Der Bschiss mit dem Analog-Mozzarella
Mai 2009
 

 
Er sieht aus wie Käse, schmeckt wie Käse - ist aber keiner. Denn der so genannte Analog-Käse besteht aus Eiweiss, Wasser und Pflanzenöl und ist bereits in vielen Lebensmitteln enthalten.
 

Text Roland Wyss-Aerni, LID

 

 

 

Regelmässig werden da alle möglichen und unmöglichen Lebensmittel getestet, verglichen, bewertet und rangiert. Jüngstes Beispiel war der Mozzarella. Und so wissen wir nun, dass der teuerste Mozzarella aus dem Globus nicht der beste ist. «Dieser Mozzarella gefällt mir nicht», sagt der kauende Degustator mit leidender Miene.

Billig, billiger, analog
Das hat gewisses Unterhaltungspotenzial, und immerhin: Bei den degustierten Mozzarellas handelt es sich um echten Käse aus echter Milch. Das ist heutzutage keineswegs mehr selbstverständlich. Auf so manchem Pizzastück vom Imbissstand liegt statt echtem Mozzarella so genannter Analogkäse, ein Produkt aus Wasser, Pflanzenfett, Protein und Geschmacksverstärkern. Weil pflanzliches Fett etwa drei Mal billiger ist als Milchfett, ist dieser Kunstkäse viel billiger. Er lässt sich auch besser verarbeiten und höher erhitzen, Pizzas, Käsebrötchen und andere «Leckereien» können damit schneller und rationeller produziert werden.
Jüngst war im der Fernsehesendung «Frontal» auf ZDF ein Beitrag zu sehen, für den die TV-Macher auf der Lebensmittelmesse Anuga in Köln drehten. Am Analogkäse-Stand raunten russische und irakische Fachleute bewundernd «wonderful», als ihnen innert Minuten eine fixfertige Mozzarella-Imitation hingezaubert wurde. Abgefüllt wurde diese in weisse Plastikkübel, beschriftet mit «Camembert» und «Swiss Cheese». Das sei doch wunderbar, erklärte der Russe, so könne man die teure Milch weglassen, es sehe schön aus und sei erst noch fein. Möglicherweise waren auch westeuropäische Firmenvertreter ganz fasziniert davon, nur liessen sie sich vorsichtigerweise nicht filmen.

   
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  Analog-Käse ist nicht das Gegenteil von Digital-Käse. Filmbericht von der Anuga.
ZDF Zweites Deutsches Fernsehen, 7. April 2009
   
 

Tabuthema
Denn Analogkäse ist eine Art Tabuthema, niemand will ihn produziert oder verwendet haben, und trotzdem landen in Deutschland schätzungsweise 100'000 Tonnen Analogkäse in den Mägen der Konsumenten.
Analogkäse wird auch in die Schweiz importiert, ohne dass klar ist, in welchen Lebensmitteln das Produkt letztlich landet. Klar ist aber, dass weder in Deutschland noch in der Schweiz bei Produkten, wo Analogkäse drin ist, von Käse gesprochen werden darf. Und sowohl in Deutschland wie auch hierzulande ist für die Lebensmittelkontrolleure das Thema so neu, dass sie im Dunkeln tappen. Es ist damit zu rechnen, dass in den nächsten Jahren Fälle ans Licht kommen werden, bei denen Käse draufsteht, aber kein Käse drin ist.

Spardruck
Eigentlich ist es nur logisch, dass der immer grösser werdende Preisdruck bei Lebensmitteln zu unappetitlichen Phänomenen wie Gammelfleisch und Analogkäse führt. Und trotzdem ist man als Konsument negativ überrascht, man möchte lieber gar nicht wissen, was an einem günstigen Stück Pizza vom Imbiss alles nicht in Ordnung sein könnte. Auch wenn der generelle Qualitätsstandard in der Schweiz höher ist als in Deutschland: Gespart wird überall, gerade in der Wirtschaftskrise.
Wem gesundes, richtiges Essen etwas wert ist, dem sollten auch ein paar Franken mehr nicht zu schade sein: Im Restaurant eine richtige Mahlzeit essen oder lieber beim Bäcker oder Metzger etwas Schnelles kaufen als beim Billig-Stand. Nicht umsonst heisst es: Der Mensch ist, was er isst!

   
 
  Roland Wyss-Aerni arbeitet beim Landwirtschaftlichen Informationsdienst LID www.lid.ch
   
   
   
 
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