Rückkehr der verlorenen Schafe
März 2009
 

 
Das Engadin soll wieder eine Rolle spielen bei der Zucht und Haltung der robusten Engadinerschafe.
Jetzt sucht ProSpecieRara eine Schafalp, auf der zukünftig ein reiner Bestand dieser alten Schafrasse
gesömmert werden kann.
 

Text und Bilder: ProSpecieRaraund Philippe Ammann

 

 

  Dem Engadin verdanken die edlen Schafe mit den auffälligen Ramsnasen und den langen Hängeohren ihren Namen. Hier waren sie einst heimisch und haben sich über Generationen an die Bedingungen einer extensiven Bergviehwirtschaft angepasst. «Besch engiadinais» oder auch «Besch da pader» nannte man sie früher, denn ihr rustikales, rotbraunes Wollvlies ähnelte den einstigen Mönchskutten.
 
Fast ausgestorben
Mit dem in der Mitte des letzten Jahrhunderts einhergegangenen Rassesterben kamen auch die traditionellen Engadinerschafe unter Druck und verschwanden von den Alpweiden des Bündnerlands. Die Stiftung ProSpecieRara fand Anfang der 80er Jahre nur noch wenige Tiere und startete mit Hilfe vieler engagierter Züchterinnen und Züchter nur knapp vor dem endgültigen Aussterben ein Erhaltungszuchtprogramm. Heute hat der Tierbestand, der vom Schweizerischen Engadinerschaf-Zuchtverein SEZ betreut wird, die Marke von 2000 Zuchttieren wieder überschritten.
   
auf dem Rücken schlitterndes Schaf
   
 

Zurück ins Engadin
Erstaunlicherweise erfolgte die Rettung und Erhaltung der Engadinerschafe hauptsächlich ausserhalb ihrer angestammten Heimat. «Nachdem die akute Bedrohung der Rasse abgewendet werden konnte, machen wir uns jetzt daran, sie wieder in ihrem Ursprungsgebiet zu fördern», sagt Philippe Ammann, Stv. Geschäftsführer bei ProSpecieRara. Aufbauen kann die Stiftung auf einer kleinen Anzahl Engadinerschaf-Betriebe in der Gegend von Scuol. «In dieser Region suchen wir jetzt eine Alp, auf der wir eine reine Engadinerschaf-Herde sömmern können», sagt Ammann. Mit einer Engadinerschaf-Alp kann den Züchtern eine Alp angeboten werden, auf der keine Gefahr besteht, dass wertvolle Herdebuchtiere von Widdern anderer Rassen gedeckt werden. Solche Kreuzungen verhinderten bislang oft die Umsetzung einer kontrollierten Erhaltungszucht während der Alpsaison und führten dazu, dass die Mischlinge auf der Schlachtbank landeten.
 
Nachhaltigkeit über Spezialitäten-Vermarktung

Aber nicht nur die Erhaltungszucht profitiert von einer Engadinerschaf-Alp. ProSpecieRara glaubt an ein Potential, das in den Spezialitäten vom Engadinerschaf steckt. «Mit unserem Alp-Projekt möchten wir die Engadinerschafe wieder in ihrem eigentlichen Sinne als Milchschafe einsetzen», erklärt Ammann. Das Wissen um die Milchschafqualitäten der Engadinerschafe ging mit dem Rückgang der Rassen verloren. Darum setzen Schafmilchbauern heute auf ausländische Rassen wie die Lacaune- oder die Ostfriesischen Milchschafe, die einen grossen züchterischen Vorsprung aufweisen. Das Engadinerschaf hat hier einen erheblichen Aufholbedarf. Es punktet als angepasstes Alpenschaf dafür mit einer soliden Gesundheit und einer sehr hohen Fruchtbarkeit. Einen nicht zu unterschätzenden Vorteil sieht ProSpecieRara in der positiven Ausstrahlung der traditionellen Schafe. «Konsumenten schätzen heute wieder vermehrt authentische Produkte und wollen wissen, woher sie stammen. Über den Absatz der Käse- und Lammfleischspezialitäten aus dem Projekt machen wir uns keine Sorgen.»

   
 
Schafalp und Betriebe gesucht
Die grösste Herausforderung des Projektes ist das Finden einer passenden Alp im Engadin. Sie soll einst Platz für bis zu 500 Schafe bieten, die auf der Alp gemolken werden. In der Startphase rechnet ProSpecieRara mit ca. 100 – 150 Schafen. Wer kurz- oder mittelfristig eine Alp anbieten kann oder über Informationen zu möglichen Alpen verfügt, kann sich bei ProSpecieRara melden:
Telefon 062 832 08 20 oder info@prospecierara.ch.
Über diese Kontakte informiert die Stiftung auch Betreibe, die interessiert sind, auf die Engadiner Rasse zu setzen und beim Projekt mitzumachen.
Mehr zu den Engadiner Schafen: http://www.engadinerschaf.ch/

   
Engdiner Schafe
 
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