Im Auge der Kamera
April 2009
 

 
Tobias Brunschwiler ging im letzten Sommer zum ersten Mal auf eine kleine Alp im Toggenburg.
Sein Alpmeister brachte 17 Galtli, er selber nahm seine Filmkamera mit. «De Chatzelochsenn» kommt
verdichtet auf eineinhalb Stunden im September in die Kinos.
 

Text und Bild Giorgio Hösli, Filmbilder Tobias Brunschwiler

 

 

  Tobias Brunschwilers erster Film über den Älpler und das Original Albert Künzle aus Ebnat Kappel hat in der Region Toggenburg/Wattwil über 2600 Leute ins Kino gelockt. Neugierige, Freunde und Neider kamen teilweise barfüssig, teilweise in Stallkleidern und wollten schauen, wer der Albert Künzle ist, ob er es richtig machte auf der Alp und welche Sprüche er vor der Kamera zum besten gab. Das Kino in Wattwil platzte aus den Nähten und war ob all den Bauerndüften mit der dezenten Lüftung überfordert. Der Erfolg des Filmes «De letscht Alpsummer» zeigte dem Verleiher und Tobias Brunschwiler, dass Bedarf besteht an regionalem Filmgut. Folgerichtig drehte Tobias nach dem «letzten Alpsommer» also den «ersten Alpsommer» mit dem Titel «Der Catzelochsenn», diesmal als Filmer und Hauptdarsteller in eigener Person.
   
  Tobias beim Film schneiden
   
 

Zum eingebildeten Filmschauspieler taugt Tobias Brunschwiler allerdings nicht.Als ich ihn im Winter besuche, um ihm bei der Schneidarbeit am Film zuzusehen, erfahre ich ihn als unaufdringlich. Er plappert nicht in 24 Bildern pro Sekunde, wirbelt nicht mit Filmplakaten, sondern gibt sich als stiller Schaffer, der nicht anders kann, als diesen Film zu machen. Unzählige Stunden verbringt er vor dem Bildschirm, um an Details wie Timing, Bildübergängen und am Ton zu feilen. Im Moment übersetzt er das Schweizerdeutsche in deutsche Untertitel, damit Dialektungwohnte überhaupt etwas verstehen.

Der ganze Film ist Homemade, geschnitten wird per Software «Final Cut» auf dem Holztischli in der Toggenburger-Stube, Flyer und Plakate haben Tobias und seine Frau selber getextet und gestaltet. Handgestrickt soll der Film jedoch nicht werden, der Alplohn war schon im Voraus als Anteil für eine neuen Kamera der Firma Sony gedacht. «Vielen fehlt einfach der Mut, zu machen, was man für wichtig hält», meint Tobias, «aber wenn man wirklich will, schafft man alles.»

   
 
   
 

Was unterscheidet den Chatzelochsenn nun von anderen Filmenüber Älpler oder Bergbauern? «Das er echt ist», meint Tobias, oder dass der wachsende Miststock uns durch den Film begleitet. Es gibt keine gestellten Szenen und nicht immer klappt alles wie es sollte. Für den alperfahrenen Zuschauer macht sich Tobias teils zum Clown, was ihn aber nicht stört, «denn ich checke ja gar nicht, was ich falsch mache». Zumindest beim Bart ging Tobias aber keinen Kompromiss ein, ein richtiger Älpler habe einen Bart, sagte er sich, also liess er sich um die Backen verwildern. Auch Käse machen passt ins Bild des Älplers, also karrte Tobias per Einachser Milch in Tausen auf sein Galtli-Alp. Ausgelastet war er mit den 17 Galtlis, den zwei Schweinen, ein paar Hühnern, der Katze ja nicht. So half er in der freien Zeit der Nachbarin bei der Stallarbeit und dem Heuen.

Selber in die eigene Kamera schauenwar für Tobias anfänglich schon etwas seltsam, ihr Antworten geben, die man sich selber stellt. Manchmal hat er vergessen, dass er fürs Kino mistet, manchmal war es umständlich die Kamera mit den Mistfingern zu bedienen. Alles lief sehr spontan, ein Drehbuch gab es nicht. So musste zuerst die Kamera her, als ein Schwein sich im Kuhstall verirrte, bevor Tobias es wieder ins Schweinsgehege trieb. Ebensowenig um schauspielerische Mimik ging es beim ersten Biss in den eigenen Käse, sondern um den Stolz über die als Neusenn begangene Tat. Auch wenn er den Käse nicht besonders fand, weil er jungen Käse nicht mag. Erst zum Schluss kam Tobias auf die Idee, andere Älpler einzubeziehen, um dem Publikum etwas Abwechslung zu bieten.
Tobias meint, die Schweizer wollten Filme vom einfachen Leben sehen, Filme wie «Bergauf, bergab» oder «Schönheiten des Alpsteins» hätten ihr Publikum. Trotzdem, sein nächster Film wird kein Alpfilm mehr sein, jetzt ist es genug an Alpabzug, Alpaufzug, Käse rühren, Kessibaden, Rindertreiben und Sonnenaufgänge. Die Alp, die hat man jetzt gesehen.

   
  Tobias mit Bart
   
 
  Damit der Film vom Bund Fördergeld erhält, braucht er 5000 gezählte Zuschauer, mit oder ohne Schuhe. Am 24. September ist Premiere in Wattwil, Herisau, Heiden, Uzwil und Wil. Die Daten und den Trailer kann man bereits schauen unter: http://www.moviebizfilms.com/katalog.html
Tobias Brunschwilers Filmbude findet man unter: http://www.tobiart.ch/
   
 
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