeit und den Anfällen von Einsamkeit.
Doch für diese Frau ist gegen alle Unbilden ein Kraut gewachsen. Sie meistert jede Aufgabe mit Hingabe und Humor, öffnet ihr Herz für Gott und die Welt und lässt uns teilhaben am Glück des ursprünglichen Lebens.
Ute Braun, geboren 1957 erlernte zunächst einen technischen Beruf. Später studierte sie Physik und Kunst und arbeitete im sozialen Bereich. Trotzdem trieb es sie weiter…
Auf die Suche nach einem Leben im Einklang mit dem Rhythmus von Tag und Nacht, eingebunden in die Natur und somit ein kleines Stück vom Grossen und Ganzen zu sein. Bildhaft erzählt sie uns über den erlernten Umgang mit dem Vieh, gefolgt vom teils schmerzlichen Abschied im Herbst, der Schönheit eines sternenübersäten Himmels und den alltäglichen Überraschungen eines Alpsommers. Sozusagen, der Wandel einer unzufriedenen Städterin zur naturverbundenen Älplerin.
Ein aufrichtiger Bericht – ganz nah an den Realitäten des Lebens und dennoch mit viel Platz für Sinnlichkeit und Fantasie. Unbedingt lesenswert!
Ruth Oberhollenzer
 
Ute Braun
Alpsommer
Mein neues Leben als Hirtin
Ehrenwirth/Lübbe Verlag, 2008
geb., 255 Seiten, Farbbildereinschub | CHF 34.90
ISBN 978-3-431-03742-5
www.luebbe.de | www.utebraun.de
     

     
 

Alpen im Sarganserland 

Über den Rand hinaus

Man kann die Alpen im Sarganserland schöner finden als andere Alpen, aber dafür braucht man ein Sarganserländer zu sein. Ist man das, zuckelt einem zwischen 20 bis 100 Prozent Älplergen durch die DNA, da kann einer nichts dagegen tun, und daher findet er die Alpen im Sarganserland schöner als usw.
Die Verbundenheit der ansässigen (wie auch der ausgewanderten) Bevölkerung jener Region mit ihren Alpen ist in vielen Gerüchten belegt. So wird zum Beispiel über die Melser erzählt, dass, kaum begegnet ihnen eine Kuh mit Tschäppel - zack! drückt es ihnen die Tränen vor lauter inniger Freude in die Augen. Der Alpabzug in Mels ist weitum bekannt und wer am Anlass eine Kuh sehen will, muss ellböglen können. Es sollen die Melser die einzigen Schweizer sein, die ihre Kühe mit richtigen Blumen, also nicht mit Heu- und Trockenblumen, zieren. Wie dem auch sei, im Buch ist noch mehr zu schauen und zu lesen als über Folklore, pardon Tradition. Die Bilder von Peter Donatsch zeigen die Alpwirtschaft vom wasserpumpenden Widder über den stolzen Sennen bis unter das Flotzmaul. Da ist es oft neblig, schwitzig, touristenwimmelnd, auch mal einsam oder einfach voller Kuhscheisse. Man steigt mit ihm in den Käsekeller, in die Regenhose, auf den Töff und auf den Berg, rennt Rindern hintennach oder lässt sich von Landschaften berühren, die weit über den Buchrand hinaus bis ins eigene Erleben reichen.
Auch in den Texten gibt sich das Buch umfassend: Übers Wetter, übers Wasser, übers Käsen, übers Kühern, von Alpsagen und Alpsegen, von Älplern und Älplerinnen. Dazu gibts ein Glossar und eine Übersicht der 93 Alpen mit Kartenmaterial und Detailinfos. Augengefällig bringt das Buch zum Ausdruck: Die Sarganserländer und die ÄlperInnen sind stolz auf ihre Alpen. Und wer noch ohne Tränen und Älplergen ist, soll es sich kaufen, der Rest hat es schon.
 

 

Alpen im Sarganserland
Fotos: Peter Donatsch, Texte: Agnes Schneider, David Imper, Jürg Hoby, Philippe Stäuble, Markus Hobi u.a.
Herausgeber: St. Gallischer Bauernverband 2008
gebunden, laminiert, 224 Seiten, 275 x 225 mm | ISBN 978-3-033-01668-2 | CHF 48.-
vergriffen

Alpen im Sarganserland

     
Tobias Micke Kuhl!

 
Ein Buch, das muht...

Wer den Klappentext liest, bemerkt: Das ist ein Buch voller Klischees von einem, der auszog das wahre Leben zu suchen und auf der Alp zu finden. Das ist natürlich interessant, also liest man weiter. Zum Glück ist der Suchende ein Journalist aus Wien, der schreiben kann und über seine Alpgrenze im kärntnerischen Gailtal hinaus denkt. So wird die Idylle auf der Alp doch ins schummrige Licht der Petrolpfunzel gerückt. Themen wie Rinderwirtschaft, Konsumverhalten, Tier- und Landschaftsschutz werden zwischen Rezepte, Tipps für Alpneulinge und nette Bilder gepflockt. Das alles ist locker und flocker zu lesen. Tobias Mickes Abenteuer und Erlebnisse machen Spass und man nimmt ihm ab, dass er ein lustiger Kerl ist, der Alp und Kühe liebt. So muht das Buch beim Öffnen und die Vernissage fand in einer Wiener Disco statt.
Das Buch wird ergänzt um einen Sprachkurs in rindisch, einem Alm-anach diversen Älplerwitzen und wissenschaftlich begründeten Bauernregeln. Im gesamten eher eine vergnügliche Lektüre als eine handfeste Anleitung für angehende ÄlplerInnen.
 
 
Tobias Micke
Kuhl!
Das Almhandbuch für Stadtmenschen
Droemer Knaur, München 2008
Taschenbuch, 256 Seiten | CHF 18.90
ISBN 978-3-426-78059-6
www.almhandbuch.com
Interview mit Tobias Micke:
www.droemer-knaur.de/magazin/Interview+mit+Tobias+Micke.642712.html

   

   
 

La Vachas in Vacanzas 

 
Fettflecken und Hundespuren

Ein lustig geratenes Bilderbuch einer Älplerin. Anstatt die Fotos des Alpsommers in einer Schublade oder Schachtel zu verstauen, klebt Romana Duschletta ein lehrreiches Bilderbuch zusammen. Es führt Leser und Leserinnen von den Vorbereitungen bis zum Alpabzug durch den Sommer, zeigt die wichtigsten Arbeiten wie melken, buttern und käsen. Die Kühe werden vorgestellt, der Hund und die Schweine. Die Bilder sind schief oder krumm ausgeschnitten, teilweise auf Holzrahmen platziert, zwischendurch drückt der Hund seine Pfoten aufs Papier und die Älplerin skizziert Blumen, singt ein Alpenlied und tischt ein Alpenrosengeléerezept auf. Details wie Fettflecken und Kaffeespuren, mit Namen genannte Kühe und die durchwegs zweisprachigen Texte, zeigen wie verbunden die Autorin mit der Alp ist. Das Buch ist ideal für Kinder und alle, die keine Ahnung von der Alp haben. Die kurzen Texte können Kinder selber lesen, die lustigen (Tier)bilder sind kurzweilig und geben einen Einblick ins vielschichtige Geschehen auf der Alp.
 

  Romana Duschletta
Las vachas in vacanzas – Die Kühe in den Ferien
zweisprachig romanisch – deutsch
Hardcover gebunden, 28 Seiten, 300 x 215 mm
viele Farbfotos, mit Zeichnungen, Rezepten, Gedichten, Anleitungen zum Alpleben | CHF 29.–
ISBN 978-3-033-01581-4
zu bestellen bei der Autorin: Tel. 079 417 49 15, romana@automaz.ch
La Vachas in Vacanzas

     
Alte Göscheneralp

 
Weggespülte Welt

Ein Geschichts-Buch? Nur mit Bilder? Kein Text? Das könnte langweilig werden – oder zumindest schnell durchblättert. Dem ist nicht so: Die historischen Bilder brauchen ihre eigene Zeit, der man beim Schauen nicht entfliehen kann. Schliesslich gibt es dieses Land nicht mehr, ist heute Seeboden hinter einer dicken Mauer, verwaltet von der Kraftwerk Göschenen AG. Man taucht mit dem Buch sozusagen ins tiefe Wasser vergangener Zeiten.
Die Göschener Alp aufleben lassen die Urner und Urnerinnen, die vom Leben auf der ehemaligen Alp erzählen, zu hören auf der beigelegten Audio-CD. «Da hinten ist nichts mehr. Wir sind alleine auf der Welt.» Weinerlich und der Göscheneralp nachtrauernd tönen die Stimmen nicht. Die ErzählerInnen freuen sich von ihrer ehemaligen Heimat zu berichten. Vergangenheit scheint das, was wir heute beim erzählen erleben, frisch und anwesend. «Wir hatten zu essen und zu trinken, damit waren wir zufrieden.» Und manchmal gab es Wein.
Themen wie Frösche fangen, Gesundheit, Landwirtschaft und das einfache Leben werden angesprochen. Wer die Bilder dabei nicht im Kopf gebiert, kann synchron zum Ton im Buch blättern.
Eine Hommage an eine weggespülte Heimat, die berührt.
 
  Martin Steiner:
Alte Göscheneralp
Erzählungen und Bilder zur Zeit vor dem Stausee (1920-1955)
Hardcover gebunden, 14 Seiten, 245 x 305 mm
100 historische Schwarzweiss-Bilder, mit Audio-CD | CHF 59.–
ISBN 978-3-906130-58-3
vergriffen
Alte Göscheneralp

 
Ute Braun Alpsommer

Ein feines, zartes Buch
Der jüdische Journalist Sam Apple begegnet in New York einem österreichischen Wanderschäfer, der jiddische Lieder singt, zum einen vor Publikum, zum anderen seinen sechshundert Schafen. Er beschliesst Hans Breuer auf der Winterweide und der Alp zu begleiten, um mehr über ihn zu erfahren. Sam Apple möchte zudem seinen jüdischen Wurzeln nachgehen und herausfinden, wie die österreichische Gesellschaft ihre Judenfeindlichkeit während des zweiten Weltkriegs verarbeitet hat.
Auf der Alp findet Sam Apple keine Idylle. Er hat die falschen Schuhe und ungenügende Muskeln mit. Zudem hatte er sich nicht vorgestellt, dass ein Berg steil sein kann und das Wetter oben unfreundlicher als im Central Park. Die Schafe machen nicht, was sie machen sollen und Sam hat Angst, von den Hirtenhunden die Tollwut zu kriegen. Hans Breuer singt zwar seinen Schafen jiddische Lieder vor, streitet sich aber heftig mit seiner Frau und bleibt Sam weiterhin ein Rätsel mit lückenhaftem Lösungswort. Die angetroffenen Österreicher zeigen sich ihm weitgehend judenfeindlich und wollen lieber nicht auf ihre Vergangenheit angesprochen werden.
Sam Apples Bericht ist sehr persönlich gehalten, er ist sich selber immer wieder unangenehm im Wege und versteht die Welt, die er beschreiben will, nur zaghaft. Das ist schön zu lesen, manchmal mit Situationskomik aufgefüllt und voll selbstironischer Offenheit, manchmal sinnreich bis ins eigene Fleisch. Man darf mit Sam zusammen staunen, so wenn er dem Weltmeister im Grasmähen begegnet oder er im Dorf Judenburg die Leute nach der Herkunft dieses Namen fragt. Zum Schluss ist man intelligent unterhalten worden, erfährt etwas über das Leben des sonderbaren und vielschichtigen Hans Breuer, kennt Leute und Schafe im Lande Österreich oder zumindest wie Sam Apple sie sieht.

  Sam Apple
Schlepping durch die Alpen Ein etwas anderes Reisebuch
Atrium Verlag, Zürich 2007
gebunden, 130 x 210 mm, 320 Seiten, wenige Bilder | CHF 34.90
ISBN 978-3-85535-00-1
www.atrium-verlag.com/
   

 

La Vachas in Vacanzas 

Antenne einschrauben

Schau der Kuh in die Augen, Hirt und Hirtin. Schau ihr auf die Beine, schau wie sie geht, wie sie frisst, wie sie aufsteht, schau ihr auf die Zitzen, fass ihr an die Nase, lupf ihr den Schwanz und kraule sie einfach mal hinter den Ohren... Wenn du eine Kuh kennst, erkennst du auch, wenn etwas nicht mit ihr stimmt, wenn sie krank ist oder krank wird. Das ist bei Herden mit über Hundert Stück nicht ganz leicht. Beobachten braucht Zeit und zäunen sollte man auch noch.
Jan Hulsen gibt in seinem Buch «Kuh-Signale» praktische Tipps zur Kuhbeobachtung. Obwohl man meinen würde, dies wäre aus einem Buch nicht zu lernen, ist man doch verblüfft, auf wieviele Details man hingewiesen wird. Das geht von der Kotbeurteilung über die Beinstellung bis zum Sozialverhalten innerhalb der Herde. Zu einem grossen Teil geht es im Buch um die Kuh im Stall, in der Liegeboxe und am Melkroboter. Trotzdem kann der Hirt und die Hirtin manches zum Kuhverhalten lernen, die Sinne für Krankheitssymptome schärfen. Am wichtigsten ist wohl, sich Zeit zu nehmen und zu beobachten. Wer rennt sieht nicht. «Rund um die Uhr geben Kühe wertvolle Informationen ab, wenn man dafür die richtige Antenne besitzt.»
 

  Jan Hulsen:
Kuh-Signale
Krankheiten und Störungen früher erkennen
Hardcover, 96 Seiten, 235 x 167 mm
viele Farbbilder und Grafiken | CHF 59.–
ISBN 978-90-75280-54-8
www.cowsignals.com | www.roodbont.com | www.lv-h.de
Kuh-Signale

   
Wege der Schafe

Den Klauen nach
In den Ötztaler Alpen hat sich bis auf den heutigen Tag eine mehr als 6000 Jahre alte, halbnomadische Hirtenkultur erhalten, wie sie sonst kaum noch in den Alpen zu finden ist. Über bis zu 3200 Meter hohe, teils vergletscherte Jöcher werden Jahr für Jahr Tausende von Schafen von Südtirol her, aus dem Vinschgau, Passeier- oder Schnalstal auf die Weidegründe im hintersten Ötztal getrieben, wo sie mit ihren Hirten den Sommer verbringen, ehe im Herbst wieder der lange Weg nach Hause beginnt. Dieser Bildband dokumentiert erstmals zusammenhängend in Wort und Bild die Geschichte und lebendige Kultur der Transhumanz in den Ötztaler Alpen.
Dabei spricht einem Hans Haid mit scharfer Zunge Klartext, als Verfechter und Kämpfer für Kultur und Tradition. Seine Bücher haben immer Botschaften, wollen nicht nur Sachbuch sein. Haid propagiert, dass wir vom Ziehen der grenzüberschreitenden Schafe lernen können, dass Traditionen oft mehr Substanz haben, als die hurtig lebende Moderne, die ihre dürftige Kraft vom Streben nach Geld bezieht. Haid gerät in Rage, wo der schnellebige Tourismus über die Landschaft fegt und Gerippe aus Stahl und Beton hinterlässt.
Die Geschichten und die Geschichte der Schafe ist lokal im Südtirol und im Ötztal angesiedelt. Manchmal fehlt mir als Schweizer Leser das Hintergrundwissen, um zu merken, ob ich objektiv informiert werde oder ob Haid sich Wissenschaftliches zusammendichtet.
 
Die beiliegende DVD versammelt eindrucksvolle Bilddokumente des renommierten Landschaftsfotografen Thomas Defner, authentische Tonmitschnitte von den Schaftrieben und unverkitschte Volksmusik aus der Region zu einer faszinierenden Multivisionsshow, welche die archaische Welt der Hirten und ihrer Herden nahezu unmittelbar erleben lässt.

Hans Haid lebt als Volkskundler, Alpenforscher, Publizist und Schriftsteller auf dem 1700 m hoch gelegenen Hof Roale im Ventertal/Ötztal. Zahlreiche literarische Veröffentlichungen und Sachbücher über Brauchtum, Dialekt und Kultur im alpinen Raum. Gründer von IDI Internationales Institut für regionale Sprachen und Kulturen, der Vereinigung Arge Region Kultur sowie der internationalen Vereinigung pro vita alpina.
 

Hans Haid
Wege der Schafe
Die jahrtausendealte Hirtenkultur zwischen Südtirol und dem Ötztal
Tyrolia-Verlag, Innsbruck-Wien 2008
Mit Multimedia-DVD von Thomas Defner
144 Seiten, 89 farb. Abbildungen, Format 24 x 27 cm gebunden, Schutzumschlag | CHF 58.90
ISBN: 978-3-7022-2901-6
www.tyrolia.at

     
Alpenpflanzen in ihren Lebensräumen
 
Peter Mertz
Alpenpflanzen in ihren Lebensräumen
Ein Bestimmungsbuch
Haupt Verlag, Bern 2008
kartoniert, 480 Seiten, 140 x 200 mm, 766 gr
850 Farbabbildungen, 30 Grafiken | CHF 49.90
ISBN 978-3-258-07195-4
www.haupt.ch
 
Den Blumen Namen geben
Stell dir vor, du bist eine Kuh, frisst eine Pflanze und weisst nicht, wie sie heisst. Dann bist du dumm dran. Denn du kannst nicht lesen, also kein Bestimmungsbuch wie das links stehende zur Klaue nehmen und nachschlagen um gescheiter zu werden. Andererseits macht das nichts, weil es dich gar nicht interessiert, wie dein Essen heisst. Als Älpler geht es dir natürlich anders. Eine Blume ohne Namen ist eine Blume, die du vergisst, die keinen inneren Wert besitzt, weil sie namenlos ohne Identität ist. Und wenn du sie auch nicht isst, so willst du doch wissen, wie die Mahlzeit deiner Kühe heisst. Versuch mal deinem Nachbarälpler zu erklären, was es für Pflanzen auf deinem Läger oder dort hinten in der Sumpfweide hat, wenn du nicht locker ein paar Namen nennen kannst. Namenlose Pflanzen bleiben diffus in deinen Gedanken, raus kommen sie dort nicht mehr. Auch um sich die Eigenschaften einer Pflanze zu merken: kommt sie früh auf die Alpweide, blüht sie lange, ist sie giftig, wird sie überhaupt gefressen, kann das Kraut auch in den Tee, ist es eine eiweissreiche Futterpflanze undsoweiter, auch dafür eignen sich Namen, woran man die Erfahrungen andocken kann. Kurz: Ohne Namen werden die Pflanzen zu einer Weide, mit Namen zu Individuen.
Die Standardwerke zu den Alpenpflanzen haben wir schon an anderer Stelle besprochen: www.zalp.ch/aktuell/suppen/suppe_2003_09/su_bu.html, das Buch von Peter Mertz verfolgt einen anderen Ansatz. Man lernt die Pflanzen nicht über Anzahl Blütenblätter oder der botanischen Familie kennen, sondern über den Lebensraum, den die Pflanze bevorzugt. Dies entspricht den Schritten eines Wanderers, der auch nicht entlang botanischer Wissenschaft, sondern entlang von Steinhalden, Sümpfen usw. schreitet. Man lernt dadurch Landschaften lesen, sein Auge für Beziehungen zwischen Gesteinen, Hanglagen und Pflanzenbewuchs schärfen. Die Lebensräume werden knapp und verständlich beschrieben, die Pflanzen erschliessen sich über Merkmale, Vorkommen, Wissenswertes und eine Farbfoto.
   
 
der letzte Schäfer
 
Roger Boussinot
Der letzte Schäfer
Von Leben und Tod des Jean Chalosse
Anrich Verlag GmbH, Modautal-Neunkirchen 1982
geb., Schutzumschlag, 263 S., 120 x 180 mm
ISBN 3-920110-80-3
vergriffen, auffindbar in Antiquariaten und Suchmaschinen
Von einer Aue gestillt
Ein Buch, das lange nachklingt: Noch drei Monate nach dem Lesen sehe ich den Schäfer mit seinem grossen, breiten, dunklen Mantel am Horizont auftauchen, die Schafe hinterhertrabend, spüre seinen strengen Geruch von Rauch und Schweiss an den Kleidern, seine entschlossenen Augen, höre seine kargen Worte.
Als Findelkind in einer Schafherde aufgefunden, von einem Hirten und einem Mutterschaf als Amme aufgezogen, übernimmt Jean Chalosse schon als Jugendlicher die Führung einer Schafherde. Während Jahrzehnten zieht er im Südwesten Frankreichs im Rhythmus der Jahreszeiten in die Pyrenäen, durch die Ebenen, ans Meer und wieder zurück. Strassenbau, wachsende Zivilisation und Besitzansprüche verändern die Landschaft und legen dem Hirten Hindernisse in den Weg. Für kurze Dauer scheint das Glück perfekt zu sein, als ihm eine liebe Frau und ein vererbtes Haus eine Bleibe verspricht. Doch stirbt seine Geliebte an der Geburt seiner Tochter – und er zieht mit den Schafen weiter.
Chalosse, der Naturmensch ohne jegliche Schulbildung, aber von stupider Aufrichtigkeit, verkaufte, um vermeintliche Schulden abzuzahlen, seinen Körper der medizinischen Fakultät. Aus diesem Grund verbrachte er seine letzten Jahre als Clochard auf der Treppe der Universität in Bordeaux, ähnlich wie ein Bettler, doch ohne jemanden je um etwas zu bitten. Roger Boussinot ist als Student dem alten Schäfer auf jener Treppe begegnet, hat nach seinem Leben recherchiert und daraus diesen fesselnden, leicht pathetisch und melancholischen Roman geschrieben.
 
«Aus seiner frühen Kindheit blieb ihm nichts als die Erinnerung an Dunkelheit und grimmige Kälte. In seiner Hand spürte er noch jene grössere Hand, die ihn in frostklirrender Nacht unter kalt leuchtenden Sternen vorwärts zog und seine nackten Füsse, die in kleinen Schritten über einen steinigen Weg und gefrorene Pfützen stolperten. Und dann der Stoss, der ihn in die völlige Schwärze des Schafstalles befördert hatte, das tiefe Wohlbehagen, das in der Dunkelheit über ihn kam wie ein Rausch, als er, festgekrallt im Vlies zweier Muttertiere, mit seinem ganzen Körper ihre Wärme einsog, seine kleinen Füsse sich langsam an den zuckenden Tierleibern erwärmten, und er ganz eingehüllt war in den beissenden Geruch ihrer Wolle. Sein Mund hatte eine Zitze gefunden. Er trank gierig diese herbe und warme Milch, die für viele Monate seine einzige Nahrung werden sollte.»
     
 
 
Agriadress

Wer, was, wo
Beim Landwirtschaftlichen Informationsdienst LID ist die neue Ausgabe des Agriadress erschienen. Wer Ansprechpartner im Agrarbereich sucht, findet die gewünschten Adressen. Ein alphabetisches Inhaltsverzeichnis, ein Personen- und ein Abkürzungsregister machen das in zweisprachiger Ausführung erscheinende Kompendium zu einem «Who is who» der schweizerischen Landwirtschaft.
Das Agriadress umfasst rund 510 Adressen von landwirtschaftlichen und landwirtschaftsnahen Organisationen und Institutionen auf nationaler, regionaler und kantonaler Ebene, geordnet nach Branchen. Ergänzt sind die Adressen mit den Namen den jeweils verantwortlichen Personen.

LID: Agriadress 2009
geheftet, knapp 100 Seiten, Format 210 x 148 mm | CHF 12.–
www.lid.ch

     
 
Blasie Hofmann ESTIVE

 
Estive

«Que fait un tropeau lorsqu'il est formé? Il se déforme. Il faut le reformer. Je pense beaucoup à toi. Sisyphe.»
Estive est un récit où l’auteur romance un été de berger en charge d'un troupeau de moutons. Ce carnet de route dans une vallée alpine fait partager au lecteur, tout au long de recontres inattendues, d'images poétiques et de réflexions philosophiques, le quotidien difficile des paysans et des bergers. Le livre n'est pas seulement un témoignage mais un «récit d’apprentissage».
Ce texte à l'écritue fragmentée, incisive et ironique, interpelle autant la dysneylandisation des Alpes que l'aspect devenu exotique des métiers ruraux de montagne. (Klappentext)
 
 
Blaise Hofmann
Estive

Editions Zoe 2007
Taschenbuch, 170 Seiten, Format 21 x 14 cm | CHF 28.00
ISBN 978-2-88182-592-7
www.blaisehofmann.com

     
 
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